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Ein Blog mit Neuigkeiten über meine fiktive Animationsserie/Satire "Bruchbach Serenade", den real existierenden Comic dazu und andere verwandte Themen wie z.B. Gedanken zur Serie, neue Ideen zu Handlungen, Skripte, Artwork etc. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Don Rosa15.5.2012
Vorausschickend gesagt: ich bin kein Experte zum folgendem Thema, sondern eher interessierter Amateur. Erfahrene Donaldisten mögen also dezent den Kopf über nachfolgende Ausführungen schütteln oder sie für so selbstverständlich erachten, daß sie keinen Beitrag wert sind ;-).


Was ich aktuell ein wenig wiederentdeckt habe, ist mein Interesse für den Duck-Kosmos. Das liegt hauptsächlich an Don Rosa, den ich lange Zeit eigentlich mehr oder weniger ignoriert und Ducksche Qualität hauptsächlich bei Carl Barks gesucht hatte. Ich hatte ja in einem vorherigen Text mal den Vergleich gezogen, daß man die Arbeiten von Barks in etwa mit dem vergleichen kann, was bei den Simpsons zwischen den Ullman-Shorts und Staffel 2 geschehen ist: der Entwicklung von emphatiefähigen Charakteren mit Emotionen und Motivationen aus eindimensionalen und stereotypen Wurzeln.


Dabei hatte ich durchaus schon öfter gehört, daß auch Don Rosa einen Blick wert wäre und seine Geschichten nicht nur komplexe und fein recherchierte Abenteuer klassischer Prägung wären, sondern auch Tiefgang aufweisen, und nach dem Motto "to explore the inner being of Disney ducks..." geschrieben und gezeichnet wären. Davon war ich aber lange nicht so recht überzeugt. Mit Barks hatte ich Erfahrung, von Rosa kannte ich aber nachgewiesen nur zwei Stories: eine davon war eine Gagstory über das Amulett des "Nostrildamus", in der Donald ständig mit slapstickigen Gefahren beworfen wurde, die andere war ein auch nur semi-amüsantes Stück Unfug über Donald, der mit einem Fischnetz im Weltraum Satelliten einfangen sollte. Beide Stories waren nicht sonderlich geeignet, mich von der Qualität von Rosa zu überzeugen.


Auch der Zeichenstil war etwas gewöhnungsbedürftig und erschien mir trotz aller Details bisweilen sogar relativ grob. Mit vielen Schraffuren und Überfrachtungen fehlte es mir doch an Dynamik und Schwung, die Barks oft mit wenigen Strichen erreicht hatte. Last but not least schreckte mich auch das Entstehungsdatum etwas ab. Barks hatte seine besten Geschichten in den späten 40er Jahren und besonders in den 50er Jahren geschrieben, und dabei (trotz seiner eher konservativen Einstellung) auch wunderbare Parodien des damaligen American way of life und der Lage der Welt abgeliefert. Die Inspiration für die Abenteuer der Ducks kam häufig aus Zeitschriften wie "National Geographic" und die doch noch kleinere Welt war eine perfekte Bühne für Schatzsuche und sense of wonder. Rosa hatte seine Stories hauptsächlich in den 90ern oder noch später gezeichnet. Das war die Zeit, in der ich zumindest das Interesse an den LTBs verloren habe, weil sich diese inhaltlich immer stärker am schnelllebigen Zeitgeist orientiert hatten.


Das bezog sich nicht nur auf Kaschperl-Micky & Co, sondern generell darauf, wie "hip" die Ducks und ihre Welt plötzlich zu sein hatten: Tick, Trick und Track mussten kewle Sprüche klopfen, während sich Donald einen Klingelton auf sein Handy lädt und im Internet surft. Der Zeichenstil schien sich auf die Generation Anime und Manga hin zu orientieren. Ohne jetzt wie Klaus aus "Badger" klingen zu wollen (oder vielleicht doch ;-)): das fühlte sich einfach nicht richtig an. Und ohne die Aussage überstrapazieren zu wollen: wenn auch die Schatzsucher im Comic nur noch mit google Earth auf den Zielort hinzoomen müssten, dann fehlte auch dort der klassische sense of wonder. Und selbst an den Nachdrucken älterer Ausgaben wurde massiv rumgepfuscht: kunterbunte Cover for a modern audience, inhaltliche Änderungen, neue Texte. Meh. Wenn schon LTB, dann bitte Originale aus den 70ern. Dann macht auch die italienische Produktion trotz ihrer nicht zu verbergenden Fließbandnatur mit vielen Inkonsistenzen und Schwächen durchaus Spaß, wobei der dortige Zio Paperone eben doch oft nur ein sehr flaches Abziehbild des "wahren" Scrooge McDuck ist.


Qualitativ mit Barks vergleichen kann man das daher nicht bzw. nur in wenigen Fällen (der Name Romano Scarpa sei aber hier lobend zu erwähnen). Was mich wieder zu Don Rosa gebracht hat, war das Lesen seiner Story "Last Sled to Dawson" in der deutschen Fassung. Das war doch schon deutlich näher an der wahren Sache dran: viele Bezüge und Verwendungen von Barkschen Ideen und Figuren, vor allem auch charakterbezogener Inhalt, in der Dagobert/Scrooge doch mehr zu tun hatte, als nur Stereotyp für den schnellen Geiz- und Hau-den-Donald-Witz zu sein. Im Laufe der Zeit habe ich dann auch das Epos über "The Life and Times of Scrooge McDuck" gelesen, ebenso wie manch andere Abenteuerstories. Und ich muß trotz der "aktuellen" Natur der Sache zugeben, daß ich durchaus beeindruckt bin.


Ich will auf die Handlungen nun nicht detailliert eingehen, das wäre zuviel. Sehr schön fand ich in jedem Fall die Anwesenheit von düsteren Aspekten, von Scrooges Weg zur dunklen Seite und zur Einsamkeit. Enten müssen nicht nur lustig sein. Wobei auch der Humor brillante Momente hat - IMO eben auch, weil nicht Popkulturhumor und Hipness abzitiert werden, sondern der Humor aus den Charakteren selbst kommt. Man lacht nicht (nur) über die Charaktere, sondern auch mit ihnen. Zahlreiche Filmzitate aus Klassikern tun ihr übriges, sei es nun Citizen Kane, Monty Python oder Charlie Chaplin. Für ein "Produkt" aus der aktuellen Zeit (und vielleicht noch mehr für eines mit dem Namen Disney darauf) wirklich überraschend gut.


Der negative Effekt ist natürlich, daß man den massenproduzierten Stories ohne Kanon, Kontinuität und echten Charakter noch kritischer gegenübersteht. Und die Storybalance im Duck-Kosmos ist mittlerweile so, daß ein paar Hundert Barks- und Rosa-Stories einer Unmenge von Abertausenden von Billigstories und Schnellschüssen gegenüberstehen. Carl Barks ist tot (im gesegneten Alter von 99 Jahren) und Don Rosa kann ja leider wegen einer Augenkrankheit nicht mehr weiter zeichnen. Schade, ich hätte da gerne noch mehr gesehen, selbst wenn das letzte Kapitel dann in letzter Konsequenz "The Death of Scrooge McDuck" geheißen hätte.


In jedem Fall eine Kauf- und Leseempfehlung. Es mag vielleicht bekannt sein, daß die man die Stories auch online lesen kann, aber für eine Arbeit dieser Qualität und Herzblut kann ich mich für ein digitales Lesen für lau nun wirklich nicht erwärmen. Papier spielregelt. Deswegen und wegen der rechtlichen Fragwürdigkeit daher hier kein Link. Ein Kauf sei empfohlen, besonders natürlich der englischen Originalfassungen.

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Between the Wars11.5.2012


Eine sehr empfehlenswerte, zeithistorische Dokumentation, die ich kürzlich auf sieben Kassetten mit jeweils ca. 50 Minuten Laufzeit hereinbekommen habe: "Between the Wars" von Anthony Potter (das komplette Set würde aus acht Kassetten bestehen, leider war der erste Teil nicht dabei). Eine technisch und inhaltlich IMO gut gemachte US-TV-Dokumentation aus dem Jahr 1978, die sich mit dem Zeitraum zwischen den Weltkriegen beschäftigt, speziell aus amerikanischer Sicht - also den problembeladenen Jahren zwischen den Versailler Verträgen und Pearl Harbour. Interessante Informationen mit Episoden sowohl für "übliche" Themen wie den italienischen Überfall auf Äthiopien, den spanischen Bürgerkrieg, den japanischen Überfall auf die Mandschurei etc., aber auch für meist eher selten behandelte Themen wie die Vorgänge in Südamerika in den 20er und 30er Jahren oder der US-Anerkennung der Sowjetunion. 


Das Ganze durchaus auch versehen mit erstaunlich deutlicher Selbstkritik an den USA (Rassismus, Isolationismus, Kapitalismus, Nichteintritt in den Völkerbund, Monroe-Doktrin) und Kritik an diversen US-Präsidenten und Politikern. Letztlich natürlich ein düsteres Thema, aber gut aufbereitet und vor allem ohne die manipulative Effekthascherei eines Guido Knopp. Eine Anschauempfehlung sei hiermit ausgesprochen, auf welchem Medium auch immer.

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Internetgedanken9.5.2012
Was mir in letzter Zeit auffiel: ich habe eigentlich fast jedes Interesse an diesem "Internet" verloren. Das war nicht immer so. In den 90ern fand ich das ganze Internetzeugs eigentlich durchaus noch interessant und anregend. Das hatte sicher auch damit zu tun, daß es einmal ein sehr genügsames Medium war. Obwohl sich die Aufrüst- und Anpassungsspirale immer höher zu drehen begann, wenn man ab Mitte der 90er auch weiterhin "in" sein wollte, reichte für das Internet sogar in Farbe und bunt lange Zeit ein 386er oder 486er mit 16-Bit-Kram aus (wenn man nur Text wollte, natürlich auch noch weit weniger).

Das einzige "Aufrüsten", daß ich jemals für das Internet gemacht habe, war denn auch ein Wechsel vom 14.4er Modem zu meinem 56K-Modem (das Gleiche, daß ich noch immer verwende). Rückblickend gesehen war auch dieser Wechsel eigentlich unnütz, denn ich habe nie mehr als die Leistung eines 14.4ers wirklich gebraucht. Den ersten Hinweis auf eine zunehmend unschöne Entwicklung gab wohl die Einführung der AOL-Software 4.0. Die war plötzlich nur noch für Windows 95 verfügbar, und jede Einwahl mit Version 3.0 wurde von nun an mit der dicken Frage "WARUM SIND SIE IMMER NOCH NICHT UMGESTIEGEN?" kommentiert. Auch andere Programmteile machten plötzlich Probleme mit der älteren Version und unterstrichen die penetrante Frage nur.


Irgendwann bin ich zu T-Online gewechselt. Und man muß der T-Online-Software zumindest eines zu Gute halten: ich kann auch heute noch mit der Einwahlsoftware aus den 90ern problemlos online gehen. Okay, sie versucht bei jeder Einwahl eine Verbindung zum BTX bzw. zum CEPT-Port herzustellen. Das ganze BTX ist aber in den letzten Jahren unzuverlässig geworden und antwortet nicht mehr so wirklich. Aber das macht ja nix, dieses www-Zeugs ist auch noch da. Wobei wir dort eben mittlerweile einen Stand erreicht haben, bei dem ein Rechner als völlig nutzloser Sperrmüll gilt, wenn nur ein bestimmtes, überfrachtetes Forum nicht funktioniert. Und wie stand neulich noch dick in den Leserbriefen der Tageszeitung: "Facebook hat doch heutzutage wirklich jeder. Geht ja gar nicht mehr ohne..." Meh.


Tja, und wenn ich nun online bin, dann weiß ich irgendwie nicht mehr, was ich mit dem Internet noch anfangen soll. Das gilt jetzt nicht nur für mein privates online mit 16-Bit-Browser (was eine geringfügige Einschränkung der Möglichkeiten bedeutet), sondern auch für online mit sogenannten "modernen" PCs und Browsern. Ich finde es einfach langweilig, was dort präsentiert wird. Früher machte es am meisten Freude, z.B. durch all die kleinen, privaten Homepages zu stöbern (AOL-Hometown war da ein nettes Spielfeld), ein bißchen Usenet zu machen, lustige oder informative txt-Dateien zu finden oder kewle Freeware für DOS oder gut komponierte mod-files runterzuladen oder was auch immer. Ich habe in einer Kiste kürzlich eine CD-Kollektion gefunden, auf der Tausende von Dateien aus den Jahren 1990 bis 1993 drauf sind, also Mailboxzeugs, Compuserve etc. Und das Material hat mich wieder daran erinnert, was mir am Internet mal Freude gemacht hat - der Zugang zu Kreativität im "Think Kilobyte"-Bereich und zu der Erkenntnis, daß der größte Schatz auch in einer txt-Datei etc. stecken kann.


Wenn man heute online geht, dann hat man ein stromlinienförmiges, medial gestyltes Etwas aus facebooks und twitters und youtubes und googles und sonstwas. Ich kann damit nichts mehr anfangen. Ich habe kein Interesse daran, mich mit Informationen und Datenmassen überfluten zu lassen. Ich habe ebenso wenig Interesse daran, mir irgendeine Mentalität des digitalen Ausfilterns anlernen zu lassen oder dies maschinell zu automatisieren. Ich habe kein Interesse daran, Daten und Medien zur Beliebigkeit und zur gesichtslosen Masse degradiert zu sehen. Ich habe kein Interesse an einer medialen Frontaldigitialisierung und an Gigabyte-Denken. Ich habe kein Interesse an einem Web, daß "innere Werte" an Design, Standards, Style, Reputationspunkten und "I Like"-Buttons misst. Also, was bleibt noch übrig?


Inzwischen steht mein 56K-Modem die meiste Zeit im Schrank. Und da steht es auch gut. Und sollte es mal defekt sein oder T-Online den Zugang per Modem ganz abschalten (man würde vermutlich 2 Tage vorher darüber informiert), so wäre mir dies wohl auch nur noch ein müdes Achselzucken wert.

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Bestandsaufnahme30.4.2012
Dieser Tage habe ich mal wieder eine Bestandsaufnahme meiner technischen Geräte gemacht. Im Zuge einer weiteren, medialen Entdigitalisierung haben sich ja gewisse Änderungen ergeben. Mein ältestes technisches Gerät ist das Röhrenradio von 1954, mein topaktuellstes technisches Gerät ist der Pentium 166 von 1997. Das ist auch eine passende Trennlinie, denn um 1997 herum hatte ich ja gesagt, daß ich das Aufrüst- und Anpassungsspiel nicht mehr weiter mitspielen werden. Die meisten meiner anderen Geräte und Medien liegen von den Baujahren her im Bereich von 1981 bis 1991. Damit gehören sie zwar nicht in mein Lieblingsjahrzehnt (die 70er), vertreten aber doch eine Philosophie, mit der ich mich wohl fühle und mit der ich gut leben kann. Die noch vorhandenen Homecomputer und DOS-Rechner werde ich trotz ihrer digitalen Natur behalten. Das stellt zwar zugegeben eine gewisse Inkonsequenz dar, aber die Rechner bleiben durch ihre Art für mich etwas Besonderes und laufen nicht Gefahr, zur digitalen Banalität oder zu gleichgültig behandelten "Werkzeugen" zu werden.

Eine interessante Tatsache, die mir auch wieder auffiel: wenn es nach all den Klischees und Behauptungen aus der sogenannten "Moderne" geht, müssten diese Geräte schon längst alle defekt sein. Es gilt ja z.B. als etabliert, daß eine PC-Festplatte nur wenige Jahre funktioniert. Seltsam, ich habe noch nie eine defekte Festplatte gesehen. Okay, die 165-MB-Platte im 386er hatte eventuell mal alle Anwandlungen einer defekten Platte (?) wie laute Schleifgeräusche, Warngepiepe vom Rechner und auf und ab pendelnde Zugriffszeiten. Ein wenig Schütteln und mit dem Mülleimer bedrohen hat (wie schon öfter berichtet) geholfen, mittlerweile läuft die Platte seit Jahren wieder ganz normal. Auch die "neue", 15 Jahre alte Platte im Pentium hat noch nie Probleme gemacht. Gut, von ihren 2 GB sind auch meist nur etwa maximal 8% belegt. Warum leben wir in Zeiten, wo Platten scheinbar nach knapp 3 Jahren defekt sind, oder in denen sich Leute schon von irgendwelchen Programmen vorschreiben lassen, daß ihre Platte "demnächst" kaputt geht und sie gleich vorab neu zu kaufen haben? Verstehe ich nicht.


Selbiges als Beispiel zum Thema Akku im Notebook. Gilt es nicht als etabliert, daß man die Akkus nach nur wenigen Jahren in die Tonne treten muß? Warum hält der Akku in meinem P120-Notebook noch immer für 70 - 80 Minuten Laufzeit? Man könnte die Sache fortsetzen, auf all die Klischees über VHS und analoge Medien mag ich aber gar nicht mehr eingehen. Wenn man sich ansieht, wie weit die negativen Meinungen verbreitet sind, habe ich manchmal den Eindruck, daß diese Geräte und Medien nur bei mir so lange und treu funktionieren. Kann ja wohl nicht sein. Oder aber eine emotionale Zuwendung zur Technologie wirkt sich doch positiv auf deren "Treue" aus? Irgendwer hatte mal als Kommentar geschrieben, daß eine Anhänglichkeit an technische Geräte nichts bringt, da sie es einem sowieso nicht danken können. Aber wer weiß das schon.

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Rest von Folge 175 "Exordium & Terminus"19.4.2012

Hier sind nun die Segmente zu Folge 175, somit ist diese vollständig (Rahmenhandlung siehe vorheriger Beitrag). Die Stories sind komplett von mir. Wer die komplette Folge am Stück lesen möchte, findet diese auch auf der Webseite im Episodenguide zu Staffel 9.




Geschichte von Alex, Titel "Das Modell" (Handlungsjahr 2512)


Die Geschichte findet in einer bonbonbunten und sauberen Zukunft statt. Handlungsort ist eine hypermoderne Großstadt in Anlehnung an 50er Jahre Fortschritts-Ideen, Cartoonserien wie den Jetsons, Futurama etc. Die Kamera zeigt uns die strahlende Glasfassade des "Ministeriums für Rollenmodelle". Wir sehen Lenina Maybach in einer adretten Uniform, während sie durch einen langen Korridor läuft, der von einer Reihe Plastik-Mannequins gesäumt wird, die alle Stände der Gesellschaft nach modischen Uniformen sortiert darstellen (mit nur marginalen Unterschieden). Aus einem Gespräch im Aufzug wird ersichtlich, daß heute Leninas erster Tag als staatliches Rollenmodell des Ministeriums ist, und sie gleich ihre erste Beratung mit einem "Individuum" hat, dem der richtige Weg aufgezeigt werden soll. Das Individuum in ihrem Büro stellt sich als Alex in schlabbrigen Klamotten heraus.


Es entspinnt sich ein kammerspielartiges Dialogszenario, in dem Lenina versucht, Alex mittels Werbespots und Beweisen von der Notwendigkeit für ein Leben nach den gültigen Regeln zu überzeugen. Allerdings schafft es Alex, argumentativ die Oberhand zu behalten und die beiden brechen zu einer Tour durch das Ministerium und seine Kafka-esquen Archive auf. Hier kann Alex hinter einer riesigen Tresortür den Beweis finden, daß die ganze neue Gesellschaftsordnung auf einem Versandhauskatalog für Stewardessen-Mode aus dem Jahr 1964 aufgebaut wurde. Die Nummer, die überall als Mantra der neuen Gesellschaft steht, ist die Bestellnummer des Katalogs. Als sie zurück in Leninas Büro sind, wird ein Formular gebracht, auf dem Lenina ankreuzen muß, wie weiter mit Alex verfahren werden soll. Nach längerem Zögern macht Lenina einen Haken bei der Überstellung in ein Umerziehungslager. Alex zuckt lächelnd mit den Achseln und wird weggebracht.


Auf dem Gang und in der Eingangshalle beginnt Lenina jedoch, die Umgebung mit anderen Augen wahrzunehmen und mit sich selbst zu hadern. Dies führt schließlich dazu, daß sie ihren Unmut laut herausruft und mit dem hochhakigen Schuh wütend aufstampft. Leider macht sie dies auf dem großen Glassiegel des Ministeriums auf dem Boden. Durch die Spitze des Absatzes bricht das Siegel und Lenina stürzt schreiend in eine bodenlose Tiefe. Die Szene blendet elektronisch surrend aus und wir sehen Lenina, die einen VR-Helm abnimmt. Das ganze Szenario war nur eine virtuelle Prüfung für ihre Zulassung zum staatlichen Rollenmodell - und sie hätte beinahe bestanden. Die Prüfungskommission weist sie an, über ihre Fehler nachzudenken. Nachdem sie gegangen ist, bemerkt die Kommission jedoch, daß die virtuelle Prüfung nicht das übliche Programm war, sondern ein fremdes Programm von außerhalb. Auf dem Gang blickt Lenina auf das (intakte) Siegel am Boden und in ihrer eigenen Reflektion sieht sie Alex. Sie meint zu sich selbst, daß sie nachdenken wird und wirft einen rosa Lippenstift weg. Während sie energisch den Gang mit den Mannequins herunterläuft, folgen lange Reihen von Sicherheitskameras surrend ihrem Weg.


Geschichte von Mike, Titel "Neonlicht" (Handlungsjahr 3012)


Die zweite Geschichte spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft, die in einen mittelalterlichen Zustand zurückgefallen ist. Technische Gegenstände und Relikte aus der fortschrittlichen Vergangenheit stehen bedeutungslos herum. Wir sehen eines der Plastik-Mannequins aus der vorherigen Folge angekohlt am Straßenrand stehen, davor stehen Kerzen und Opfergaben. Rick und Mike kommen in einem Pferdewagen einen Waldweg entlang. Es wird ersichtlich, daß beide als Schauleute und Kleingauner unterwegs sind, die den Leuten mit allerlei Vorführungen und Gaunereien die Tauschgüter aus der Tasche ziehen. Unter den Schaustücken ihres "Museums" finden sich Relikte aus der Vergangenheit, z.B. ein Pappaufsteller von Luke Skywalker ("Unbekannte Gottheit") und eine aufblasbare Godzilla-Figur (mit wenig Luft drin), die als von Rick selbst erlegter Drache verkauft wird. Sie kommen in ein stark befestigtes Palisadendorf nahe der Großen Dornenhecke, die die bekannte Welt begrenzt.


Bei einer Vorführung am Abend auf dem Dorfplatz präsentieren Rick und Mike ihr größtes Mysterium: einen knatternden Dieselgenerator, der eine Konstruktion von Glühbirnen und Neonröhren zum Glimmen und Flackern bringt. Dies bringt die Dorfbewohner auf die Idee, daß man das Licht verwenden könnte, um im Wald nahe der Großen Dornenhecke nach dem Rechten zu sehen. Niemand darf dort hin gehen, weil sich Monster und Dämonen im Wald herumtreiben. Der Bürgermeister versucht die Menge von der Idee abzubringen und weist darauf hin, daß niemand zur Hecke geht, weil dahinter das große Feuer brennt. Ominöse bunte Lichtflecken tanzen in der Richtung am bewölkten Nachthimmel und jeder erschaudert. Wider Willen werden Rick und Mike aber dazu gedrängt, mit ihrem Lichterspiel in den Wald zu gehen. Dort stellen sich die Monster im trüben Lampenlicht als schräge Konstrukte und Pappfiguren heraus, die von den Dorfoberen aufgestellt wurden. Niemand soll dorthin gehen. Außerdem hat die Forschung zur Verteidigung gegen den Wald dem Dorf schon so manch positive Erfindung gebracht. Alles soll bleiben, wie es ist. Der Bürgermeister zeigt sein handgemaltes Wahlplakat, in dem die Bürger ermahnt werden, wieder "den Alten" zu wählen.


Rick und Mike bekommen eine Ladung voll Tauschgüter vom Bürgermeister, müssen aber eine theatralische Horrorstory über den Wald erzählen. Was beide auch auf obskure Weise tun, nicht jedoch, ohne daß Mike am Schluß einen Hinweis in Richtung der neugierigen Dorfjugend fallen lässt, der zum Nachforschen einlädt. Am Ende stehen beide im Dämmerlicht mit ihrem Pferdefuhrwerk vor der Großen Dornenhecke. Alle Wege enden hier. Bunte Lichter flackern am Himmel. Als Mike fragt, was hinter der Hecke wäre, entgegnet Rick, daß dort nur mehr Dunkelheit wäre. Er dreht mit dem Wagen um und beide fahren davon. Die Kamera fährt die riesige Hecke hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Dort steht ein Kind mit seinem Großvater und betrachtet die von Stacheldraht gesäumte Hecke. Auf die Frage an den Großvater, was dahinter ist, meint dieser nur, dort wäre alles dunkel. Die beiden gehen und die Kamera folgt ihnen und zoomt nach oben. Wir sehen eine große, moderne Stadt, die sich von der Hecke weg in die andere Richtung bis zum Horizont erstreckt. Die Neonlichter der Straßen werfen bunte Schatten an die Wolken.


Geschichte von Rick, Titel "Die Roboter" (Handlungsjahr 3512)


Die Geschichte spielt in einer fröhlich wirkenden Zukunft. Technologie und Natur sind eine Symbiose eingegangen. Wir sehen eine organisch wirkende Stadt ohne hohe Gebäude in einem grünen und naturnahen Szenario - eine Mischung aus Holz, Bäumen, Glas und bunten Elementen. Menschen schlendern harmonisch die breiten Wege entlang, arbeiten an Kunst und Kultur, wir sehen Pferdewagen, aber auch Gleiter auf Anti-Grav-Schwebefeldern. Jemand schnitzt eine Figur, jemand malt ein Bild, ein anderer Künstler erschafft mittels Technologie eine fließende Skulptur aus reinem Wasser. Was auffällt, ist jedoch, daß jede Person auf der Straße von einer zweiten Figur begleitet wird - einer Figur mit künstlichen Gesichtszügen, die jedoch optisch dem originalen "Besitzer" ähnlich sieht. Es sind eindeutig Roboter. Wir sehen Klaus in einem staubigen Outfit, der die Straße hinunterkommt. Er scheint nervös und unsicher zu sein, die Menschen grüßen ihn aber alle freundlich und bieten ihm Hilfe an. Aus den Gesprächen wird ersichtlich, daß Klaus aus einem der verborgenen Orte kommt, die noch freiwillig auf einem niedrigeren Niveau leben.


Er ist die lange Reise über den Krater angetreten, um zu sehen, wie die Menschen hier leben. Ein Charakter, der sich ihm einfach als "Freund" vorstellt, erklärt Klaus die Lebensgrundlage der Stadt. Jeder Mensch hat hier einen lebenslangen und individuellen Roboterbegleiter namens "id", auf den er mittels eines Implantats seelisch nach der Geburt genau eingemessen wurde. Die Gesellschaft wurde zum Wohl in Herren und Diener aufgeteilt. Die Roboter sorgen für Harmonie und Ausgleich im Inneren der Menschen und werden von einem organischen Computer namens "Gestalt" gesteuert. Er zeigt demonstrativ, wie sein Implantat mit seinem Roboter telephatisch in Kontakt tritt, dabei Wissen und Harmonie vermittelt, und beim Austausch gleichzeitig die Anweisungen zwischen Herren und Dienern abgleicht. Der Roboter verneigt sich nach Übermittlung höflich und lächelt. Klaus sieht sich das Leben in der Stadt an, und obwohl er einige Male in Fettnäpfchen tritt, ist jeder freundlich und heiter.


Auch andere Menschen zeigen ihm, wie sie über das Implantat von ihren Doppelgängern Wissen und Harmonie beziehen und Anweisungen abgleichen. Ein paar eher ungewöhnliche Aussagen fallen Klaus zwar auf, er schiebt diese aber achselzuckend beiseite. Er unterhält sich mit einem Jungen, der eine Holzfigur schnitzt und kommt dabei zu der Einsicht, daß die Stadt hier das wahre Paradies ist. Schließlich lässt er sich von Freund überreden, diesem den Plan zu geben, auf dem der Ort verzeichnet ist, von dem Klaus gekommen ist. Freund verspricht, daß man die Menschen dort holen wird. Bei einem Spaziergang stürzt Freund jedoch und bricht sich den Arm. Klaus wendet sich hilfesuchend an dessen Roboter-Doppelgänger, aber dieser reagiert zuerst nicht auf die Bitte, seinem "Herren" zu helfen. Schließlich sieht der Roboter Klaus lächelnd an und spricht zum ersten Mal: "Sie mißverstehen. Ich bin der Herr..." Das Implantat wird aktiviert und Freund springt lächelnd auf, während sein gebrochener Arm verdreht herunterbaumelt. Der kleine Junge tippt Klaus an und zeigt ihm die fertig geschnitzte Holzfigur: es ist eine Marionette.


Die Szene blendet mit einem verhallenden Schrei aus und zurück in die Rahmenhandlung.



Es gab etwas Kritik an der Reihenfolge bzw. der Zuweisung der Stories zu den Charakteren. Die Pointe am Schluß hatte wohl auch mehr Wirkung, als sie 1940 zum ersten Mal verwendet wurde. Meinungen sind willkommen.

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Teil von Folge 175 "Exordium & Terminus"16.4.2012
Viele hatten die Hoffnung vermutlich schon aufgegeben (einschließlich mir selbst ;-)), aber hier ist sie: Bruchbach-Episode Nr. 175 aus Staffel 9. Okay, es ist zugegeben bisher nur ein Teil der Episode, nämlich die Rahmenhandlung für die 3 Segmente. Das ist schon mal mehr als gar nichts. Von den Segmenten selbst gibt es momentan aber nur die Titel, sowie grundsätzliche Handlungslinien in meinem Kopf. Näheres dazu unten, hier erst mal die vorläufig fertige Rahmenhandlung:




175. Exordium & Terminus


Die Folge beginnt auf dem belebten Rummelplatz von Bruchbach an einem milden Sommerabend. Es herrscht eine fröhliche und gelöste Stimmung. Alex, Rick und Mike bummeln durch die Menschenmassen. Nachdem viele der ungewöhnlichen Fahrgeschäfte einen eher unsicheren Eindruck hinterlassen, entschließen sich die drei, eine mit großem Rummel beworbene Wahrsagerschau im Festzelt zu besuchen. Allerdings stellt sich der mystische "Große Futuro" als wenig talentierter Prophet heraus, dessen Vorhersagen nur aus Allgemeinplätzen und Wortspielen bestehen, die auf die eine oder andere Weise immer zutreffen werden. Als Alex dies mehrfach laut kritisiert und unbequeme Fragen zu Futuros Wahrsagerei und Merchandise stellt, werden sie, Rick und Mike aus dem Zelt hinauskomplimentiert (da ihr schlechtes Karma die Wellen aus der Zukunft stören würde). Die drei setzen sich auf eine Parkbank am Flußufer etwas abseits des allgemeinen Trubels, während es langsam duster wird und die bunten Lichter des Rummelplatzes angeschaltet werden. Das Wasser des Flusses strömt in eine Richtung vorbei.


Die ersten Sterne leuchten am Himmel auf und das Gespräch kommt darauf zurück, daß es eigentlich unmöglich ist, die Zukunft wirklich vorauszusagen. Jedes Jahrzehnt in der Vergangenheit hat es bisher versucht, und jedesmal kamen die Dinge auf lange Sicht gesehen völlig anders. Die Zukunft vorherzusagen bedeutet laut Alex immer nur, daß man die Ideale und Ideen seiner eigenen Zeit künstlich auf das projeziert, was nach einem kommt. Als Untermalung sehen wir einen (erfundenen) animierten CDU-Wahlwerbespot im kunterbunten Stil der deutschen 50er Jahre, der vom Leben im Jahr 2000 fabuliert: fliegende Autos mit Rotoren in jeder Garage, Mondterminals mit Raketen in jedem Dorf, Geschäfte für Fernsehgeräte in jeder Großstadt, Computerzentralen für Hausfrauen (ein Rechenzentrum mit Computerschränken druckt laut ratternd Kochrezepte und Modeschnittmuster für die Damen) und als Ersatz für die alte Bundespost ein pneumatisches Rohrpostsystem, das die ganze freie Welt mit verwinkelten Pipelines durchzieht. Der Spot schließt mit dem eindringlichen Hinweis, daß das Jahr 2000 nur stattfinden kann, wenn man der roten Bedrohung im Osten gegenüber eine starke Hand zeigt ("Stoppt Chruschtschow! Keine Stimme für Ollenhauer! Jetzt wieder den Alten wählen...")


Rick ist irritiert über den Spot ("Den Alten...?"), meint aber, daß man die Zukunft durchaus vorhersagen kann oder es zumindest versuchen sollte. Wo sonst bliebe die Fantasie und all die unendlichen Welten der SF-Autoren? Sein Beispiel Star Wars geht allerdings daneben, weil ihn Alex darauf hinweist, daß der Film zum einen "a long time ago" spielt und er zum anderen sowieso keine bleibende Vorhersage sein kann, weil George Lucas alle paar Jahre am Inhalt herumpfuscht. Letztlich gehen Rick und Alex eine seltsame Wette ein: jeder der drei wird eine Geschichte erzählen, die in der Zukunft spielt - und zwar jeweils 500 Jahre nach der vorherigen Geschichte. Sie nehmen alle drei ihrer Geschichten auf und vergraben die Aufnahme in einer Zeitkapsel (bzw. in einer alten Waschmaschine, die Rick daheim sowieso im Weg steht). Die Menschen in einer fernen Zukunft können die Geschichten dann anhören, entscheiden, wer recht hatte und denjenigen nachträglich zum Gewinner und Master of The Universe erklären. Die letzte der drei Geschichten möchte allerdings Rick selbst erzählen, denn wenn Alex das macht, käme als Abschluss nur wieder irgendein düsterer Moralkram heraus. Alex vermutet skeptisch, daß Rick nur eine Ausrede sucht, um die Waschmaschine illegal entsorgen zu können.


Passenderweise hat Mike einen Kassettenrekorder und eine Kassette dabei. Die hatte Klaus vorhin auf dem Flohmarkt gekauft und Mike anvertraut. Rick meint, es würde Klaus sicher nicht stören, wenn sie das Band für etwas so wichtiges überspielen. Der Aufdruck auf der Kassette zeigt eine extrem seltene bzw. verschollen geglaubte Musikaufnahme. Rick legt das Band ein und drückt auf Aufnahme. Die Szene blendet in die Geschichten:


1. Geschichte von Mike, Titel "Das Modell" (Handlungsjahr 2512)
2. Geschichte von Alex, Titel "Neonlicht" (Handlungsjahr 3012)
3. Geschichte von Rick, Titel "Die Roboter" (Handlungsjahr 3512)


Als jeder seine Story beendet hat, meint Alex achselzuckend, daß das irgendwie auch keine besonders geistreichen Prognosen waren, sondern Dinge, die man irgendwo schon mal gehört oder gesehen hatte, und die die Ängste und Hoffnungen der Jetztzeit widerspiegeln. Rick entgegnet, daß das die Zukunft entscheiden muß. Als er das Band für die Zeitkapsel aus dem Kassettengerät nehmen will, sprudelt ihm jedoch nur ein verquirlter Bandsalat entgegen, die Kassette ist kaputt. Während sich Rick im Hintergrund slapstickig mit dem Knäuel abmüht, erklärt Alex, daß das vielleicht das beste Sinnbild für die Zukunft sei: ein verworrenes Knäuel von Schleifen, Knoten und Möglichkeiten, ein Zyklus ohne Anfang und hoffentlich auch ohne Ende. Rick ist davon weniger begeistert, aber es ist dunkel geworden und kühl. Im Hintergrund gehen die Rummelplatzbesucher nach Hause, einige tragen Bücher und Merchandise des Großen Futuro. Während Rick und Mike gehen, bleibt Alex noch nachdenklich zurück.


Wir sehen, daß sich die Umgebung gewandelt hat und die Parkbank nun nicht mehr am Flußufer in Bruchbach steht. Die Kamera fährt im 3D-Schwenk um Alex auf der Bank herum und wir sehen, daß die Bank nun an einem trostlosen, steinigen Meeresufer in völliger Stille steht. Eine rote und flackernde Sonnenscheibe geht langsam am Horizont unter und dünne weiße Schneeflocken rieseln aus einem verdunkelten Himmel. Eine Art riesiger Krabbe stackst mühsam durch das leblose Bild, grüner Schleim und weiße Schneeflecken bedecken den Strand. Ein ballartiges Lebewesen greift mit Fangarmen nach der Krabbe. Ein großer Schatten eines Planeten schiebt sich vor die Sonne und die weißen Bergspitzen in der Ferne versinken in Dunkelheit, während sich der Schatten über das Meer ausbreitet. Wind und Rauschen sind zu hören und die Schneeflocken beginnen dichter zu wirbeln. "Es wird kühl..." meint Alex und steht auf, um nach Hause zu gehen. Über dem Abspann läuft leise Rummelplatzmusik.


=> Segmentfolge, philosophische Folge, SF-Parodie




Da stecken mal wieder ein paar obskure Zitate drin. Der Titel ist natürlich Zager & Evans, die drei Segmente sind nach Songs aus Kraftwerks Mensch-Maschine benannt. Der Schluß der Folge ist ein Zitat auf das literarische Ende der Welt in H.G. Wells "Time Machine" (eine Szene, die in ihrer Düsternis glaube ich bisher von keiner der Verfilmungen aufgegriffen wurde). Wie gesagt, grundsätzliche Handlungslinien zu den 3 Segmenten mit obigen Titeln habe ich schon, bin aber auch nicht so ganz zufrieden damit. Wenn ein Leser also Ideen für ein Segment zu dieser Rahmenhandlung hat, immer her damit. Schön wäre es, wenn es zu obigen Titeln passen würde, man könnte aber eventuell auch ändern und das Kraftwerk-Schema weglassen. Die Segmente sollten gar nicht allzu umfangreich beschrieben sein, 2 oder 3 Absätze wie oben pro Segment sollten als Handlung reichen. Wenn gute Vorschläge oder fertige Stories kommen, ziehe ich die gerne in Betracht. Andernfalls werde ich die drei Segmente bis spätestens nächstes Wochenende selbst schreiben.


Ach ja, weiß eventuell noch jemand ein berühmtes, verschollenes Musikstück, das sich auf dem Band befinden könnte, das rabiat überspielt wird? Verlorener Song der Beatles? Lied, in dem Paul McCartney zugibt, der falsche Paul McCartney zu sein? Oder irgendwelche politischen Verschwörungsbeweise? Ideen sind willkommen.

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Terra X2.4.2012


Wie ich weiter unten zum Verschwinden der VHS aus dem Fundus der Stadtbücherei schon vermutet hatte: "Nur im Bereich der Dokumentationen finden sich noch Kassetten, z.B. klassische Terra-X-Folgen aus den 80ern und frühen 90ern auf ZDF-Video - aber auch deren Tagen werden gezählt sein."


Und schon war es soweit, die Terra-X-Videos waren für 30 Cent das Stück in der Grabbelkiste gelandet (das Buch dazu für 50 Cent). Und weil ich die Folgen schon immer sehr gelungen fand, waren diese natürlich schnell bei mir. Das ist inhaltlich doch ein deutlicher Unterschied zu manch aktuellen Dokumentationen im 2DF, die ja gerne mal denken, sie müssten quotenmäßig mit heißer Infotainment-Luft Marke Galileo & Co konkurrieren. Die bestehen dann "for a modern audience" häufig aus zahlreichen 3D-Animationen, Action-Spielszenen und Promi-Moderatoren. Sicher, auch bei den alten Folgen ist manches der "Abenteuer" TV-gerecht konstruiert, aber es gibt doch auch wirklich atmosphärische Szenen oder gar ein wenig sense of wonder. Die melancholische Reise in die verfallene Stadt Guge in der Tibet-Folge gehört da sicher dazu. Meine beiden Lieblingsbänder sind der Tibet-Zweiteiler und die Atlantis-Doppelfolge. Irgendwie sind die aber inzwischen alle Fremdkörper in einer Welt, in der man einfach mit Google Earth überall hinzoomen kann.

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Die mysteriöse 16-MB-Grenze16.3.2012
Hier ist noch eine kleine Beweisführung zum Thema Windows 3.11, die ich schon lange mal vorführen wollte. Das hat jetzt nicht nur damit zu tun, wie ein "veraltetes" System mit Speicher umgeht, sondern auch mal wieder damit, wie wir dort angekommen sind, wo wir heute PC-mentalitätsmäßig sind.


Es war so um das Jahr 1995 herum (nun ratet mal, warum ausgerechnet in diesem Jahr ;-)), daß PC-Zeitschriften anfingen, die Geschichte vom unzulänglichen Windows 3.11 zu erzählen, daß nur 16 MB Arbeitsspeicher verwalten kann. Sollte jemand also mehr als 16 MB Speicher im Rechner haben, oder einen Speicherkauf planen, und noch immer das "uralte" Programm verwenden, so läge viel vom teuren Speicher einfach brach. Zum Glück hatte ein sehr guter Freund der PC-Zeitschriften gerade im Jahr 1995 ein nagelneues "32-Bit"-Betriebssystem auf den Markt gebracht, daß voll viel Speicher verwalten konnte. Also steigt um und holt es euch.


Die Legende von der 16-MB-Begrenzung in Windows 3.11 hielt sich beharrlich und selbst heutzutage nicken es noch IT-Experten aus Desinteresse als Wahrheit ab. Auch im CF wurde das Thema damals durchdiskutiert und einiges an Blech geredet ("Windows 3.11 kann nur 16 MB verwalten, weil es halt ein 16-Bit-Betriebsystem ist.") Letztlich war es aber auch dort, daß die MS-Werbestory von Experten widerlegt wurde. Es ist eigentlich erstaunlich, warum sie überhaupt geglaubt wurde, denn jeder mit mehr als 16 MB Arbeitsspeicher hätte die Geschichte problemlos selbst überprüfen können, einschließlich der Redakteure. Aber Aufrüstmagazine Marke PCgo & Co hatten gerade in den späteren 90ern wohl immer recht und jede Begründung für Aufrüsten, Umrüsten und Wegschmeißen war gerne gesehen.


Die Beweisführung ist höchst einfach, hier vorgeführt auf meinem Pentium 166 mit 64 MB Arbeitsspeicher und WfW 3.11:




Nach dem normalen Start zeigt der Rechner eine Speicherverfügbarkeit von ca. 226 MB. Das sind die physikalischen 64 MB plus virtueller Speicher mittels einer großzügig dimensionierten, temporären Auslagerung. Diese taucht als Datei win386.swp mit variabler Größe auf der Platte auf, beim Start ist sie ca. 11 MB groß. Maximal kann der virtuelle Speicher auf etwa 2 GB definiert werden, also DOS-Partitionsgröße bzw. Plattengröße bei mir.


Für eine ordentliche Beweisführung müssen wir die Auslagerung natürlich deaktiven und neu starten. Danach sehen wir:




Das sind die physikalischen 64 MB Arbeitsspeicher abzüglich ca. 9 MB, die Windows für sich selbst belegt. Das ist eigentlich ziemlich viel, aber es läuft auch in hoher Auflösung mit Calmira XP 4.0, dickem Hintergrundbild und Erweiterungsroutinen. Ganz glücklich bin ich nicht damit, aber 9 MB sind noch halbwegs im Rahmen und ließen sich bei Bedarf auch merklich verringern. Auslagerungsdatei ist nun natürlich keine mehr auf der Festplatte, alles findet im physikalischen Arbeitsspeicher statt.


Aber was ist nun mit den 54 MB, die laut Anzeige im Speicher noch frei sind? Könnte Windows 3.11 nur 16 MB verwalten, dann müsste ja kaum mehr etwas übrig sein, und das System schnell an die Grenze stoßen. Laden wir doch einfach mal ein paar größere Bilder in den Speicher, von den Eigenschaften her in etwa wie folgt:




Nach einer Handvoll geladener Bilder (allzu viele gehen mit deaktivierter Auslagerung natürlich nicht, daher sollte diese auch aktiviert sein) sieht die Speicheranzeige so aus:




Nun sind weitere 46 MB im physikalischen Speicher mit Bilddaten belegt, ohne Auslagerung auf der Platte. Wo ist denn nun die 16-MB-Begrenzung, wegen der man unbedingt auf ein neues System hat umsteigen sollen?

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Monochrome XT-Kunst6.3.2012
Wie geschrieben, hatte ich mich am Wochenende wieder verstärkt mit meinem guten alten Schneider EuroPC beschäftigt. Der ist trotz (oder gerade wegen) aller Schwächen im Grunde eigentlich ein sehr elegantes System. Setzten Atari und Commodore im Bezug auf IBM-Kompatibilität auf aufwendige Sidecar-Lösungen, steckten die Leute von Schneider 1988/89 einfach ein Board mit Intel-Prozessor in ein nett designtes Homecomputergehäuse, inklusive fest eingebautem 3,5"-Laufwerk für 720 KB und optionaler 20-MB-Festplatte extern. Um PC-Technik zu Homecomputer-Preisen anbieten zu können, waren natürlich gewisse Abstriche nötig. Der Intel-Prozessor auf dem Board ist ein 8088er und damit technologisch gesehen Baujahr 1979, auch der monochrome Hercules-Grafikstandard mit seinen einfarbigen 720x348 Pixeln Auflösung stammt vom Anfang der 80er. Es sind aber gerade diese Schwächen, die das Gerät so sympathisch machen. Auf dem Markt konnte er sich allerdings kaum mehr etablieren, denn das Tastaturgehäuse schränkte die Erweiterungsfähigkeit stark ein und zum Anfang der 90er hatte sich bei PC-Anwendern bereits die unschöne Mentalität etabliert, daß nur Auf- und Nachrüsten der einzig gangbare Weg wäre.

Das Wunderbare am EuroPC ist IMO, daß er auch im PC-Bereich quasi die reine Lehre zum Thema "Think Kilobyte" darstellt. Er ist also auch in diesem Sinn eher Homecomputer, als Intel-Kiste. Selbst beim Arbeiten mit meinem 386SX25 stelle ich doch fest, daß man bisweilen sehr leicht in ein dezentes Megabyte-Denken gerät. Da passen auf eine Diskette gleich 1,44 MB, ein bißchen als zip gepackt und gesplittet installiert man dann gerne mal 7 oder 8 Megabyte große Programme. Und wenn man es sich ganz bequem machen will, hängt man ihm einfach ein flinkes 4-fach-Speed-CD-ROM dran. Das ist zwar zum Glück immer noch weit entfernt von der Beliebigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Gigabyte und Terabyte und 12.000 entstofflichten Musikstücken im unpersönlichen Rechner, die uns das 21. Jahrhundert gebracht haben, aber jedes Problem hat seine Wurzeln.


Auf dem EuroPC muß man gänzlich umdenken. Auf eine DD-Diskette passen 720 Kilobyte. Packen oder splitten ist nicht, denn ohne Festplatte müssen alle Programme direkt einlesbar sein - inklusive DOS 6.20 von Bootdiskette. Der Arbeitsspeicher ist 512 Kilobyte groß, mit geladenem DOS bleiben davon 454 KB übrig. Das Problem der 640-KB-Grenze stellt sich somit gar nicht ;-). Der Prozessor läuft bereits im XT-Doublespeed-Modus und das bedeutet, daß er neben seinen Busbreiten-Beschränkungen exakt 9,54 Mhz zur Verfügung hat. Farblich kann er nicht mit glänzenden 256 Farben protzen wie ein 386er, es muß eine einzige Farbe ausreichen, in meinem Fall Bernstein-Orange. Was tun? Abwinken und aufrüsten? Oder sich auf die Suche nach dem Universum machen, daß in dem Rechner und seiner Philosophie steckt?


Nebenher habe ich ein wenig Software und Spiele durchprobiert, unter anderem habe ich jetzt auf Disketten "Karateka", "Wings of Fury" und "The Train" hereinbekommen. Die laufen alle monochrom und zur Not gibt es ja auch noch CGA-Emulatoren. Das Hauptgewicht der Versuche am Wochenende ging aber in eine andere Richtung: ich wollte die Fähigkeiten des Rechners zur Bilddarstellung ein wenig erforschen. Da gibt es ja nette, menügesteuerte DOS-Programme, die mit so ziemlich jeder Hardware laufen und gifs, jpgs etc. darstellen. Ich hatte mir für die Versuche ein paar Anime-Bildchen zurechtgelegt. Die haben den Vorteil, daß die Konturen recht deutlich und die Figuren relativ abstrahiert sind. Auf der anderen Seite kommen solche Bilder im modernen Web gerne in den dicksten HD-Auflösungen daher, mit voller Farbtiefe und überladen mit Details.


Ein monochromer Grafikstandard kann nur eine Farbe darstellen und diese auch nur stets in der selben Helligkeit. Alle Konturen, Schattierungen, Bildnuancen etc. müssen also in Muster umgerechnet werden, die aus einer gewissen Entfernung dann die Illusion von Konturen und Schattierungen erwecken. Und es ist immer wieder interessant, zu beobachten, wie ein Endresultat aussieht. In gewisser Weise wird das Bild dadurch in eine eigene, monochrome Kunstform transformiert, die sich aus den Beschränkungen des Rechners ergibt. Natürlich muß man 2 - 3 Minuten Rechenzeit inklusive des zeilenweisen Aufbaus einkalkulieren. Bei gif ist der Datenstrom vom Laufwerk kontinuierlich, bei jpg macht er alle paar Bildzeilen eine Pause, um die nächsten paar Bildzeilen zu entpacken. Aber dafür kann man ihm nicht böse sein, es ist vielmehr faszinierend, wie er die Sache angeht.


Im Folgenden ein paar Beispiele für Anime-Bildchen, geschickt durch den authentischen Zeitfilter eines Grafikstandards Baujahr 1982 auf einem Prozessor Baujahr 1979, das Ganze direkt von einem 12"-Monochrom-Monitor Marke Schneider abfotografiert:






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Prometheus2.3.2012


Da soll nochmal einer sagen, "alte" Software kann einen nicht mehr überraschen. Dieser Tage purzelte bei mir obiger Norn aus einem Ei in Creatures. Normalerweise haben Norns so um die 270 Gene, 9 Lobi mit insgesamt 954 Neuronen und exportiert eine Dateigröße von etwa 90 KB. Das kleine rosa Ding hat exportiert eine Größe von 750 KB und auch sonst sehr abweichende Daten von der Norn-Norm. Norns mit 36 oder 37 Lobi kommen bisweilen vor, aber 64 Lobi und 6784 Neuronen (!!!) habe ich in über 13 Jahren im Programm noch nicht gesehen (auch nirgendwo im Web). Nähere Forschungen am Norn folgen, zumindest scheint er eine sehr schnelle Auffassungsgabe zu haben.

Das Problem ist nun leider, daß die Anwesenheit des Norns das ganze Programm instabil macht, da er bzw. sie wohl über sämtliche vordefinierten Grenzen geht. Unter Windows 3.11 läuft es zumindest so halbwegs. Ein Versuch auf einem aktuellen Windows-98-Rechner hat gezeigt, daß der Norn dort überhaupt nicht importiert werden kann, das Programm wird sofort wegen einer unerlaubten Funktion geschlossen. Also 1:0 für Windows 3.11 als Habitat für künstliches Leben bzw. für eigentlich nicht zulässige Entwicklungen im Programm. Erinnert mich etwas an die Bruchbach-Story "I, Pet", in der der Prometheus-Glitch bei Mike nur auftritt, weil er nicht upgedated hat.

Näheres zum Thema später. Jetzt stelle ich den viel zu schnellen Pentium 166 sowieso erst mal wieder weg, ich will mir in den nächsten Tagen ein paar interessante Sachen auf dem 8088er mit 9,54 Mhz und 512 KB RAM ansehen.

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Kleine Kritik am Retro-Magazin28.2.2012
Ein kleiner Beitrag für die Webseite des Retro-Magazins, den ich gerne auch hier veröffentliche:

Im Folgenden ein paar kritische Gedanken zur Entwicklung des Retro-Magazins. Ich bitte das Ganze als (hoffentlich) konstruktive Gedanken aufzufassen, denn ich halte das Magazin nach wie vor für eine gute und wichtige Zeitschrift. Allerdings konnte ich mit gewissen Entwicklungen "for a modern audience" über die letzten Jahre oft nur wenig anfangen. Es mag aber an meinem sehr speziellen Weltbild liegen und daher als konstruktive Kritik auch kaum brauchbar sein. Wenn ich ein Heft gestalten müsste, dann würde es vermutlich aus Artikeln bestehen in der Art "Wie man dem 21. Jahrhundert kräftig in den Hintern tritt" oder "Die 30 besten Spiele für 16-KB-Rechner" und die Auflage wäre bald im Keller ;-). Aber man kann sich dennoch fragen, was jemand ohne modernen PC, ohne NextGen-Konsole, ohne neuestes Daddel-Handy, ohne iKram und ohne digitalen 21st century lifestyle eigentlich noch mit einer aktuellen Ausgabe des Magazins anfangen kann. Denn eigentlich sollte das Heft vom Namen her doch auch mit für diese Leute sein, oder? Das führt dann zu der weitergehenden Frage, was die Begriffe "Retro" und "wirklich alternatives Computern" heutzutage noch bedeuten.

In der Vergangenheit hat leider mancherlei Zeitschrift aus dem Bereich des alternativen Computerns eine eher negative Entwicklung oder gar ein relativ unrühmliches Ende erfahren müssen. Als Präzedenzfall ist hier vermutlich der ASM zu nennen, der vom anarchischen Querbeet-Magazin am Ende zum PC-lastigen "Spaßmagazin" kommerzialisiert wurde. Außerdem sollte auch das Schicksal des guten alten "64er"-Magazins nicht unerwähnt bleiben, bei dem am Ende die Abokunden einfach auf die PCgo umgebucht wurden, und der Redakteur dies im Vorwort damit begründete, daß es nun auch für 64er-Freaks an der Zeit sei "...attraktive, neue Wege zu gehen". Die Verärgerung über dieses (als stillos betrachtete) Verhalten hatte damals ja auch mit zur Gründung der GO64 geführt, wenn ich mich nicht irre. Last but not least sei auch noch der Computer-Flohmarkt genannt, der in seiner klassischen Form auch lieblos mit einem "Der Markt ist tot"-Vorwort beendet wurde, nachdem jahrelang Verbesserungsvorschläge der Leser ignoriert wurden.


Was haben diese Fälle nun mit unserem enthusiastischen Retro-Magazin zu tun? Eventuell nichts. Eventuell noch nichts. Und doch durchlief das Magazin über die Jahre eine Entwicklung, die bei mir trotz allem Engagements seiner Macher bisweilen einen eher schalen Beigeschmack hinterlassen hat. Ein Problem dieser Entwicklung ist meiner Meinung nach, daß die Anforderungen für eine aktive Teilnahme immer weiter nach oben geschraubt wurden (und werden). Zu Zeiten der GO64 gab es die 5,25"-Heftdiskette, die jeder Leser sofort in eine 1541 & Co schieben konnte. Spiele, Demos, Anwendungen und Ideen sofort zur Hand auf C64 und C128. Dann kam das Retromagazin mit der Heft-CD. Ein CD-ROM wurde zur Voraussetzung - und um mit der Software etwas anfangen zu können, war häufig ein aktuelles Windows, Linux oder MacOS nötig. Reine C64- und "Uralt"-PC- bzw. DOS-Anwender wie ich blieben außen vor bzw. auf Bruchstücke beschränkt (die d64-Dateien auf der CD konnte man noch mit DOS-VICE starten). Irgendwann gab es keine Heft-CD mehr, und der Retro-Anwender musste nun schon eine schnelle Internet-Flatrate haben, um sich das iso-Image herunterzuladen. Reine Anwender von C64, Homecomputern, DOS-PCs oder "uralten" Modems waren somit gar nicht mehr berücksichtigt.


Das hat sicher alles gute Gründe, und mitgeholfen, das Magazin attraktiv für einen größeren Markt zu gestalten, um ihm Zukunft zu geben. Andererseits ist es für mich aber auch ein dezenter Widerspruch zum kritischen Geist der frühen GO64-Tage, als gerade das Alternative und der Widerstand gegen Gigabyte, Aufrüsterei, feste (Wintel-)Schemen und Standardisierung den anarchischen Reiz des Heftes ausgemacht haben. Als man noch an der Software und den Ideen im Heft teilhaben konnte, selbst wenn man "nur" einen Jahrzehnte alten 8-Bit-Rechner auf dem Schreibtisch stehen hatte. Als Retro noch hieß "Think Kilobyte". Man kann nun sagen, daß es so etwas doch heutzutage gar nicht mehr gibt, und daß jeder Retrofreund heute die Vorzüge der Moderne schätzt. Aber im gleichen Ton kann man auch sagen "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit". Meh. Hätten die Macher der GO64 vor 10 Jahren geglaubt, daß sie 2012 ein Heft publizieren, in dem in (zu?) vielen Fällen moderne PCs oder Konsolen die Voraussetzung für die emotionale Retro-Erfahrung darstellen? In der die Maschine oft nur noch das austauschbare Mittel zum Zweck ist, um eine emulierte Retro-Erfahrung über Standardkanäle zu vermitteln, anstatt der individuelle 8-Bit-Kumpel zu sein?


Wenn ich die Ausgabe 10-12/2011 des Retro-Magazins öffne, dann begrüßt mich die Werbung auf der ersten Seite gleich mit der Nachricht, daß ich eine Demo aus dem Playstation-Network oder von XBox Live herunterladen soll (was immer das sein mag), sowie eine Webseite und ein Facebook besuchen soll, was vermutlich aktuellste 32-Bit-Browser voraussetzt. Im Heft selbst finde ich eine hohe Zahl an Spieletests zu High-End-Games wie Duke Nukem Forever, Skyrim, Assasins Creed Revelations und Batman Arkham City, bei denen es mir eher schwer fällt, einen Retro-Zusammenhang zu erkennen. Daneben ein ganzer Haufen bunte casual games für das neueste Daddelhandy und anderen iKram. Tests zu solchen Spielen würde ich doch eher in Hochglanz-Wintel-Heftchen Marke PC Games & Co vermuten. Und nachdem ich mich durch oft grellbunte Hochglanzseiten geblättert habe, stelle ich fest, daß die im Prinzip interessantesten, "klassischen" Teile wie der Pressespiegel auf den unschön titulierten "Braunen Seiten" in Kurzform ziemlich am Ende zu finden sind. Im Vergleich zu den knallbunten Rayman- und Sonic3D-Artikeln wirkt das dann ein wenig wie ein eher liebloses Anhängsel von früher.


Natürlich gibt es auch in den neuen Ausgaben viele Artikel, die das Retro-Thema gut und gelungen vertreten. Aber die Tendenz bei den Artikeln geht oft eher in die Richtung eines rein emotionalen Retrogefühls auf abstrakter Ebene und IMO weg von der handfesten Coding-, Bastel- und Alternatividee bzw. dem Widerstand gegen den Zeitgeist, die einst die GO64 für mich ausgemacht haben. Wo sind die Basteleien, wo die vergilbten Gehäuse und schlabbrigen Disketten geblieben? Werden sie nun zu sehr einer knallbunten Hochglanzwelt von XBox-Retro-Live und entstofflichten Emulationswelten weichen, in der der wehmütige "Weisst du noch früher..."-Rückblick den Platz handfesten Retro-tums einnimmt? Wohin das alles führen wird, kann keiner sagen und vielleicht liege ich mit meiner schrägen Kritik oder meinen Befürchtungen auch völlig falsch. Ich möchte halt nur ungern den Tag erleben, an dem das hochglänzende Magazincover den neuen Titel "PC RETRO - Das Spaßmagazin" verkündet, und uns ein Redakteur im Vorwort erklärt, daß es auch für Retrofreaks nun an der Zeit wäre "...attraktive, neue Wege zu gehen." Das wäre dann doch sehr schade.

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VHS-Beitrag mit Fotos und bunt27.2.2012


Wie versprochen hier wieder ein paar Kommentare zu VHS-Neuerwerbungen bzw. einer kleinen Auswahl daraus. Mittlerweile geht mein Bestand wohl so in Richtung von 200 Kassetten, aber irgendwo brauchen die Dinger ja ein Refugium vor einer Welt, die sie in die Tonne treten und verbrennen will.


Die erste Chaplin-Kollektion oben links beinhaltet drei sehr gelungene Frühwerke: "The Pilgrim" von 1922, sowie "A Dog´s Life" und "Shoulder Arms" von 1918 - letzterer mit Chaplins Halbbruder Sidney als deutscher "Kaiser Bill". Die Lauflänge und inhaltliche Qualität hatte zu diesem Zeitpunkt schon merklich zugenommen, so daß die drei Filme eine Lauflänge von insgesamt 113 Minuten belegen. Auch vom Timing und der choreographischen Qualität der Gags her zeichnet sich die mehr und professionelle Handschrift von Chaplin ab. Etwas befremdlich mag nur bei "Shoulder Arms" wirken, wie verharmlosend sich der Streifen schon 1918 über den ersten Weltkrieg bzw. den Grabenkrieg amüsiert.


Daneben liegt noch eine Chaplin-Kollektion mit vier noch älteren Filmen von 1915 und 1916: "The Fireman", "The Floorwalker", "A Woman" und "The Rink". Das sind alles Frühwerke aus seiner Essanay- bzw. Mutual-Zeit, die gerade am Anfang noch sehr slapstickig und grob waren. Etwa ab Mitte 1916 zeichnet sich hier aber auch eine Entwicklung zu komplexeren Inhalten und Gags ab. Die Kassette ist Teile einer Kollektion von insgesamt 5 Kassetten mit 21 Kurzfilmen. Mal sehen, was ich da noch auftreiben kann, auf einer anderen Kassette der Kollektion sind auch die wichtigen "The Immigrant" und "The Tramp" mit drauf. Einige bekannte Gesichter findet man schon in den frühen Filmen, z.B. Henry Bergman, der über Jahrzehnte ein regulärer Darsteller in Chaplins Filmen war.


Daneben sehen wir den recht gelungenen Western "Winchester 73" (es ist natürlich 1873 gemeint) von Regisseur Anthony Mann, 1950. Mit dem Film wechselte James Stewart nach eher betulichen Familienfilmen für Frank Capra in das Fach des düsteren Cowboy-Rächers - und dies eigentlich überraschend glaubhaft. Gute Darsteller und eine interessante Story mit kritischen Untertönen. In kleinen Nebenrollen sieht man übrigens Tony Curtis und Rock Hudson. Und anders als das Cover darstellt, ist Shelley Winters in der Story kein ständig hilfsbedürftiges Frauchen, sondern haut Helden und Schurken durchaus coole Sprüche um die Ohren. Die deutsche Synchro ist von den Sprechern her gut, nur mit dem lippensynchronen hapert es an einigen Stellen etwas. In jedem Fall Anschauempfehlung.


Wir bleiben im Genre. Ich bin eigentlich kein Freund der oft recht groben Regiearbeiten von Sam Peckinpah, aber mit "The Wild Bunch" hatte er sich 1969 am "härtesten Western aller Zeiten" versucht. Und da ist durchaus was dran, denn für die Zeit und das Genre ist der Gewaltlevel der Story extrem hoch. Letztendlich eine fatalistische und desillusionierte Story, in der es eigentlich keine guten Jungs und auch keine Gewinner gibt. Keine leichte Kost für den entspannten Videoabend. Inwiefern Peckinpah den Machismo und die Gewalt unter Männern idealisiert oder stilisiert, ist schwer zu sagen. Wie gesagt, es gibt keine Gewinner in der Story.


Von der Atmosphäre her sehr ähnlich ist William Friedkins Polizeithriller "French Connection" von 1971 mit Gene Hackmann. Wie Peckinpah die Westernhelden zerstört hat, sind hier die Großstadtpolizisten der 70er Jahre dran - schmutzig, korrupt, unterbezahlt, flüchtende Verdächtige in den Rücken schiessend und auf ein fatalistisches Ende zulaufend. Berühmt auch für die Verfolgungsjagd, für die man die Straßen nicht gesperrt hatte und während der im Film tatsächlich ein unbeteiligtes Auto gerammt wird, das zufällig in die Dreharbeiten geraten ist.


Ein Film, der gerade wieder durch die Remake-Mühle gedreht wird, obwohl das Original gerade mal 27 Jahre alt ist: der Vampirfilm "Fright Night" von 1985. Sehr guter Teenie-Horror, der recht harmlos beginnt, aber zum Schluß hin ein schönes Feuerwerk an handgemachten Creature-Effekten ablässt (dabei wohl einige Sachen, die noch unbenutzt vom Ghostbusters-Dreh übrig waren). Darüber hinaus auch eine schöne Sammlung von Genre-Zitaten und Referenzen, speziell in der Figur des von Roddy McDowall wunderbar dargestellten Pseudo-Vampirjägers Peter Vincent.


Eine kleine Trash-Perle mit dem deutschen Quarktitel "Detroit City - ein irrer Job" von 1988 (im Original "Collision Course"). Hauptdarsteller sind Pat Morita und Jay Leno - jepp, der Jay Leno als...naja...Schauspieler. Eigentlich ein Buddy-Movie nach Schema F mit allen Klischee-Zutaten des Genres und üblen Dialogzeilen für Pat Morita. Und trotzdem funktioniert der Blödsinn irgendwie, gerade in seinen absurden Momenten wie dem Mob wütender arbeitsloser Fabrikarbeiter aus Detroit, die anstelle der erwarteten Prügelei eine politische Diskussion über Japans kapitalistisches Verhalten auf dem Weltmarkt anfangen wollen (okay, die Prügelei kommt dann auch noch) oder Pat Morita als einzigem Japaner, der kein Karate kann. Als Schurken sehen wir übrigens schon wieder Chris Sarandon, der schon in "Fright Night" den Obervampir gibt. Und ein richtig schöner 80er-Soundtrack, der noch minutenlang weiterdudelt, nachdem der Abspanntext schon lange zu Ende ist. Ich mag den Film.


Von Jean-Pierre Jeunet stammt der etwas seltsame, aber nicht uninteressante "Delicatessen" von 1991. Den habe ich zugegeben schon länger nicht mehr gesehen, werde ihn mir aber demnächst mal wieder ansehen. Für harmlos gestimmte Amelie-Freunde ist der Film wohl eher weniger geeignet, da er doch sehr stark in eine düstere und absurde Welt tendiert. Vom Genre her wohl schwierig zu definieren, irgendetwas mit schwarzer Komödie, Romanze, Thriller und Endzeit-SciFi. Seinen Hauptdarsteller Dominique Pinon setzt Jeunet ja gerne in all seinen Filmen ein, so ist dieser selbst in "Alien - Ressurection" mit dabei.


Das rechts unten sollte eigentlich James Whales "Unsichtbarer" von 1933 mit Claude Rains sein. Eigentlich - denn in der richtigen Hülle steckt die falsche Kassette von Robin Williams schmalzigem "200-Jahre-Mann". Meh. Das muß ich noch reklamieren (für 50 Cent pro Film kann man schließlich Service erwarten ;-)) und versuchen, den richtigen Film zur Hülle zu bekommen. Der ist zwar nicht James Whales bester Film - das ist IMO "Bride of Frankenstein" - aber dennoch recht gelungen.




Vor ein paar Wochen hatte ich noch eine nette Sammlung von 14 Stück "Doctor Who"-Folgen auf englischer BBC-VHS reinbekommen, siehe oben. Das geht von 1975 bis zum unsäglich amerikanisierten TV-Film aus den 90ern. Leider ist auch recht viel Material aus den 80ern dabei, als die Qualität der Serie doch stark gesunken war bzw. als John Nathan-Turner Produzent war, was in etwas das Äquivalent zu Mike Scully bei den Simpsons darstellt. Trotzdem sind besonders  aus den 70ern ein paar schöne Perlen dabei wie etwa "Deadly Assassin" oder "Horror of Fang Rock".


Kommentare zu obigen Filmen sind gerne willkommen.

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VHS-Neuzugänge20.2.2012

Dieser Tage hat die Stadtbücherei ihren gesamten Restbestand an Spielfilmen auf VHS aus dem Programm genommen.  Damit ist eine der letzten analogen Zufluchten im öffentlichen Raum nun auch fast verschwunden. Auf dem Regal steht zwar noch Videokassetten, gefüllt sind die Fächer aber nun mit DVD-Boxsets von "Scrubs" und "King of Queens". Nur im Bereich der Dokumentationen finden sich noch Kassetten, z.B. klassische Terra-X-Folgen aus den 80ern und frühen 90ern auf ZDF-Video - aber auch deren Tagen werden gezählt sein.


Natürlich habe ich sofort über den Verbleib der Kassetten nachgeforscht. An der Information meinte man ob der Frage irritiert, man wisse darüber nicht Bescheid. Eventuell sind die Kassetten ja im Keller und eventuell werden diese auch irgendwann mal verkauft. Das könne aber niemand sagen. Auch an der Ausleihe Achselzucken, dort verwies man mich aber an ein Büro im 2. Stock. Und tatsächlich, dort stand der gesamte Bestand von mindestens 200 Kassetten. Dieser muss jedoch noch darauf geprüft werden, was davon im Archiv verbleibt, und was abgegeben werden kann. Auf die Idee, dass jemand ernsthaftes Interesse an den altmodischen Kassetten haben könnte, war niemand wirklich gekommen.


Aus den wenigen bereits geprüften Kassetten habe ich mir gleich ein paar nette Sachen mitgenommen. Aus dem noch ungeprüften Bestand habe ich mir dann einen großen Stoß aussortiert und vormerken lassen, den ich nach Prüfung hoffentlich in den nächsten Tagen bekomme. Da sind richtige Schätzchen dabei, z.B. ein wenig französische Nouvelle Vague, ein paar nette Western wie z.B. den gelungenen "Winchester 73" mit James Stewart und auch mehrere Chaplin-Kollektionen mit Frühwerken. Auf einer der Chaplin-Kollektionen finden sich dabei sogar "The Pilgrim", "A Dog´s Life" und "Shoulder Arms" - für Kenner alles echte Perlen. Der Preis pro Kassette wird wohl bei 50 Cent liegen. Sobald ich die Kassetten vorrätig habe, gibt das mal wieder einen bebilderten VHS-Beitrag.

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Marktlücke für kritisches Buch10.2.2012

Irgendwie hat mich das Lesen von Christian Hellers Buch auch wieder darauf gebracht, daß man ein Buch bräuchte, daß den Zeitgeist aus einer gänzlich anderen Richtung betrachtet. Ich hatte das ja schon vor einer Weile mit dem einfallslosen Arbeitstitel "The 21st Century Delusion" inhaltlich kurz umschrieben. Vielleicht war der inhaltliche Rahmen dazu auch etwas zu grob gefasst, prinzipiell wäre die für thematische Verzweigungen interessantere Argumentationslinie vielleicht wirklich jene, daß der Begriff des Privaten auch über die private Zeitsicht und Weltsicht zu definieren wäre.


Es ist ja IMO eine der großen Vorschriften des 21. Jahrhunderts, daß hier eigentlich kein Unterschied existieren darf und eine Durchdringung von allem durch Moderne und digitale Revolution das zulässige Verhalten und die "Realität" darstellen. Und auch die kritischen Bücher (die Christian Heller als Gegenpol zu seinem Buch aufführt) gehen wohl eher in die Richtung, daß sich der geneigte Leser zwar dezent über Datenkraken und Pisa-Kinder online amüsieren darf, die Notwendigkeit seiner BluRay-Schrankwand und seiner QuadCore-Prozessoren aber auch keinesfalls in Frage stellen soll. Und sollte sich ein Buch in der Argumentation zu weit wagen, wären sicher schnell Titulierungen wie "angestaubt" und "reaktionär" zur Hand. Ein solches Buch hätte es also schwer.

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Radiowahrheiten6.2.2012

Daß man lustigen Spaßradiosendern nicht alles glauben sollte, ist ja bekannt. Gerade Anrufe im Studio sind eigentlich nie "live" oder spontan oder ungefiltert. Es ist aber immer wieder nett, wenn dies so auffallend deutlich wird, wie gestern nachmittag bei einem lokalen Radiosender im Autoradio. Da wurde über ein Feuer in der Region berichtet und der Moderator erklärte, daß man zu dem Thema jetzt verbunden wäre mit einem Feuerwehrsprecher. Mit dem hielt der Moderator dann scheinbar auch ein Live-Pläuschchen und stellte seine Fragen. Kurz vor Ende des Gespräches stellte der Moderator dann noch eine Frage, plötzlich hörte man ihn aber leise "Hoppla" sagen und siehe da, der Gesprächspartner "am Telefon" ignorierte die neue Frage einfach und wiederholte die identische Antwort wie zu der vorherigen Frage. "Öhm. Ja. Genau. Hatten wir schon gesagt. Aber was ist denn nun mit..." brabbelte der Moderator hastig und erst dann kam die korrekte Antwort auf die neue Frage.


Und das sieht ja nun ganz so aus, als würde der Moderator zwar seine Fragen live ins Mikrofon sprechen, die Antworten seines Gesprächspartners aber kommen aus der Konserve bzw. aus vorher aufgenommenen Samples, die per Klick eingespielt werden. Und wenn man sich in der Reihenfolge vertut, dann wird das plötzlich deutlich. Für ein solches Vorgehen mag es ja gute Gründe geben, aber warum werden solche "Gespräche" dann mit dem Satz "sind wir jetzt verbunden..." eingeleitet? Das Ganze könnte man nun natürlich als harmlose Panne abtun, aber andererseits wirft es auch wieder die Frage auf, was man den Medien glauben kann. Wenn so ein Gespräch vom Moderator als live und "jetzt verbunden" angekündigt wird, ist es eine Unwahrheit. Wer garantiert dann, daß nicht z.B. Sätze fehlen oder Aussagen weggekürzt wurden, wenn der Gesprächspartner in Wahrheit nur aus digitalen Samples zusammengestellt wird?

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Bruchbach-Artikel bei Online-Magazin3.2.2012

Beim Onlinemagazin "Lawine" gibt es einen netten Artikel mit Bruchbach-Thema und Interview. Allerdings wurden meine Antworten gekürzt und umgeschrieben, weswegen die Absicht vielleicht nicht immer ganz 100% getroffen ist. Aber sei es drum. Vielen Dank an Sven für den Beitrag.


http://lawine-magazin.de/?p=437


Interessanterweise wurden alle Usenet-Bezüge meiner Antworten entfernt. Wüssten die heutigen Internetleser nicht mehr, was das ist?

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Post Privacy und Zeitgeist Privacy30.1.2012
Dieser Tage habe ich eine Ausgabe von Christian Hellers "Post Privacy"-Buch mit Widmung erhalten. Vielen Dank an ihn und auch an Jo für die Weiterleitung. Es kam bei meinen Eltern an, wenn auch im aufgerissenen Umschlag. Scheinbar hält auch die Post heutzutage nicht mehr viel vom Privaten ;-). Das Buch ist sehr schön und eloquent geschrieben und argumentiert, vertritt aber natürlich eine Philosophie, die nicht die meine ist. Begriffe wie Facebook und Twitter kenne ich nur vom Hörensagen und Google ist eine Suchmaschine für Webseiten, aber sicher keine Notwendigkeit. Und des einen Utopie ist des anderen Dystopie. Aber sei es drum, das würde nun im Detail zu weit führen.


Nur ganz kurz ein paar Gedanken:


Beim Lesen hatte ich den Eindruck, daß Christian zumindest eine für mich sehr relevante Definition des Privaten übersehen hat. Das mag auch daran liegen, daß es eine leider viel zu selten praktizierte Definition ist bzw. daß sie quasi automatisch aus dem Raster herausfällt, auf daß er seine gesamte Argumentation begründet. Ich meine die Definition des Privaten als den Raum, in dem der Zeitgeist keinen Einfluß auf das Individuum haben muß. Die Definition des Privaten als dem Raum, in dem es eigentlich egal ist, welche Jahreszahl im öffentlichen Raum auf dem Kalenderblatt steht. Das ist es, was ich salopper mit der Bezeichnung meines Wohnraumes als einem vom 21. Jahrhundert befreitem Gebiet meine.


Außerhalb des Privaten gibt es diese Möglichkeiten nicht oder nur stark eingeschränkt. Ich kann im öffentlichen Büro nicht sagen "Sorry, Chef, ich fasse den WiXP-Rechner nicht an. Die Aufgabe lässt sich doch soviel interessanter auf einem 386er unter DOS lösen" (auch wenn dies häufig durchaus der Wahrheit entsprechen würde). Im privaten Raum ist das aber ohne Probleme möglich. Man kann den Zeitgeist einfach vor der Tür stehen lassen. Man kann einen Kalender von 1974 an die Wand hängen und sich auch das Umfeld entsprechend zum privaten Kalenderdatum gestalten. Groovy, man. Und wenn man sich die Ausrüstung und auch das medial-analoge Rüstzeug dafür z.B.auf Flohmärkten besorgt, dann hat auch das Netz weiterhin größere Schwierigkeiten, mitzuprotokollieren, welche private Zeit bei einem daheim herrscht. Für Retrokommerz und Kommerzretro via Onlineshops etc. gilt das natürlich nicht, hier fiele man schnell in ein Raster als emotional-nostalgisch geprägter Kunde. Aber davon spreche ich nicht.


Die Macht des Netzes hat (noch) gewisse Grenzen und gerade, wenn sich die Zeit im privaten Raum von der Zeit im öffentlichen Raum auf konsequente Weise unterscheidet, laufen Netz und Post Privacy an der Zeitschleuse bzw. der Türschwelle gegen eine Wand. Dafür muß im privaten Raum noch nicht mal das Jahr 1974 sein. Selbst die Verwendung von 16-Bit-Technologie aus den 90ern tritt als Störfaktor für die Moderne auf, weil viele Mechanismen dann nicht greifen können und so manch digitale Verlockung ins Leere tritt. Die Macht der Moderne liegt in der Masse von Daten und 640 Kilobyte sind zum Glück keine Masse ;-).


Ich verweise gerne werbend auf den Link zum Buch:


http://www.plomlompom.de/PostPrivacyBuch/

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Windows 3.11 goes 201229.12.2011
Jetzt habe ich nach mehreren Monaten 386er auch den Pentium 166 mal wieder angesteckt und auf die leere Platte ein schönes DOS 6.20 und Windows 3.11 installiert. Ist sehr schön geworden, eine wirklich gelungene und stabile Installation. Da musste ich gleich ein paar Bildchen machen, siehe hier und Link:



Hier unter dem Link gibt es noch mehr hübsche Screenshots vom System:

http://www.bruchbach.de/wfwneu.htm

Ich wünsche ich allen Bloglesern einen Guten Rutsch ins Neue Jahr :-).

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Audiokassetten und Skript22.12.2011

Als Aspekt des Widerstandes gegen eine Frontaldigitalisierung hatte ich mich ja vor einiger Zeit von meinem defekten Schnickschnackscheibendreher getrennt. Ich war mit der Anwesenheit des Gerätes sowieso nie recht glücklich, da mir auch die sporadische Verwendung immer sehr inkonsequent erschien. Außerdem war es ein Gerät mit semi-aktuellem Baujahr in einem eigentlich vom 21. Jahrhundert befreiten Gebiet.


Nun ist der Scheibendreher weg und der Medienkonsum wieder analog. Was trotzdem bisweilen das dezente Problem aufwirft, was man nach einem anstrengenden Arbeitstag medial konsumieren soll. Fernsehempfang habe ich seit fast 10 Jahren nicht mehr (die aufgedrängte Zwangsdigitalisierung und dadurch bedingte Eliminierung "alter" Geräte dort betrifft mich also zum Glück nicht). Nun kann man natürlich auch ein gutes Buch lesen oder eine schöne VHS gucken, die Auswahl ist ja sehr groß. Aber der VHS-Rekorder soll mindestens nochmals weitere 20 Jahre funktionieren (40 Jahre würde mir als akzeptable Lebensdauer eines Gerätes erscheinen, gerne mehr) und sollte daher nicht ständig beansprucht werden.


Des Problems Lösung: analoge Tonspuren von Filmen und Serien auf Audiokassetten. Ich hatte mir dafür noch kurz ein Wochenende ein Schnickschnack-Notebook geliehen, daß so extrem neu ist, daß es DVD-Scheibchen abspielen kann. Stecker mit zweimal Klinke in die Kopfhörerbuchse vom Notebook und Mikrofoneingang eines Kassettenrekorders und Aufnahme. Und auf so ein 90-Minuten-Magnetband geht ja doch einiges drauf, z.B. auch vier Episoden Tonspur von der Muppet Show. Die Bilder dazu kenne ich ja sowieso. Und weil nur eine überschaubare Laufzeit Platz hat, verliert das einzelne Medium auch nicht seine Identität. Wunderbar analog halt. Nun habe ich manch nette Tonspur, die sich sowohl auf Neugeräten, als auch auf 40 Jahre alten Geräten oder mobil im Autoradio abspielen lässt. Was will man mehr.


Ach ja, ein kurzes Skript habe ich kürzlich aus einer Laune heraus auch geschrieben, das ist aber thematisch eher speziell. Ist jetzt kein großer Wurf und hat gewisse Mängel, aber für eine auf die Schnelle getippte Idee ist es ganz nett geworden, siehe hier.

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Von Computern und Klopapier21.11.2011

Im Moment tut sich mal wieder wenig im Blog. Das hat wohl irgendwie auch damit zu tun, daß mein Interesse für den ganzen Onlinekram zur Zeit wieder fast Null ist. Ich war (glaube ich) privat seit 3 Wochen nicht mehr online und vermisse auch nichts. Ich verwende eigentlich nur noch den 386SX25, weil ich keinerlei Anforderungen mehr habe, die er nicht locker und ohne Probleme erfüllen kann.


Wir haben mittlerweile von der Mentalität her irgendwie einen Stand erreicht, an dem z.B. Computer nicht mehr als Inspirations- und Kreativitätsquellen (und nette kleine Wunderwerke) betrachtet werden, sondern nur noch banal mit Gebrauchs- und Wegwerfartikeln wie einer Rolle Klopapier gleichgesetzt werden. Das selbe gilt zunehmend für Filme, Musik, persönliche und greifbare Medien aller Art. Nur noch Vereinheitlichung und Leistung und Bequemlichkeit. Und wenn man sich kritisch dazu äußert, dann gibt es nur stets die gleichen Standardantworten und Denkmuster. Ist halt so, ist doch super. Sollte man es wagen, dezent von Indoktrination zu sprechen, fühlt sich aber auch gleich wieder jeder auf den Schlips getreten. Meh.


In allen Medien nur noch die dicke Keule mit digitalem Konsum (Konsum wohlgemerkt, keine Aktivität außerhalb von festen Schablonen) und dem Streben nach solcher "Lebensqualität" und Perfektion. Ich weiß, das sage ich ständig, aber es fällt mir momentan wieder besonders bitter auf. Keine Ahnung, ob es an mir liegt, oder ob es momentan tatsächlich wieder besonders ausgeprägt ist. Natürlich ist es bedauerlich, wenn neue Bruchbach-Folgen und andere Projekte unter meiner generellen Online-Unlust leiden, aber es wird auch in diesem Bereich garantiert wieder Neues geben.


Ob das mit dem neuen Comic klappt, kann ich allerdings noch nicht sagen. Die Zeichnerin möchte große Storyteile und viele Szenen von "Vienna Calling" einfach weglassen, damit die Story kürzer und schneller wird. Das mag bei dem ausufernden Gefasel vielleicht sogar notwendig sein, aber so recht anfreunden kann ich mich damit nicht. Wir werden sehen.

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