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Ein Blog mit kritischen Texten zum digitalen und polierten Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, zum persönlichen Leben im 20. Jahrhundert als Aspekt der privaten Individualität und Denkanregungen dazu, warum auch sogenannte "alte", analoge und imperfekte Dinge ihren Reiz haben. Warnung: das Blog kann blasphemischen Mangel an Respekt für die überlegene "Großartigkeit" der Moderne enthalten. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Nachtrag zu Forum6424.6.2016

Um die Themen, die mich zum Forum bewegen, auch einmal direkt anzusprechen, habe ich den folgenden Beitrag dort gepostet. Direkt verlinken kann ich den Thread leider nicht, weil der Beitrag thematisch eigentlich nur in die Unterrubrik "Gelaber" passt, und diese ist nur für angemeldete User zugänglich. Allzu viele Antworten erwarte ich mir auch nicht, aber mal sehen...


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Um mal einen etwas provokanten Beitrag zu schreiben:


Kann es sein, daß der moderne Retrofan immer eine gewisse Komfortzone bevorzugt? Also eine Zone, in der das Retrohobby sozial und zeitgeistig akzeptabel betrieben wird, ohne allzu negativ aufzufallen - quasi als Teil eines etablierten, nostalgischen "Lifestyle"? Außerdem als Zone, in der man die moderne Bequemlichkeit und aktuelle "gadgets" gerne und bereitwillig annimmt (und damit auch zum Teil einer Retro-Industrie wird) um das Retrohobby in Einklang mit dem Verständnis von Lebensqualität im Jahr 2016 zu bringen? Bewegt sich jemand aber allzu sehr aus dieser Komfortzone heraus, führt das zu einer gewissen Irritation und Stirnrunzeln und Bekehrungsversuchen. Ich spreche aus Erfahrung.


Warum gibt es (angenommen) z.B. Leute, die sich als echte C64-Fans betrachten und ihrem Rechner eventuell all die bequemen Gadgets der Moderne verpassen, auf der anderen Seite aber keinen Film mehr von VHS-Kassette gucken möchten, weil das zu veraltet und "unscharf" und unbequem ist? Wie finden sich die Mentalitäten zusammen? Warum kann sich kaum mehr jemand vorstellen, den C64 in Originalausstattung z.B. als einzigen Computer im Haus zu betreiben?


Wo bleibt der Respekt oder die Faszination für das Imperfekte, die für mich das Herz jedes Retrogedanken sind? Alte Technik sollte doch immer um ihrer selbst Willen respektiert werden, nicht weil sie sich so schön nostalgisch anfühlt.


Man verzeihe mir, wenn ich beim Lesen der Beiträge hier im Forum etwas diesen Eindruck gewinne. Mein Standpunkt: Ich sehe meine "Retro"-Einstellung halt immer auch als Aspekt von Zeitgeistkritik und unbequemer Hinterfragung der Moderne. Fight the System. Mir persönlich erscheint es so, als hätte der moderne digitale Zeitgeist in seiner gewissen Überhöhung einen zu starken Einfluß auf die menschliche Individualität, z.B. durch angelernte Ausfilterung von Imperfektion. Mir kommt das 21. Jahrhundert nicht zur Tür herein, und wenn ein Problem zu lösen ist, dann wird es eben mit Technik und Hardware gelöst, die mindestens 20 Jahre alt ist, vorzugsweise natürlich älter. Wenn das mal nicht geht, okay, soll mir recht sein. Es gibt noch soviel anderes zu entdecken. Nächste Anforderung, nächste Idee.


In einer Form von egozentrischer Selbstüberschätzung sehe ich mich dadurch als freierer Mensch an, als z.B. Leute, die für alte Technik nur Spott übrig haben, oder aber diese für Nostalgie in ein modernes Bequemlichkeitsschema einfügen möchten. Wie also soll man Retro betreiben - in einer eher unverfänglichen Komfortzone oder Weltkritischer auch außerhalb? Oder ist das alles Unfug, der nur in meinem Kopf existiert?

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Forum6422.6.2016

Trotz meiner Abneigung gegen moderne Webforen habe ich mich vor einigen Tagen mal beim Forum auf www.forum64.de angemeldet - das (Zitat) "größte deutschsprachige Forum zum Thema Commodore 64 und Retro Computer". Und in der Tat ist der rege Publikumsverkehr dort ein klarer Hinweis darauf, daß das Beschäftigen mit und Verwenden von sogenannter "veralteter" Technik wieder salonfähig geworden ist. Aktive Hardwareprojekte, Softwareprojekte, Buch- und Zeitschriftenprojekte, Fragen und Antworten - dort findet sich alles.


Und dennoch fühle ich mich nicht wirklich zu 100% heimisch (wer hat jetzt ehrlich erwartet, daß ich nichts zum Nörgeln finden würde? ;-)) Es sind viele nette und erfahrene Leute da, aber der Fokus liegt doch sehr stark auf dem nostalgischen Retrohobby, gerne mit moderner Bequemlichkeit oder Emulation. Retro in der sozial akzeptierten Komfortzone. Retrokonzepte als Aspekt von Zeitgeistkritik oder als Ansatz für kritische Hinterfragung der Moderne scheinen mir aber eher spärlich gesät.


In meiner selbstdarstellend-pompösen Vorstellung habe ich natürlich gleich die wichtigsten Punkte erwähnt. Kein moderner Rechner. Keine Digitalkamera. Kein Smartphone. Kein DVD-Player. Nix Neues seit 1996. Das 21. Jahrhundert kommt bei mir nicht zur Tür rein, dies ist quasi befreites Gebiet. FIGHT THE SYSTEM. Insgeheim hatte ich vielleicht sogar auf eine Antwort der Art "Ja hier, ich auch. Willkommen, Kollege, Freund, Seelenpartner..." gehofft, aber eigentlich nicht so wirklich. Es gibt sicherlich Leute dort draußen, die eine ähnliche Philosophie haben, aber die sind dann wohl eher selten in Webforen anzutreffen - und damit auch konsequenter als ich.


Stattdessen gab es halt einige nette Willkommensgrüße und vorgefertigte Winkesmilies, aber auch ein paar eher irritierte Antworten ob soviel (aka zuviel) Retro. Ich habe dann gleich noch ein wenig nachgesetzt, und einen Lobesthread zu DOS und Windows 3.11 gestartet, mit voll kewlen und bunten Screenshots, die unwiderlegbar und ohne die Notwendigkeit von Fakten beweisen, daß 3.11 jedem neuen 64-Bit-Betriebssystem haushoch überlegen ist. Denn was so bunt ist, muß doch einfach supergut sein. Deal with it ;-).


Und irgendwie hatte ich in beiden Threads schon das Gefühl, daß sich meine Philosophie zum Thema und die allgemeine Meinung im Forum nicht so wirklich zusammenfinden. Die Irritation wurde deutlicher und es klang z.B. die Frage an, warum ich denn "sowas" freiwillig mache. Außerdem dauerte es nicht sehr lange bis zum obligatorischen Ratschlag "Man muß mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit..." Naja. Es mag auch daran liegen, daß mir die Ironie moderner Retroleute oft etwas fremd bleibt - wenn z.B. jemand schreibt, daß man in den 90ern halt immer aufrüsten musste, sonst konnte man bald nur noch "Pong" spielen, so ist mir nicht ersichtlich, wie ernst das gemeint ist. Das klingt für mich eher nach Mentalität aus den Aufrüstheftchen jener Zeit.


Meine Threads bekamen zwar zum Teil viele Antworten, aber oft auch in manche Richtungen, mit denen ich wenig anfangen kann. Andere Threads fielen auch gleich völlig auf die Nase, z.B. ein paar verfaselte Blogbeiträge, die nur geringe Beachtung erhielten. Ein Thema, das mich ja immer sehr interessiert, ist der "Computer-Flohmarkt" - im Prinzip ein interessantes Thema, da er ja der Vorläufer so mancher Webforen, Gründungsfundament mancher Szeneprojekte (Digital Talk) und auch ein Spiegel seiner Zeit ist. Und was ist aus all den Schreibern von damals und ihren Überzeugungen geworden?


Auf einen Beitrag dazu im Forum gab es erst mal ein Kloppesmilie, weil ich einen "uralten" Thread wieder nach vorne geholt habe - letzte Antwort darin war glaube ich von 2013. Auch ansonsten verlief das für mich interessante Thema schnell wieder im Sand. Kann es sein, daß im Zeitalter von 2.0-Onlinevernetzung und Hochglanz-Retroheften eine so alte Zeitschrift auf Billigpapier trotz ihrer kulturellen Signifikanz für die Computerszene einfach nicht mehr interessiert? Das würde meinem Konzept vom Respekt für das Imperfekte zuwiderlaufen.


Alles in allem also viele nette Leute, aber auch ein wenig viel moderner Zeitgeist und Irritation, sobald das Retrohobby eine gewisse Komfortzone verläßt. Wobei der Eindruck natürlich an mir liegen kann, Gegenmeinungen sind willkommen.

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Super-up-to-date15.6.2016
Gestern habe ich mir wieder die aktuellste Fassung vom MpxPlayer installiert. Die exe-Datei für die DOS-Version stammt gerade mal vom 17.04.2016, und ist damit die aktuellste Programmdatei auf meinem Rechner. Nicht, daß ich sie unbedingt bräuchte, aber die kann man dann auch Leuten unter die Nase halten, die sagen, für DOS bekommt man eh nur noch Kram aus der Steinzeit.

Jetzt komme ich mir wieder richtig modern vor. Kann man da irgendwas dagegen tun? ;-).


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Computer Chronicles14.6.2016
Hier ein ganz interessanter Schnickschnack-Link auf archive.org:

Mit der dortigen "Exotenschau" im Bezug auf DOS und Windows 3.1x im Browser bin ich ja (wie geschrieben) nicht wirklich glücklich, aber es gibt auch bessere Aspekte der Seite, die sich in den Dienst älterer Technik stellen bzw. diese repräsentieren können.

Unter folgendem Link findet man z.B. eine Vielzahl an Folgen der amerikanischen Computersendung "Computer Chronicles" zum legalen Download. Den MP4-Download kann man natürlich in MPG1 umwandeln, dann klappt das Flogengucken auch mit dem 486er :-).

https://archive.org/details/computerchronicles

Die Serie lief tatsächlich von 1983 bis 2002 und hat damit in diesen 19 Jahren so ziemlich sämtliche Umbrüche und "Fortschritte" in der Branche mitgemacht. Daher dürfte sie auch als Zeitzeuge ganz interessant sein. Vor allem sprechen die Sendungen eben aus den Positionen ihrer jeweiligen Zeit und nicht amüsiert-rückblickend als Nostalgieparade.

In den Folgen aus den 80er Jahren sehen wir als Co-Moderator übrigens den zu früh verstorbenen "Mr. CP/M" höchstpersönlich, Gary Kildall.

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Radiogedanken 20166.6.2016

Ein paar kurze Beobachtungen zu einer aktuellen Entwicklungen, die als „modern und zeitgemäß“ verkauft wird, bei genauerer Betrachtung aber eigentlich eine immense Einschränkung und Vorfilterung der Auswahlmöglichkeiten bedeuten:


Es betrifft die aktuellen Radiosender, besonders auch das kommerziell orientierte Radio. Daß hier gerade in den letzten Jahren eine negative Entwicklung weg von individuellen Senderprofilen und hin zum leicht verkäuflichen Einheitsbrei vorliegt, ist sicherlich auch schon anderen Leuten aufgefallen, man findet online ja so einige kritische Artikel dazu. Aktuell hat es auch einen Sender hier aus der Region sehr übel getroffen, daher einige eigene Gedanken dazu.


Daß man als moderner Zuhörer von Radiosendern beschummelt wird, sollte keine große Neuigkeit sein. Für Unterhaltung und gute Laune, sowie oftmals auch für die Illusion von Information, bekommt man dort einiges an Scheinwelten geboten. Die Quote und Anpassung an marktpolitische Faktoren zählen, nicht der individuelle Zuschauergeschmack. Ich hatte ja vor einiger Zeit mal über ein Hörerlebnis geschrieben, bei dem der Moderator erklärte, zu einem aktuellen Zwischenfall (Großbrand) wäre man jetzt mit Herrn Soundso von der Feuerwehr verbunden. Kurioserweise wurde aber dann auf eine Frage des Moderators versehentlich nochmals das selbe, vorab aufgezeichnete Soundsample aus der Konserve abgespielt, was gar nicht zur Frage passte, und den Moderator doch hörbar peinlich berührte („Ähm. Äh. Ja. Das hatten wir schon mal...“).


Man sollte sich natürlich auch nicht der Illusion hingeben, daß lustige Zuhörer und Anrufer spontan und zur Überraschung des Moderators in die laufende Sendung live durchgestellt werden. Da könnten ja dann irgendwelche unlustigen Leute dran sein, die ungebührliches und/oder politisch inkorrektes Zeug reden. Hier ist eine gewisse Vorfilterung sogar notwendig und verständlich, und ich nehme mal an, daß Anrufe immer aufgezeichnet und auf Sendefähigkeit hin geprüft werden, während gerade Musik läuft. Dem Zuhörer gegenüber wird dennoch die Illusion erzeugt, spontane Live-Reaktionen und "Überraschungen" zu erleben.


Aber sei es drum. Das gehört zum Geschäft und soll hier eigentlich gar nicht das Thema sein.


Der private Radiosender, den ich meine, hatte bisher immer eher das Image eines „Oldiesenders“ für eine etwas ältere Zielgruppe im 30+ Bereich. Es lief Musik aus dem Zeitraum der 70er, 80er, 90er Jahre und dazwischen auch mal aus dem 21. Jahrhundert bzw. aktuelle Charthits. Natürlich auch damals schon mit einer starken Betonung von nostalgischen „Hits“, die von den Meisten gehört werden wollen, aber ab und zu auch mal mit ein paar kleinen musikalischen Perlen. Die Moderatoren waren meist etwas älter und hatten zumindest ein wenig Ahnung von der Musik, die sie spielten.


Seit dem letzten Jahr ist alles „neu“ und „noch viel besser“, was einem mit ständigen Jingles und der laufenden Erwähnung durch die Moderatoren dick unter die Nase gerieben wird. Die noch bessere Auswahl, die noch besseren Hits, der beste und vielfältigste Mix aus den 80ern und von heute. Und spätestens hier sollte man stutzig werden bzw. sollte auch jedem Moderator, der das Sprüchlein ablässt, der Widerspruch auffallen. Sie haben also angeblich eine noch vielfältigere Auswahl, haben aber gleichzeitig den Auswahlbereich für Musik zeitlich weiter eingeschränkt? Anstelle von 4 Jahrzehnten plötzlich nur noch Fokus auf „die 80er“ und die „aktuellen Hits“? Und auch hier natürlich wieder das Standardprogramm, um a.) bei der Zuhörergruppe 30+ nostalgische Gefühle anzusprechen und b.) junge Zielgruppen mit Charthits anzulocken, was auch durch den ständigen Einspieler „Und jetzt noch ein aktueller Hit...“ unterstrichen wird.


In der Übergangsphase hörte man zum neuen Image auch gerne mal „spontane“ Hörermeinungen als Einspieler, die alle nur bestätigten, wie supergenial sie die neue Ausrichtung und den noch besseren Mix finden. Hippe junge Moderatoren wirken in ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit noch künstlicher und können oft nicht mal die Namen von Interpreten älterer Songs richtig aussprechen.


„Selber schuld...“ höre ich da den modernen Blogleser sagen „Hol dir ordentliche Hardware, dann kannst du über Webradio jederzeit gute Sender für jeden Musikgeschmack hören, ohne auf kommerzielles Radio und dessen Schattenseiten angewiesen zu sein...“ Das mag schon sein, aber warum ist die einzige Ausweichmöglichkeit wieder digital?


Wenn ich einen schönen Oldie hören möchte, dann möchte ich das vielleicht ja über mein Röhrenradio tun, und nicht über einen standardisierten Digitalkanal per Windows-Radiokachel auf upgedateter Software für sicheren Webempfang. Mit der Anpassung von Radiosendern an einen Einheitsbrei und der Reduzierung auf immer weniger Auswahl (trotz fröhlich-gegenteiliger Behauptung) verlieren klassische Radios brauchbaren Input. Was im Endeffekt aber natürlich nur eine Vorstufe darauf ist, daß irgendwann der Tag kommt, an dem nichtdigitale Radios überhaupt keine Signale mehr empfangen werden.

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Imphobia-Diskmag19.5.2016
Beim Rumsuchen auf älteren CDs habe ich kürzlich wieder alle 12 Ausgaben des berühmten 90er-Jahre-DOS-Diskettenmagazins "Imphobia" gefunden. Das erschien als Scene-Produkt von 1991 bis 1996 in eher unregelmäßigen Abständen und hatte den Ruf, daß vielleicht technisch, optisch und inhaltlich beste Szenemagazin zu sein. Lobend muß man natürlich erwähnen, daß auch die letzten Ausgaben noch anstandslos auf einem 386er liefen, siehe Ausgabe 12 hier.


Beim Anlesen aller 12 Ausgaben fiel mir aber dann doch auf, daß sich der Ruhm des Magazins zumindest für mich hauptsächlich aus den letzten 4 - 5 Ausgaben erschließt. Gerade die frühen Ausgaben waren doch ein ziemlicher Verhau, und weit unter dem Niveau von z.B. C64-Scenemags wie der "Digital Talk" (die zugegeben ein wenig später erschien, und dies sporadisch ja noch immer tut). Damit meine ich nicht mal so sehr die einfache grafische Gestaltung, sondern das generelle Design und den Inhalt. Oft war die Schrift kaum lesbar, weil seltsame Zeichensätze und Farbgebungen verwendet wurden. Auf dem Pentium 166 lassen sich die älteren Ausgaben zudem nur stumm abspielen, da sich die Soundroutine vermutlich am Prozessortakt verschluckt. Ansonsten funktioniert alles, obwohl die Ausgaben kompatibel zu den weitverbreiteten 286ern entworfen wurden.


Was mich aber wie gesagt hauptsächlich stört, ist der Inhalt. Jede Menge schlechtes Englisch und Tippfehler, und trotzdem elitäres Rumgeblubber über Elite vs Lamer, zotige Sprüche und Artikel, der übliche Computerkrieg-Kram oder schlicht und einfach kindisches Zeugs. Exemplarisch sei ein Artikel genannt, der erklärt, wie man die "dummen Affen" namens Informatiklehrer veräppeln kann - zum Beispiel, in dem man sich vor den Ferien Fachbücher ausleiht, und dann nicht mehr zurückgibt. Merkt angeblich niemand. Da sieht man doch gleich, daß die wahre Elite am Werk ist ;-).


Interessant fand ich aber z.B. daß schon ein Artikel von 1991 (?) begeistert auf ein neues Net hinweist, von dem wir noch viel hören werden - das sogenannte "Internet". Damals natürlich noch ohne www und bunte Bildchen, aber dafür zumindest schon mit klassischen Diensten wie Usenet, IRC und ftp. Und wie der Artikelschreiber bewundernd schreibt, kann es einem sogar passieren, daß man auf Fragen Antworten aus Amerika oder Japan bekommt. Hilfe. Außerdem waren die Freaks der Ansicht, daß sie im Internet weiterhin unter sich bleiben werden, da es zu kompliziert für irgendwelche Lamer ist. "There is no manual for the internet - and there will probably never be one..."


Es müsste alle 12 Ausgaben hier auf pouet.net geben:


http://www.pouet.net/search.php?what=imphobia&type=prod


Wobei die Einträge dort seltsamerweise 1992 als Erscheinungsdatum der ersten Ausgaben angeben, in den file_id.diz-Dateien meiner jeweiligen Ausgaben jedoch Daten von 1991 stehen, z.B. "released on 27-12-1991" bei Ausgabe Nr. 4. In der Regel sind die diz-Dateien verläßlicher, da diese zur Info für Mailbox-Downloads erstellt wurden.

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PC-Welt sagt "Windows 3.1 rockt" 9.5.2016
Ein ganz kurzer Beitrag mit einem Link, den mir Andi am Freitag geschickt hat - vielen Dank hierfür:

http://www.pcwelt.de/news/Windows-faellt-auf-unter-90-Prozent-bei-Desktop-Betriebssystemen-9975167.html?google_editors_picks=true

Wie uns der Artikel berichtet, hat sich der Marktanteil von Windows 3.1x auf 0,45% gesteigert. Die PC-Welt ist darüber erstaunt und sucht nach Erklärungen für das große Mysterium, aber wir wissen natürlich, woher das kommt. DAS WAR ICH. ICH HABE DAS GEMACHT. MUAHAHAHAHA...

Und eigentlich eine gute Frage: sind Formulierungen wie "Windows 3.1 rockt" und "explosionsartiger Anstieg" der Nutzerzahlen nun Sarkasmus oder Ironie oder keines von beidem?

Ernsthaft: ich denke mal, daß sich das wirklich hauptsächlich auf virtuelle Installationen bezieht. Denn so alte Computer, um das im Original laufen zu lassen, gibt es doch gar nicht mehr. Sind ja alle kaputt ;-). Mich würde aber wirklich in Stückzahlen interessieren, wieviele DOS/Windows 3.1x tatsächlich noch auf alten Rechnern laufen und aktiv verwendet werden. Aber die Leute, die das tun, wird man in solchen Markanteilsdarstellungen vermutlich gar nicht finden.

Interessant ist auch, daß sich XP immer noch mit über 10% hält, obwohl Microsoft einiges getan hat, um das einstmalige Flaggschiff als unfähig und gefährlich darzustellen.

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Weitere Gedanken zur Sinus-Studie2.5.2016
Ein paar Gedanken noch zum Thema der Sinus-Studie bzw. zum "Mainstream" ohne Ecken und Kanten bei Jugendlichen und in der heutigen Welt allgemein:

Prinzipiell bin ich solchen Studien gegenüber wie gesagt immer skeptisch. Noch skeptischer bin ich Webartikeln gegenüber, die Schlußfolgerungen zu solchen Studien online präsentieren wollen. Das soll zum Einen für Leser mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne so leicht verdaulich wie möglich geschehen, zum Anderen aber auch einen bedeutungsvollen Unterton haben. Das mit dem bedeutungsvollen Unterton ist relativ leicht gemacht, man muß ein Thema nur damit umschreiben, daß "wir alle" davon betroffen sind, und niemand entfliehen kann. Irgendetwas tut sich und/oder wird upgedatet, und die Welt wird ab jetzt nie mehr dieselbe sein. "Google präsentiert einen neuen Dienst. Warum wir alle ab jetzt alles mit anderen Augen sehen werden und nichts mehr so sein wird wie vorher..." In dem Sinne sollte man also skeptisch sein, wenn eine relativ überschaubare Anzahl von Jugendlichen interviewt wird (vermutlich noch mit der Vorgabe bzw. dem sozialen Druck an einer Studie über den modernen Menschen teilzunehmen) und das Ergebnis dann als repräsentativ für die Homogenität und Anpassung einer ganzen Generation dargestellt wird.


Wobei es allerdings durchaus wahr ist, daß es im 21. Jahrhundert einen Mangel an Gegenkulturen gibt. Sätze aus der Studie wie "Ich versuche, mich allen anzupassen. Das gelingt mir hoffentlich..." würde man doch eher aus konservativen und "kleingeistigen" Zeiten wie den 1950ern erwarten, und nicht aus dem Jahr 2016, wo das Internet doch vermeintlich soviel neue Individualität und Kreativität des Einzelnen hervorbringt. Leider ist das Internet halt inzwischen großflächig dazu übergegangen, besonders für die junge Zielgruppe all das mit sozialem Erfolg und Aufmerksamkeit (und likes und Sternchen und sonstwas) zu belohnen, was einer möglichst großen Gruppe gefällt, oder ganz oben in einem Ranking steht. Was nicht in das Schema passt, bleibt schnell außerhalb der persönlichen Filterblase, speziell wenn diese für Bequemlichkeit und automatisches Aussortieren vorgeplant ist - wobei eben auch jenes Vorplanen mittlerweile maschinell geschieht.


Gerade die Mentalität, daß "das eben so ist" und man sich damit abfinden muß, wenn man dazugehören will bzw. generell das Konsumdenken, daß nur neue Technologie und Updates helfen, den nötigen Erfolg, die nötige Kompatibilität und die nötige Vernetzung zu haben, würde eine konkrete Gegenkultur benötigen. Daß das für mich eine Gegenkultur sein sollte, die dem stylischen Facebookupdate und der allgemeinen Verdatung einen konkreten Respekt für Imperfektion und für die Vergangenheit entgegensetzt, sollte bekannt sein. In der Gruppe der 14 - 17-jährigen dürfte ein solches Denken aber eine absolute Ausnahme sein, und in der Regel bestenfalls als exotisches Kuriosum durchgehen. Leider ist es inzwischen auch so, daß sogar die Generation, die sich selbst als "Retrofreunde" bezeichnet, oft sehr stark in das System integriert ist. Waren es mal die Leute, die aus einer gewissen Überzeugung heraus eine Opposition zum Zeitgeist darstellen, sind es heute oft jene, die über jeden Mangel an Komfort und Style beim "Retrohobby" gleich die Nase rümpfen.


Wir haben also eine Kultur, die laut manchem Schreiberling so mächtig ist, daß "wir alle" und unser Blick auf die Welt davon beeinflußt werden. Gleichzeitig gibt es kaum mehr Gegenkultur dazu bzw. nur noch in harmloser Hobby-Form. Wenn in der Studie ein wahrer Kern ist, dann wird die nächste Generation noch weniger interessiert an einer Gegenkultur sein, da diese (wenn sie etwas erreichen wollte) so radikal sein müsste, daß man damit aus dem sozialen Mainstream fallen würde.


Eine Ausage in der Studie fiel mir noch auf, nämlich jene, daß eine digitale Sättigung eingetreten ist, und die Zielgruppe eigentlich gar keine weitere Digitalisierung in ihrem Leben mehr möchte - aber natürlich auch keinerlei Schritt "zurück" durch Wegfall von Diensten und Technologie. Das halte ich für eine fragwürdige Feststellung, denn mit einer Sättigung wären die Marketingstrategen der Konzerne sicher nicht einverstanden. Es wird sich immer ein Weg finden lassen, die Zielgruppen davon zu überzeugen, daß sie unbedingt dieses oder jenes brauchen, um nicht in der Steinzeit zu leben (also so wie im Jahr zuvor). Den Leuten zu sagen, was sie unbedingt für ihr Leben brauchen, ist schließlich die Aufgabe ganzer Berufszweige. Wenn die Zielgruppe in der Studie also heute von einer Sättigung spricht, dann vermutlich nur aus dem Unwissen heraus, was die glorreiche Zukunft noch an digitalen Grundbedürfnissen bringen wird. Die Marketingstrategen wissen zum Glück Bescheid. Meh.


In diesem Sinne: FIGHT THE SYSTEM...

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Sinus-Studie27.4.2016
Und gleich noch ein Beitrag am selben Tag. Aktuell liest man ja online doch so einige Artikel zur Sinus-Studie, die herausgefunden haben will, wie angepasst und "Mainstream" heutige Jugendliche sind, und wie wenig diese noch "aus der Rolle" fallen möchten. Und obwohl versucht wird, auch die positiven Aspekte zu betonen (wie etwa allgemeine Eintracht und Harmonie etc.), kann ich mich nicht wirklich mit so wenig Freigeistigkeit und Rebellion anfreunden. Aber das mag an mir liegen...

Generell traue ich solche Studien ja nicht (auch nicht, wenn sie mich bestätigen), aber weil es generell zum Thema des Blogs passt, hier einfach mal ein Link zu einem beispielhaften Artikel in der Süddeutschen:

http://www.sueddeutsche.de/leben/sinus-studie-alle-wollen-mainstream-sein-1.2967488

Meinungen zur Studie und dem Ergebnis sind gerne willkommen. Ist Anpassung als Weg zu Harmonie, sozialem Erfolg und digitaler Lebensqualität wirklich der richtige Weg? Erinnert mich etwas an die eher unschöne Mentalität, die in Japan schon lange üblich ist.

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386er - 25th Anniversary Edition27.4.2016

Hier noch ein fauler Standardbeitrag Marke "1001 langweilige und im Prinzip immer gleiche WfW-3.11-Screenshots von CPs Uralt-Rechnern" mit großen bunten Bildern.


Ich hatte ja schon lange keinen aktuellen Screenshot vom 386SX25 mehr online. Der lebt natürlich auch noch, und ist jetzt gerade 25 Jahre alt geworden. Okay, da hat sich zum Jubiläum auch nicht viel geändert, ich hab nur ein paar neue Icons ausprobiert und der Desktop gefällt mir visuell und farblich ganz gut, weil die relativ einfachen Icons recht schön in den "dunkleren" Bereich des Hintergrundes fallen und gut lesbar sind. Die 512-KB-Limitierung auf 256 Farben fällt bei näherer Betrachtung natürlich auf (am Röhrenmonitor weniger), aber mir gefällt der Transparenzeffekt der Icons, die wohl wieder aus dem Mac-Bereich kommen.


Hier zwei Bilder, einmal Desktop ziemlich leer und einmal mit Schablonen-Ordner der WinWPS und Html-Reader für DOS. Vielleicht mag ja jemand noch "Immer der gleiche Mist..." als Kommentar schreiben. Sonst mach ich das selber ;-).





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Windows 3.1x im Browser22.4.2016

Okely-Dokely, hier ein kurzer Beitrag. Vor einigen Wochen konnte man ja online an verschiedenen Stellen die Meldung lesen, daß man auf archive.org jetzt auch Software für Windows 3.11 direkt im aktuellen Browser ansehen und anwenden kann:


https://archive.org/details/softwarelibrary_win3_showcase&tab=collection


Der Nutzwert ist mir kaum ersichtlich, aber das ist natürlich ein nettes Beispiel für die "Leistungsfähigkeit" moderner Technologie, die einfach das DOS und Windows 3.1 und gleich noch die Anwendung dazu als Emulation nebenbei im Browser laufen lässt. Mit einer konkreten Erfahrung von Hard- und Software vom Anfang der 90er hat das aber wenig zu tun - dazu gehört IMO die originale Hardware und die eigenhändige Installation von Hand und eben auch der Einblick in die Hintergründe, ini-Dateien etc. Im Browserfenster ist es reiner Konsum oder wie das Betrachten eines exotischen Tieres im Zoo durch ein kleines Guckloch - für ältere Anwender mit amüsiertem Nostalgiefaktor und für jüngere Anwender mit Irritation verbunden.


Die Überschrift im Archiv verspricht uns: "meant to show the range of software products available for the 3.x Operating System in the early 1990s" und die präsentierte Software besteht dann hauptsächlich aus kleinen 16-Farb-Spielen und Freeware. Das mag ja für den Anfang der 1990er und die frühe 3.0/3.1-Zeit durchaus repräsentativ sein, zeigt aber IMO wieder nur einen kleinen Ausschnitt aus den Möglichkeiten (und gerade das Überschreiten von 16-Bit-Grenzen war ja im Laufe der Jahre der interessanteste Faktor) und aus der Entwicklung. Aber so soll es wohl heutzutage sein - schließlich will sich der Betrachter ja darin bestätigt sehen, wie glücklich er doch ist, im Jahr 2016 zu leben und all das hinter sich gelassen zu haben.


Bezeichnend sind auch die Kommentare dazu, die es z.B. bei heise.de gab - siehe hier:


http://www.heise.de/forum/iX/News-Kommentare/Retro-Computing-Software-Sammlung-fuer-Windows-3-11-im-Browser/forum-254548/comment/


Da findet man wieder die üblichen Einschätzungen der Art, daß DOS und Windows 3.1x ja sowieso der letzte Dreck sind/waren, daß niemals irgendetwas funktioniert hat, daß das Gutfinden von sowas gar mit einem Stockholm-Syndrom gleichzusetzen ist (der Betroffene also auch psychologische Hilfe braucht - das kommt mir doch bekannt vor ;-)) und noch einiges mehr. Das Vokabular ist durchsetzt mit negativen Wörter wie "Foltermethode" und "Horrorvorstellung". Besonders hübsch fand ich den Kommentar, der Anwendungen für Windows 3.11 wie folgt beschrieb:


"...eine echte Latrine aus dem Mittelalter von innen sehen und schmecken"


Naja, wenn das die Leute aus dem Internet sagen, dann wird das schon so sein. Ich habe zugegeben kein Windows 3.1 und im Moment auch keine grellbunte Freeware aus dem Jahr 1991 laufen. Mit einem ordentlich eingerichteten DOS/WfW und guter Software darauf verbinde ich jedenfalls etwas anderes. Wie auch immer - wenn man es selbst herausfinden will, sollte man sich meiner Meinung nach einen guten 386er oder 486er holen und einfach probieren. Das ist allemal besser, als der vorgefertigte Konsum über irgendwelche emulierte "Exotenschau" im Browser.

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Ahoy-Hoy 201620.4.2016

Vermisst mich eigentlich niemand, wenn ich schon seit Monaten nichts mehr schreibe?


Wie wohl jeder vermutet, habe ich zur Zeit einfach wieder keine oder kaum Motivation für Onlinekram. Die ganze Mentalität im modernen Internet langweilt mich und/oder schreckt mich einfach nur ab. Man kann kaum mehr einen Beitrag oder Kommentar(e) online lesen, ohne auf Aggressivität, Meinungsmache, Bewertungsdenken, Selbstdarstellung, Manipulation, Arroganz, Fehlinformation, zeitgeistige Herablassung etc. zu treffen. Und das betrifft alle Themen - sei es nun Weltpolitik oder Medien oder Technik oder zum Produkt umgeformtes "Retrotum" und so weiter.


Und wenn ich so was lese, verhagelt es mir auch persönlich die Laune, mich noch groß online zu präsentieren und einzubringen. Wie ich schon öfter schrieb - meine Meinung ist meine persönliche und private Sache, warum also soll ich die online groß "bewerben" oder in die Falle geraten, eine digitale Selbstdarstellung und Meinungsmache zu betreiben, die ich an anderen Stellen ablehne? Als das Internet für mich noch einen gewissen Sympathiefaktor hatte, ging es noch so halbwegs, aber das durchgestylte und in Kategorien und Wertungen gestaffelte Internet im Jahr 2016 ist mir so fremd geworden, daß ich aktuell kaum noch bloggen mag.


Mehr fällt mir im Moment zu dem Thema leider nicht ein.

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Der Creatures-Beitrag 201618.2.2016
Wenn wir gerade beim Thema PC-Spiele sind, fällt mir auf, daß ich schon länger nichts mehr zu meinem Lieblingsspiel "Creatures" geschrieben habe. Ich hatte übrigens auch versucht, daß Thema per Email der Redaktion als mögliches Artikelthema für das Return-Magazin vorzustellen, aber bisher keine Antwort erhalten. Da muß ich nochmal nachhaken. Wahrscheinlich nicht retro genug und zu Windows-ig. Wobei es ja eigentlich als legitimer Nachfolger des 8-Bit-Klassikers "Little Computer People" zu betrachten ist. Ein paar Screenshots hatte ich jedenfalls schon gesammelt, und die verwende ich halt jetzt teilweise für den Blogbeitrag.

Ich will jetzt keine riesengroßen Screenshots verwenden, eine komplette Übersicht über das Interface unter WfW 3.11 gibt es z.B. hier.


Auf die üblichen Ausführungen zum Spiel möchte ich gar nicht mehr groß eingehen, das habe ich in früheren Beiträgen schon getan. Es ist ein geradezu klassisches Beispiel für eine komplexe und große Idee, die ohne besondere Hardwareanforderungen und ohne viel 32-Bit-Schnickschnack eine echte Revolution im Bezug auf KI und die Simulation von künstlichem Leben hätte sein können. Ich hatte es auch schon auf dem 386SX25 laufen, dort war eher der geringe Arbeitsspeicher und weniger der Prozessor das Problem. Nur kam dann halt leider die Dunkelheit des 21. Jahrhunderts und die Nachfolgeteile beschränkten sich meist auf stetig und rapide steigende Anforderungen an die Hardware, vorprogrammierte Routinen, Punktesammeln, Massenzucht, Hunderte grellbunter Nornrassen, Updatezwang, Onlineranglisten und Bewertungssysteme. Auch eine Möglichkeit, eine große Vision in den Mainstream zu kanalisieren und in ein massenmarktgerechtes "Spiel" zu verwandeln.


Leider hat sich diese Tendenz aber zugegeben bereits im ersten Teil abgezeichnet. Die ursprüngliche Idee vom Anfang der 90er Jahre wurde nach mehreren Jahren der Entwicklung auch dort immer mehr verwässert - spätestens dann, als sich Publisher und Geschäftemacher eingeschaltet haben. So waren die Leute, die etwas wirklich Besonderes und Neues erreichen wollten (nämlich simuliertes "Leben") auch schon im klassischen Entwicklerteam eher in der Unterzahl. KI-Experte Steve Grand war für Teil 2 dann gleich komplett weg, und auch andere Leute, die sich vorgenommen hatten, etwas Ungewöhnliches zu kreieren, gaben entmutigt auf. Aber ich wiederhole Dinge, die ich bereits früher sagte. Und wo kämen wir denn da hin, wenn in meinem vielseitigen Blog in Beiträgen immer wieder nur das selbe Zeugs stehen würde? ;-).


Es gibt einen interessanten Thread in der Creatures-Newsgroup. Dort hatte 2009 irgendein überdrehter Newbie aus Gründen der Selbstdarstellung Steve Grand belästigt und ihn auch in die Newsgroup eingeladen. Er hat sich dann selbst zu einigen der Vorgänge geäußert. Hier der Link, falls es funktioniert:


https://groups.google.com/forum/#!topic/alt.games.creatures/CfslavrwxMk


Was mich kritisch auch wieder etwas "aufgerüttelt" hat, war neulich das Betrachten des kurzen Einführungsfilms zum Spiel auf der CD. Auch dort werden ja schon ziemlich große Sprüche gekloppt - der Spieler nähme gerade Anteil am ersten kommerziellen Experiment zum Thema künstliches Leben und niemand bei den Entwicklern könne bisher sagen, wohin die Reise geht, und was die Norns in Zukunft alles können werden. Das haben seinerzeit auch viele Spieler geglaubt, die sich dann z.B. per Newsgroup zu Theorien und Gedanken und gar ethischen Themen geäußert haben. Nachdem ich das Spiel jetzt ca. 16 Jahre spiele, sind mir die Beschränkungen des Programms aber auch durchaus ersichtlich geworden und die Reise geht oft leider nicht besonders weit. Womit ich Überraschungen in Genetik und Verhalten gar nicht ausschließen will. Die tauchen auch nach vielen Jahren immer mal wieder auf, weil der Code irgendwie immer halb im Chaos hängt (wie mir Steve Grand einmal schrieb).


Trotzdem sind viele komplexere Eigenschaften zwar ursprünglich in Teil 1 implementiert gewesen, wurden aber dann wieder entfernt, weil sie einem leichtgängigeren Spielerlebnis eventuell im Weg stehen könnten. So findet man immer noch Reste von Funktionen, mit denen Norns ihre Eltern, Kinder und Geschwister hätten erkennen können, was eine komplere Sozialstruktur hätte etablieren können. Diese Funktionen waren aber niemals aktiv. Erstaunlicherweise ist es trotzdem bisweilen so, daß sich nähere Verwandte eher zusammenfinden bzw. scheinbar auch eine größere Aufmerksamkeit füreinander zeigen. Objektiv kann es dafür eigentlich keinen Grund geben, außer eventuell, daß verwandte Norns in ihren Reaktionen auf äußere Reize einander so ähnlich sein können, das sie spontaner und aktiver aufeinander reagieren. Oder es ist Täuschung. Hier mal ein Bild von Elternteil und Kind:



Ein deutliches Zeichen für eine aktive (Online-)Community waren bereits ab 1997 die zahlreichen Entwicklungen von neuen Rassen und Welten. Leider sind einige der Rassen und Welten aber heute verschollen bzw. wurden nie vollendet. Dabei hätten gerade auch alternative Welten, die gewisse Funktionen freischalten oder ergänzen, zu mehr Tiefgang im Programm führen können. Die Welt "Terra Nornia" ist ein gutes Beispiel für den richtigen Weg. Andere Welten sahen bisweilen auch etwas holprig gestaltet und hobbymäßig gezeichnet aus. Eine optisch richtig schöne Alternativwelt stellt "Arboretum" dar, die jedoch nie fertiggestellt wurde - vermutlich kam dem privaten Entwickler dann Teil 2 dazwischen - und wer will schon Welten für veraltete Spiele? Hier dennoch zwei Screenshots aus Arboretum mit seinen Kristallhöhlen etc.:






Hier noch ein Ausschnitt aus einem älteren Screenshot, den ich immer so richtig schön knuddelig finde ;-). Nüchtern betrachtet gibt es natürlich nur eine simulierte Belohnungsreaktion in der KI, die sich durch vorprogrammierte Animation und das Abspielen eines wav-samples darstellt. Eine solch lebhafte Reaktion auf die streichelnde Spielerhand wie hier sieht man aber selten. 




Soweit mal wieder zum alten Thema. Wo könnte das Genre künstliches Leben wohl heute sein, wenn man sich nicht zu stark darauf konzentriert hätte, dem modernen Gelegenheitsspieler altbekannte Kost zu bieten? Mir konnte bisher niemand eine moderne KI-Soft zeigen, die an den Entwicklungsgrad dieses fast 20 Jahre alten "Spiels" herankommt. Schade.

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Camelot in Monochrom8.2.2016

Am Wochenende habe ich mich dem EuroPC gewidmet, und dabei ein optisch durchaus ansprechendes Grafikadventure gefunden, daß auch mit 512 KB RAM, 9,54-Mhz-XT und Hercules-Monochrom läuft - nämlich "Conquests of Camelot - The Search for the Grail" von Sierra aus dem Jahr 1990.


Die Steuerung der Spielfigur läuft Sierra-typisch mittels Pfeiltasten und Eingabe von Textkommandos, wie man es ja auch aus diversen anderen Spielen wie Space Quest oder Kings Quest kennt. In jedem Fall gefällt die recht detaillierte und oft animierte Grafik im Camelot-Spiel sehr gut. So führt z.B. die Anweisung an den König, daß er sich reisefertig machen soll, nicht nur dazu, daß er plötzlich angezogen dasteht (wie es manch animations-sparende Spiel tun würde), sondern man sieht, wie er die Kleidung wechselt, das Kettenhemd anzieht und sich Schild und Schwert von der Wand nimmt - sehr schön. Das wirkt in EGA natürlich detaillierter, ist aber auch in monochrom visuell schön umgesetzt.


Allerdings wurde das Spiel im Schnickschnack-Jahr 1990 für pfeilschnelle 286er ab 12 Mhz geschrieben, daher geht König Artus auf dem XT doch etwas sehr gemächlich an seine heilige Aufgabe heran. Aber sei es drum, es ist durchaus spielbar. Das animierte Intro, die vielen Details und Animationen, sowie die zahlreichen Orte benötigen allerdings auch einiges an Speicherplatz - kamen die ersten Kings Quest-Teile noch mit ein paar Hundert KB aus, so braucht das Camelot-Spiel gleich 4 Disketten mit je 720 KB, die ohne Festplatte ab und zu gewechselt werden müssen.


Ich werde es in jedem Fall mal durchspielen, wenn auch vermutlich auf dem Pentium in 16 Farben. Dort läuft es ja auch. Hier mal ein paar leicht wacklige Fotos aus der Anfangsphase des Spiels direkt von EuroPC und Schneider-Monitor. Ein schönes Beispiel dafür, wie auch im kleinsten PC mal wieder ein umfangreiches Abenteuer und Spiele-Universum stecken kann:













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Whatever happened to Google Groups?29.1.2016

Kann es sein, daß Google Groups völlig unbrauchbar geworden ist? Man konnte dort doch früher nach Newsgroups suchen und bekam dann eine Übersicht nach Jahren und Monaten sortiert. Wenn man also z.B. alle Postings und Threads in einer bestimmten Newsgroup aus dem August 1996 lesen wollte, so ging das zumindest so halbwegs. In jedem Fall konnte man Monat und Jahr direkt anwählen und nicht nur "vorgefiltert" auf die neuesten Beiträge zugreifen.


Aktuell scheint das nicht mehr zu funktionieren. Nicht nur, daß die Groups-Funktion irgendwo unter "Ferner liefen" versteckt ist, bringt mir eine Suche dort nur noch eine konfuse Liste der neuesten Beiträge bzw. Tonnen von Spam. Wenn ich jetzt also in das Jahr 1996 wollte, müsste ich mich durch Abertausende von Beiträgen wühlen. Was auch nicht geht, da selbst ein aktueller Firefox nach einiger Zeit runterscrollen mit irgendwelchen "Skript antwortet nicht mehr"-Fehlern hängen bleibt. 


Liegt es also an mir, oder ist die Groups-Funktion unbrauchbar? Was kann ich tun, wenn ich direkt nach 20 oder 30 Jahre alten Postings in einer Newsgroup sortiert nach Monaten und Threads suchen möchte? Gibt es noch Alternativen? Und warum bitte hat der digitale "Heilsbringer" Google für all das gesammelte Wissen von Usenet-Jahrzehnten nur ein solches Desinteresse übrig?

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3.11-Screenshot des Monats Januar 201627.1.2016
Ein fauler Beitrag der üblichen Standardkategorie ;-). Da ich doch schon eine Weile keinen Windows-3.11-Screenshot des Monats mehr hatte, hier mal wieder ein aktueller. Sieht im Grunde so aus, wie schon die ganze Zeit, da ich im Moment mit der einfachen Gestaltung mit nur den nötigsten Programmen auf dem Desktop zufrieden bin. Mir gefiel hier besonders die Farbgebung, wobei es auf einem Röhrenmonitor natürlich IMO wieder besser und leuchtender aussieht.

Und ist das Bild nun ästhetisch oder sexistisch-kitschiger Schweinkram? Komplexe Frage ;-).


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Serials online25.1.2016
Ein interessantes Kapitel der Mediengeschichte, auf das man gerne mal einen Blick werfen sollte, sind die amerikanischen Kinoserials, die es zwischen den 20er und 50er Jahren gab (danach wurden sie zugunsten von TV-Serien eingestellt). In der Tat sind diese in den Kinos aufgeführten Serials ja auch die Vorläufer aller modernen TV-Serien, relativ früh waren auch etliche Genres vertreten, von Krimi und Abenteuer über SciFi bis hin zu Comic-"Verfilmungen" von Radio- und/oder Zeitungsserien wie Phantom, Dick Tracy oder Flash Gordon. Zum Teil gab es dann auch kuriose Mischformen wie etwa SciFi-Western - ich hatte in einem früheren Beitrag ja schon mal "Phantom Empire" von 1935 erwähnt. Hier trat dann auch die Obskurität vieler Serien deutlich zutage, wenn sich z.B. die Führungselite einer hochentwickelten und zehntausend Jahre alten Untergrundzivilisation hauptsächlich darum sorgt, wie man einen singenden Cowboy von seiner Radio Ranch vertreiben kann. Ja, ernsthaft ;-).

Im merklichen Unterschied zu Radioserien der 50er wie "Dragnet" oder "Gunsmoke", die technisch und inhaltlich eine weitaus höhere Messlatte hatten, und im Bezug auf Handlungen, Sprecher und Klangeffekte auch heute noch überzeugen können (ich hatte ja schon einige Links präsentiert) "krankte" die Mehrzahl der Kinoserials leider häufig an Problemen, die sie heutzutage eher schwer verdaulich machen. Schlechte Darsteller, billige Sets und Effekte und eine holprige Cliffhanger-Dramaturgie voll mit Plotlöchern und Unfug sind häufig anzutreffen. Das geringe Budget zeigt sich auch darin, daß viele Serials einfach Archivszenen oder Ausschnitte aus anderen Filmen verwenden, um ihren Geldmangel zu überdecken. Ein kurioses Beispiel hierfür zeigt sich z.B. beim dritten Flash-Gordon-Serial "Flash Gordon Conquers the Universe" (hier gilt wohl auch die Regel: je bombastischer der Titel, desto geringer das Budget ;-)) - dort sehen wir als Double für den eisigen Kontinent Frygia auf dem Planeten Mongo etliche Szenen aus dem deutschen Film "Die Weiße Hölle vom Piz Palü". Also nicht wundern, wenn außerirdische Suchtrupps plötzlich Tirolerhüte tragen.


So ungern ich digitale Schnickschnacklinks präsentiere, findet man viele dieser Serials jetzt legal (?) auf archive.org, weil scheinbar keine rechtlichen Ansprüche mehr angemeldet wurden, und sie daher Public Domain sind. Wollen wir es halt mal glauben. Die Episoden lassen sich natürlich auch in MPG1 umwandeln und können somit auch mit älteren Rechnern betrachtet werden. Das Problem mit vielen dieser Dateien ist aber, das sie zum Einen oft stark gekürzte Syndication-Fassungen aus späteren 50er Jahre TV-Ausstrahlungen sind (so ist es z.B. im Fall des oben genannten Flash-Gordon-Serials. Ich kenne auch die deutschen Synchronfassungen, und dort ist jede Folge um einige Minuten Handlung länger, als in den englischen archive.org-Versionen). Zum Anderen tritt häufig das Problem auf, daß Bild und Ton asynchron sind, wie auch viele Beschwerden in den Kommentaren bestätigen. Keine Ahnung, woher das kommt, digitaler Schmuh halt.


Ein amüsantes und typisches Serial, daß ich gerne mit Link präsentiere, ist "The Phantom Creeps" von 1939. Es ist technisch in Ordnung, macht einen eher ungekürzten Eindruck, und wir sehen Bela Lugosi als ausländischen mad scientist vs patriotische Amerikaner. Der McGuffin ist eine völlig unsinnige Erfindung, von der uns immer wieder erzählt wird, welch schreckliche Waffe sie darstellt (ich will nun gar nicht zuviel verraten) und ein Großteil der Handlung besteht aus Action, Verfolgungsjagden und Cliffhangern. Diese grenzen zumeist an Zuschauerveräppelung, wie sich schon bei der ersten Folge zeigt. Das Publikum hat es nicht gestört. Lugosi hat übrigens mehrere Serials gemacht, zum Teil war er sogar der noble Titelheld, wie in den "Chandu"-Serials. Was ihm aber nicht wirklich lag, Vampire und melodramatische mad scientists sind doch eher sein Ressort. Und als Doktor Zorka mit Superwaffen, Unsichtbarkeit, evil robot und Z-Ray ist er absolut in seinem Element. Ansonsten ist die Handlung natürlich hanebüchener Unfug und ein ständiges Hin und Her von flachen Pappfiguren. Aber das macht vielleicht auch den Charme aus.


Interessant ist das Serial auch vom kulturhistorischen Blickpunkt, betont es doch sehr stark Aspekte wie Isolationismus und Staatsgewalt in den USA. Die bösen Jungs sind Ausländer und Spione, ihr Hauptquartier ist eine "International School of Languages" (international ist schon mal aus Prinzip unamerikanisch) und wenn der Held mit dem hübschen Namen "Bob West" unangenehm im Straßenverkehr auffällt, muß er nur seinen G-Man-Ausweis vorzeigen, und darf sich dann alles erlauben. Was aber auch auffällt, ist, wie schwammig die europäischen Hintermänner der Spione bleiben. Amerika war noch nicht im Krieg und wollte niemandem auf die Füße treten. Was ebenfalls auffällt, ist die starke Verwendung von Archivmaterial. Falls einem Bela Lugosi z.B. in einer Rückblende im Strahlenschutzanzug ein wenig zu groß vorkommt, nicht wundern - es ist in Wahrheit Boris Karloff und die Szene stammt aus einem ganz anderen Film. Etwas geschmackloser wird es zum Schluß mit einem Angriff von Doktor Zorka auf einen Zeppelin, illustriert von Szenen der brennenden Hindenburg.


Aber egal, hier der Link zum Onlinegucken oder Download aller 12 Episoden:


https://archive.org/details/the_phantom_creeps_ep1


Hier noch zwei Links mit nur kurzem Kommentar. Einmal zum "Captain America"-Serial von 1944 - hier fällt auf, daß es (vermutlich aus Budgetgründen) bis auf den Titel nicht das Geringste mit der Comicvorlage und deren schildwerfendem Helden zu tun hat. Captain America ist im Serial ein amerikanischer Staatsanwalt, der gegen das organisierte Verbrechen vorgeht. In dem Sinn passt die Handlung auch weniger in den Bereich Superheld, sondern mehr in den Bereich "hardboiled detective story". Und während andere Serials eher harmlos gestaltet sind, fällt hier der relativ hohe Gewaltlevel auf. Leider ist nur die erste Folge technisch okay, bei späteren Folgen sind Bild und Ton asynchron. Ach ja, Dick Purcell, der athletische Darsteller des Captains ist wenige Wochen nach den Dreharbeiten an einem Herzinfarkt gestorben:


https://archive.org/details/captain_america_ep1


Als letzten Link noch "The Undersea Kingdom" von 1935 - eine SciFi-Story mit dem wohl trockendsten Atlantis aller Zeiten. Etwas bizarr wirkt die Vorliebe der Story für leicht bekleidete Männer im Ringkampf und zeitgeisttypisch ist die Darstellung des Gegenspielers als asiatisch geprägt und als Angreifer einer europäisch-westlichen Zivilisation definiert - hier z.B. Unga Khan, bei Flash Gordon Ming The Merciless. Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen. Mit "Joe" sehen wir im ersten Teil die vermutlich größte Knalltüte der Serialgeschichte - der erste Teil ist auch sein letzter. Und ja, es sind die Roboter aus der Voyager-Folge:


https://archive.org/details/undersea_kingdom1


Soweit mal hierzu. Es liegen natürlich noch weit mehr Serials auf archive.org herum, darunter auch inhaltlich äußerst fragwürdige Produktionen. Bei Interesse einfach mal in der Serialrubrik rumsuchen. Leider gelten für viele die oben erwähnten Kritikpunkte Syndication-Kürzungen und asynchroner Ton.

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Gute Vorsätze20.1.2016
Hier ein kleiner Beitrag, um mich zumindest mit einem kurzen Lebenszeichen im Blog zu melden. Eigentlich hatte ich versprochen, mich über den Weihnachtsurlaub an einige größere Beiträge zu setzen. Was aber irgendwie doch nicht geklappt hat, da ich mich in dieser Zeit hauptsächlich meinen 8-Bit-Rechnern gewidmet, und den DOS-PC daher kaum eingeschaltet habe. Die freundlichen Fanati...ähem....wahren Superfans im CF hatten schon recht - nieder mit Intel und Microsoft und der Unterjochung der Welt durch Bill Gates. Spätestens ab dem Jahr 1994 werden sowieso Commodore und Atari die Welt beherrschen ;-). Naja. Es war dann doch erholsam, mal völlig Abstand von PCs und Windows zu haben (egal welcher Version) und sich einfach nur dem Daddeln auf und "Erforschen" von Homecomputern zu widmen. Im Bezug auf das Schreiben von webkompatiblen Blogbeiträgen war es aber natürlich kontraproduktiv.

Im Grunde habe ich mir für 2016 ja durchaus vorgenommen, auch wieder etwas aktiver im gelebten Widerstand gegen das 21. Jahrhundert zu sein bzw. diesen nicht nur per theoretischem Getippe oder in den eigenen vier Wänden zu praktizieren. Aber wie? Das Retro-Magazin fällt als aufgeschlossenes Papiermedium für kritisch-argumentativen Kontakt mit der modernen Außenwelt weg. Das Thema hat sich erledigt. Ich hatte mir aber kürzlich ein "Return"-Magazin gekauft, das gar nicht mal so uninteressant aussieht - was mich allerdings etwas stört, ist der ziemlich knallbunte Hochglanzstil und die Tatsache, daß die Redaktion in einer Firma für Werbegrafiken sitzt. Aber die Themenauswahl ist recht vielseitig, und so mancher Autorenname ist sogar noch aus besseren GO64- und Retro-Tagen bekannt, so daß ich mich  wohl mal beim "Return"-Magazin melden, und nach der Möglichkeit von Gastbeiträgen oder Kolumnen anfragen werde.


Trotzdem erfüllt das im Bezug auf mehr Aktivität auch nicht so ganz meine Vorstellungen. Gibt es denn aktiv gar nichts mehr jenseits von RetroNostalgieFun-Gruppen auf Facebook und ähnlichem? Auch das alte Windows-3.11-Webforum (noch immer hübsch kompatibel mit 16-Bit-Browsern) ist so ziemlich tot, die wenigen verbliebenen Leute dort sprechen wenn überhaupt fast nur noch über Emulationen und virtuelle Umgebungen auf aktuellen Plattformen. Gibt es keine aktive Usergemeinschaft von XT/286/386er-Anwendern mehr? Keine Gruppe mehr, die noch Diskettenmagazine auf DOS-Basis herausbringt? Keine Leute mehr, die sich mit Entwicklungen von DOS-Spielen, Windows-3.1x-Oberflächen etc. beschäftigen? Keine Coder mehr, die aktuelle Spiel- und Software-Ideen für monochrome XTs konvertieren? Keine 16-Bit-Anwender mehr, die sich meine Windows-3.11-Screenshots ansehen, und dann sagen "Was für ihn normal ist, erstaunt uns. Er soll unser neuer Gott sein..."? ;-) - na, welche Simpsons-Folge?


Irgendetwas in der Art würde mich einfach mehr ansprechen, als das Schreiben für Hochglanzmagazine oder "Meinung verkaufen" online. Dann wäre auch wieder mehr Motivation da, den PC einzuschalten und nicht nur im stillen Kämmerlein Achtbitter in BASIC zu programmieren.

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Weihnachtsgrüße 201522.12.2015

Jetzt bin ich leider nicht mehr zum Schreiben von längeren Beiträgen gekommen. Es sind aber einige in der Warteschleife und ich werde mich über die Feiertage dransetzen.


Was mir in den letzten Wochen wieder deutlich auffiel, ist die Diskrepanz in den Medien. Auf der einen Seite gibt es jede Menge Schwarzmalerei und Negativität - da bekommt man zu lesen, daß der 3. Weltkrieg (oder auch der Weltbürgerkrieg) doch bereits begonnen haben, das Ende der Zivilisation bevorsteht, und wahlweise Terroristen, brauner Mob oder böse Russen (etc.) unser aller Freiheit ja bald ein Ende setzen werden. Klicken sie hier auf unsere gesponsorte Klickstrecke, um das wahre Ausmaß des Grauens zu erfahren. Meh.


Auf der anderen Seite geht mit der Weihnachtszeit natürlich auch der übliche Kommerzrummel einher. Geiz ist geil. Neue Technik ist sowieso das Beste. Holt euch jetzt die zeitgemäßen Megageschenke für echte Weihnachtsfreude. Was vermutlich daran liegt, daß man als Ausgleich für die viele Schwarzmalerei halt dann jede Menge bequemen Lebensstil, Ablenkung und Entertainment braucht. Wer will sich denn noch mit unbequemen Dingen herumärgern, wenn die Welt schon unbequem genug ist?


Aber sei es drum. Ich wünsche allen Bloglesern Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.

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The Final Whoibuh3.12.2015
Jetzt muß ich nochmal kurz auf ein spezielles Thema zurückkommen, daß vermutlich nur wenige Leser interessiert, und das hier im Blog eigentlich nichts zu suchen hat. Oder in gewisser Weise doch? Egal.

Ich hatte mich zwei Beiträge weiter unten ja mal wieder kritisch zum Thema aktueller Stil von Doctor Who geäußert, und erneut betont, daß die alte Serie für mich einfach besser ist, als die neue und zeitgemäße Serie. Sowas muß ich ja sagen, ich habe schließlich ein Klischee zu erfüllen. Da passt es natürlich, daß ich in meiner beschränkten Weltsicht eine visuell inadäquate Low-Budget-Kinderserie mit Sperrholzsets und schrägen Gummikostümen höher bewerte, als eine sehr komplexe und tiefgründige Erwachsenen-Scifi der Moderne, die soviel mehr Leute inhaltlich berührt und geistig stimuliert, als der olle 60er/70er-Kram. Wie könnte ich auch anders.


Nehmen wir mal an, meine negative Meinung zur aktuellen Serie wurde vorgestern per Email herausgefordert. Vielleicht von jemandem, der mein Blog mitliest, aber namentlich nicht genannt und zitiert werden möchte, weil er sich in einem Umfeld bewegt, in dem man mit solch seltsamen Leuten wie mir nicht spielt. Vielleicht aber auch von jemandem, den ich gerade eben erfunden habe, um diesen Beitrag daran aufzuhängen. Alter literarischer Trick. Das wäre dann so wie damals, als ich in drts den fiktiven Charakter Andi Krösing erfunden habe, nur um mir selbst zuzustimmen ;-).


Wie auch immer. Jener Herausforderer würde mir mitteilen, daß meine Ablehnung der neuen Serie auf wackligen Füßen steht, und würde dazu auf die gerade aktuell gelaufene Peter-Capaldi-Folge "Heaven Sent" verweisen. Diese wäre so absolut brillant und technisch, inhaltlich, philosophisch und schauspielerisch herausragend, daß man einfach nur dankbar sein muß, im Jahr 2015 zu leben, in dem es Serienfolgen dieses Kalibers gibt. Diese Tatsache würde die durchaus vorhandenen Mängel, die sich in die Serie eingeschlichen haben, mehr als wettmachen. Damit nicht genug, lebt die Serie ja gerade davon, daß sie sich digital global teilen lässt und jeder Anteil nehmen kann, anstatt sich eine analoge Einzelfolge im stillen Kämmerlein anzusehen, und einen schlabbrigen Fan-Newsletter per Hand zu drucken und 4 Leuten zu schicken.


Das letzte Argument ist etwas seltsam und ich frage mich gerade, ob ich sowas schreiben würde, wenn es denn um einen fiktiven Herausforderer geht. Nehmen wir an, ich hätte mir für meine Antwort natürlich das Skript durchgelesen (XT-kompatibel) und auch die Folge selbst auf moderne Weise größtenteils angesehen (shame on me). Dann würde meine Antwort wie folgt aussehen:


Ja, "Heaven Sent" ist auf ihre Weise eine brillante Folge. Nein, etwas von dieser Komplexität und Ernsthaftigkeit hätte es bei 20th Century Who nie gegeben. Aber...


Sie unterstreicht weiterhin meine Kritik, daß die Serie einfach zu pompös und zu selbstverliebt in ihre zentralen Charaktere geworden ist. Sie biegt sich die Geschichte und die Handlungen so hin, wie es ihr passt, um bei einer modern audience den größten emotionalen Bindungseffekt zu erzielen. Alte Logik? Wer braucht alte Logik?  J.J. Abrams läßt grüßen. Dabei wird eben auch eine gewisse Trivialisierung von Themen betrieben, hier (so beindruckend es auch sein mag) eine Trivialisierung des Themas Ewigkeit, die als ein Zeitraum betrachtet wird, den ein fast gottgleicher Held wie der Doctor überwinden kann. Desweiteren hat auch das Thema Tod und Verlust nicht mehr den immensen Effekt, den es früher gehabt hätte, weil das Thema bereits trivialisiert wurde, siehe Jenseits als Datencloud für Seelen und ähnlichem Kram aus der letzten Staffel. Es ist bereits ein Gimmick. Da kann Herr Capaldi noch so grimmig in die Kamera gucken.


Das ist genau wie bei Futurama, daß sich das Thema auch verbaut hat. In klassischen Folgen wie "Luck of The Fryish", "The Sting" oder "Jurassic Bark" war es stets ein beeindruckendes Thema, weil es wirklich darum ging, wie Charaktere auf den Tod bzw. die Abwesenheit anderer reagieren. "The Sting" macht sich dabei sogar über die einfachen Lösungen Marke Star Trek lustig. Was aber passierte in den neuen Futurama-Staffeln? Der Tod wurde ab der erste Folge zum Gag, der mit Klon-Magie ganz simpel aufgehoben wird. Und schwups fällt der Koyote in die Roadrunner-Schlucht. Ab diesem Moment konnte sich Futurama keine Folge mit einer ernsthaften Tendenz zum Thema Tod und Verlust mehr leisten, weil es trivialisiert war.


Mein Hauptkritikpunkt an New Who im aktuellen Stil ist aber, daß man sich die Charaktere und die Geschichte so hinbiegt, wie man möchte. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Beispiel: es war nie in der jahrzehntelangen Seriengeschichte die Rede davon, daß der Doctor von Gallifrey geflohen ist, weil er dunkle Geheimnisse kannte und diese ethisch nicht mehr ertragen konnte. Es wurde immer gesagt, daß er einfach jemand war, der nicht mehr nur aus der Ferne beobachten wollte, der sich die Dinge aus der Nähe ansehen und verändern wollte, der das Universum quer durch alle Zeiten bereisen wollte. Warum? Eben weil ein Universum da war. Kurz, daß er das abenteuerlustige Individuum in einer steril gewordenen "zeitaristokratischen" Gesellschaft war, die nur die Oberfläche sehen wollte, aber nie in das Universum darunter eingetaucht ist. Das war eine schöne Motivation zur Identifikation mit dem Helden, die alle Zuschauer in den 60er/70er Jahren zufrieden mitreisen ließ.


Patrick Troughton hat hierzu einige wunderbare Sätze in seiner letzten regulären Episode von 1969. Und wenn der kleine space hobo mit den zerknautschten Klamotten bescheiden und stets ein wenig ängstlich wirkend dasteht, und mit einem stillen Lächeln davon spricht, warum er das weite Universum durchreist, und warum er frei sein möchte, dann hat daß einfach weit mehr vom wahren Geist des Abenteu(r)ers, als jedes überfrachtete Motivationskonstrukt mit düsteren Geheimnissen Baujahr 2015.


Da ist mir dann das leise Lächeln so viel lieber, als ein Peter Capaldi, der in HD wütende Grimassen schneidet und darüber poltert, wer mit Ruin und Zerstörung nun für seinen Verlust und für sein düsteres Geheimnis/Motivation bezahlen muß, weil er sowieso unbesiegbar ist. Das kann man beeindruckend finden. Muß man aber nicht. Mich beeindrucken Doktoren mehr, die das Universum sehen wollen, weil es da ist. Selbst dann, wenn der neue Planet aus wackligem Sperrholz besteht.


Würde diese Antwort einen Herausforderer meiner negativen Meinung zu New Who zufriedenstellen? Wer kann das schon sagen.


Hier noch die betreffenden Dialogzeilen aus den War Games von 1969:


JAMIE: Why did you run away from them in the first place?
DOCTOR: What? Well, I was bored.
ZOE: What do you mean, you were bored?
DOCTOR: Well, the Time Lords are an immensely civilised race. We can control our own environment, we can live forever, barring accidents, and we have the secret of space time travel.
JAMIE: Well what´s so wrong in all that?
DOCTOR: Well we hardly ever use our great powers. We consent simply to observe and to gather knowledge.
ZOE: And that wasn´t enough for you?
DOCTOR: No, of course not. With a whole galaxy to explore? Millions of planets, eons of time, countless civilisations to meet?
JAMIE: Well, why do they object to you doing all that?
DOCTOR: Well, It is a fact, Jamie, that I do tend to get involved with things.


Das soll es aber nun endgültig zum sehr speziellen Thema sein.

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