Weblog Simpleblog kostenlos selbermachen!


CPs Bruchbach-Blog Startseite | Profil | Archiv
Ein Blog mit kritischen Texten zum digitalen und polierten Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, zum persönlichen Leben im 20. Jahrhundert als Aspekt der privaten Individualität und Denkanregungen dazu, warum auch sogenannte "alte", analoge und imperfekte Dinge ihren Reiz haben. Warnung: das Blog kann blasphemischen Mangel an Respekt für die überlegene "Großartigkeit" der Moderne enthalten. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Imphobia-Diskmag19.5.2016
Beim Rumsuchen auf älteren CDs habe ich kürzlich wieder alle 12 Ausgaben des berühmten 90er-Jahre-DOS-Diskettenmagazins "Imphobia" gefunden. Das erschien als Scene-Produkt von 1991 bis 1996 in eher unregelmäßigen Abständen und hatte den Ruf, daß vielleicht technisch, optisch und inhaltlich beste Szenemagazin zu sein. Lobend muß man natürlich erwähnen, daß auch die letzten Ausgaben noch anstandslos auf einem 386er liefen, siehe Ausgabe 12 hier.


Beim Anlesen aller 12 Ausgaben fiel mir aber dann doch auf, daß sich der Ruhm des Magazins zumindest für mich hauptsächlich aus den letzten 4 - 5 Ausgaben erschließt. Gerade die frühen Ausgaben waren doch ein ziemlicher Verhau, und weit unter dem Niveau von z.B. C64-Scenemags wie der "Digital Talk" (die zugegeben ein wenig später erschien, und dies sporadisch ja noch immer tut). Damit meine ich nicht mal so sehr die einfache grafische Gestaltung, sondern das generelle Design und den Inhalt. Oft war die Schrift kaum lesbar, weil seltsame Zeichensätze und Farbgebungen verwendet wurden. Auf dem Pentium 166 lassen sich die älteren Ausgaben zudem nur stumm abspielen, da sich die Soundroutine vermutlich am Prozessortakt verschluckt. Ansonsten funktioniert alles, obwohl die Ausgaben kompatibel zu den weitverbreiteten 286ern entworfen wurden.


Was mich aber wie gesagt hauptsächlich stört, ist der Inhalt. Jede Menge schlechtes Englisch und Tippfehler, und trotzdem elitäres Rumgeblubber über Elite vs Lamer, zotige Sprüche und Artikel, der übliche Computerkrieg-Kram oder schlicht und einfach kindisches Zeugs. Exemplarisch sei ein Artikel genannt, der erklärt, wie man die "dummen Affen" namens Informatiklehrer veräppeln kann - zum Beispiel, in dem man sich vor den Ferien Fachbücher ausleiht, und dann nicht mehr zurückgibt. Merkt angeblich niemand. Da sieht man doch gleich, daß die wahre Elite am Werk ist ;-).


Interessant fand ich aber z.B. daß schon ein Artikel von 1991 (?) begeistert auf ein neues Net hinweist, von dem wir noch viel hören werden - das sogenannte "Internet". Damals natürlich noch ohne www und bunte Bildchen, aber dafür zumindest schon mit klassischen Diensten wie Usenet, IRC und ftp. Und wie der Artikelschreiber bewundernd schreibt, kann es einem sogar passieren, daß man auf Fragen Antworten aus Amerika oder Japan bekommt. Hilfe. Außerdem waren die Freaks der Ansicht, daß sie im Internet weiterhin unter sich bleiben werden, da es zu kompliziert für irgendwelche Lamer ist. "There is no manual for the internet - and there will probably never be one..."


Es müsste alle 12 Ausgaben hier auf pouet.net geben:


http://www.pouet.net/search.php?what=imphobia&type=prod


Wobei die Einträge dort seltsamerweise 1992 als Erscheinungsdatum der ersten Ausgaben angeben, in den file_id.diz-Dateien meiner jeweiligen Ausgaben jedoch Daten von 1991 stehen, z.B. "released on 27-12-1991" bei Ausgabe Nr. 4. In der Regel sind die diz-Dateien verläßlicher, da diese zur Info für Mailbox-Downloads erstellt wurden.

0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

PC-Welt sagt "Windows 3.1 rockt" 9.5.2016
Ein ganz kurzer Beitrag mit einem Link, den mir Andi am Freitag geschickt hat - vielen Dank hierfür:

http://www.pcwelt.de/news/Windows-faellt-auf-unter-90-Prozent-bei-Desktop-Betriebssystemen-9975167.html?google_editors_picks=true

Wie uns der Artikel berichtet, hat sich der Marktanteil von Windows 3.1x auf 0,45% gesteigert. Die PC-Welt ist darüber erstaunt und sucht nach Erklärungen für das große Mysterium, aber wir wissen natürlich, woher das kommt. DAS WAR ICH. ICH HABE DAS GEMACHT. MUAHAHAHAHA...

Und eigentlich eine gute Frage: sind Formulierungen wie "Windows 3.1 rockt" und "explosionsartiger Anstieg" der Nutzerzahlen nun Sarkasmus oder Ironie oder keines von beidem?

Ernsthaft: ich denke mal, daß sich das wirklich hauptsächlich auf virtuelle Installationen bezieht. Denn so alte Computer, um das im Original laufen zu lassen, gibt es doch gar nicht mehr. Sind ja alle kaputt ;-). Mich würde aber wirklich in Stückzahlen interessieren, wieviele DOS/Windows 3.1x tatsächlich noch auf alten Rechnern laufen und aktiv verwendet werden. Aber die Leute, die das tun, wird man in solchen Markanteilsdarstellungen vermutlich gar nicht finden.

Interessant ist auch, daß sich XP immer noch mit über 10% hält, obwohl Microsoft einiges getan hat, um das einstmalige Flaggschiff als unfähig und gefährlich darzustellen.

1 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Weitere Gedanken zur Sinus-Studie2.5.2016
Ein paar Gedanken noch zum Thema der Sinus-Studie bzw. zum "Mainstream" ohne Ecken und Kanten bei Jugendlichen und in der heutigen Welt allgemein:

Prinzipiell bin ich solchen Studien gegenüber wie gesagt immer skeptisch. Noch skeptischer bin ich Webartikeln gegenüber, die Schlußfolgerungen zu solchen Studien online präsentieren wollen. Das soll zum Einen für Leser mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne so leicht verdaulich wie möglich geschehen, zum Anderen aber auch einen bedeutungsvollen Unterton haben. Das mit dem bedeutungsvollen Unterton ist relativ leicht gemacht, man muß ein Thema nur damit umschreiben, daß "wir alle" davon betroffen sind, und niemand entfliehen kann. Irgendetwas tut sich und/oder wird upgedatet, und die Welt wird ab jetzt nie mehr dieselbe sein. "Google präsentiert einen neuen Dienst. Warum wir alle ab jetzt alles mit anderen Augen sehen werden und nichts mehr so sein wird wie vorher..." In dem Sinne sollte man also skeptisch sein, wenn eine relativ überschaubare Anzahl von Jugendlichen interviewt wird (vermutlich noch mit der Vorgabe bzw. dem sozialen Druck an einer Studie über den modernen Menschen teilzunehmen) und das Ergebnis dann als repräsentativ für die Homogenität und Anpassung einer ganzen Generation dargestellt wird.


Wobei es allerdings durchaus wahr ist, daß es im 21. Jahrhundert einen Mangel an Gegenkulturen gibt. Sätze aus der Studie wie "Ich versuche, mich allen anzupassen. Das gelingt mir hoffentlich..." würde man doch eher aus konservativen und "kleingeistigen" Zeiten wie den 1950ern erwarten, und nicht aus dem Jahr 2016, wo das Internet doch vermeintlich soviel neue Individualität und Kreativität des Einzelnen hervorbringt. Leider ist das Internet halt inzwischen großflächig dazu übergegangen, besonders für die junge Zielgruppe all das mit sozialem Erfolg und Aufmerksamkeit (und likes und Sternchen und sonstwas) zu belohnen, was einer möglichst großen Gruppe gefällt, oder ganz oben in einem Ranking steht. Was nicht in das Schema passt, bleibt schnell außerhalb der persönlichen Filterblase, speziell wenn diese für Bequemlichkeit und automatisches Aussortieren vorgeplant ist - wobei eben auch jenes Vorplanen mittlerweile maschinell geschieht.


Gerade die Mentalität, daß "das eben so ist" und man sich damit abfinden muß, wenn man dazugehören will bzw. generell das Konsumdenken, daß nur neue Technologie und Updates helfen, den nötigen Erfolg, die nötige Kompatibilität und die nötige Vernetzung zu haben, würde eine konkrete Gegenkultur benötigen. Daß das für mich eine Gegenkultur sein sollte, die dem stylischen Facebookupdate und der allgemeinen Verdatung einen konkreten Respekt für Imperfektion und für die Vergangenheit entgegensetzt, sollte bekannt sein. In der Gruppe der 14 - 17-jährigen dürfte ein solches Denken aber eine absolute Ausnahme sein, und in der Regel bestenfalls als exotisches Kuriosum durchgehen. Leider ist es inzwischen auch so, daß sogar die Generation, die sich selbst als "Retrofreunde" bezeichnet, oft sehr stark in das System integriert ist. Waren es mal die Leute, die aus einer gewissen Überzeugung heraus eine Opposition zum Zeitgeist darstellen, sind es heute oft jene, die über jeden Mangel an Komfort und Style beim "Retrohobby" gleich die Nase rümpfen.


Wir haben also eine Kultur, die laut manchem Schreiberling so mächtig ist, daß "wir alle" und unser Blick auf die Welt davon beeinflußt werden. Gleichzeitig gibt es kaum mehr Gegenkultur dazu bzw. nur noch in harmloser Hobby-Form. Wenn in der Studie ein wahrer Kern ist, dann wird die nächste Generation noch weniger interessiert an einer Gegenkultur sein, da diese (wenn sie etwas erreichen wollte) so radikal sein müsste, daß man damit aus dem sozialen Mainstream fallen würde.


Eine Ausage in der Studie fiel mir noch auf, nämlich jene, daß eine digitale Sättigung eingetreten ist, und die Zielgruppe eigentlich gar keine weitere Digitalisierung in ihrem Leben mehr möchte - aber natürlich auch keinerlei Schritt "zurück" durch Wegfall von Diensten und Technologie. Das halte ich für eine fragwürdige Feststellung, denn mit einer Sättigung wären die Marketingstrategen der Konzerne sicher nicht einverstanden. Es wird sich immer ein Weg finden lassen, die Zielgruppen davon zu überzeugen, daß sie unbedingt dieses oder jenes brauchen, um nicht in der Steinzeit zu leben (also so wie im Jahr zuvor). Den Leuten zu sagen, was sie unbedingt für ihr Leben brauchen, ist schließlich die Aufgabe ganzer Berufszweige. Wenn die Zielgruppe in der Studie also heute von einer Sättigung spricht, dann vermutlich nur aus dem Unwissen heraus, was die glorreiche Zukunft noch an digitalen Grundbedürfnissen bringen wird. Die Marketingstrategen wissen zum Glück Bescheid. Meh.


In diesem Sinne: FIGHT THE SYSTEM...

2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Sinus-Studie27.4.2016
Und gleich noch ein Beitrag am selben Tag. Aktuell liest man ja online doch so einige Artikel zur Sinus-Studie, die herausgefunden haben will, wie angepasst und "Mainstream" heutige Jugendliche sind, und wie wenig diese noch "aus der Rolle" fallen möchten. Und obwohl versucht wird, auch die positiven Aspekte zu betonen (wie etwa allgemeine Eintracht und Harmonie etc.), kann ich mich nicht wirklich mit so wenig Freigeistigkeit und Rebellion anfreunden. Aber das mag an mir liegen...

Generell traue ich solche Studien ja nicht (auch nicht, wenn sie mich bestätigen), aber weil es generell zum Thema des Blogs passt, hier einfach mal ein Link zu einem beispielhaften Artikel in der Süddeutschen:

http://www.sueddeutsche.de/leben/sinus-studie-alle-wollen-mainstream-sein-1.2967488

Meinungen zur Studie und dem Ergebnis sind gerne willkommen. Ist Anpassung als Weg zu Harmonie, sozialem Erfolg und digitaler Lebensqualität wirklich der richtige Weg? Erinnert mich etwas an die eher unschöne Mentalität, die in Japan schon lange üblich ist.

2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

386er - 25th Anniversary Edition27.4.2016

Hier noch ein fauler Standardbeitrag Marke "1001 langweilige und im Prinzip immer gleiche WfW-3.11-Screenshots von CPs Uralt-Rechnern" mit großen bunten Bildern.


Ich hatte ja schon lange keinen aktuellen Screenshot vom 386SX25 mehr online. Der lebt natürlich auch noch, und ist jetzt gerade 25 Jahre alt geworden. Okay, da hat sich zum Jubiläum auch nicht viel geändert, ich hab nur ein paar neue Icons ausprobiert und der Desktop gefällt mir visuell und farblich ganz gut, weil die relativ einfachen Icons recht schön in den "dunkleren" Bereich des Hintergrundes fallen und gut lesbar sind. Die 512-KB-Limitierung auf 256 Farben fällt bei näherer Betrachtung natürlich auf (am Röhrenmonitor weniger), aber mir gefällt der Transparenzeffekt der Icons, die wohl wieder aus dem Mac-Bereich kommen.


Hier zwei Bilder, einmal Desktop ziemlich leer und einmal mit Schablonen-Ordner der WinWPS und Html-Reader für DOS. Vielleicht mag ja jemand noch "Immer der gleiche Mist..." als Kommentar schreiben. Sonst mach ich das selber ;-).





3 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Windows 3.1x im Browser22.4.2016

Okely-Dokely, hier ein kurzer Beitrag. Vor einigen Wochen konnte man ja online an verschiedenen Stellen die Meldung lesen, daß man auf archive.org jetzt auch Software für Windows 3.11 direkt im aktuellen Browser ansehen und anwenden kann:


https://archive.org/details/softwarelibrary_win3_showcase&tab=collection


Der Nutzwert ist mir kaum ersichtlich, aber das ist natürlich ein nettes Beispiel für die "Leistungsfähigkeit" moderner Technologie, die einfach das DOS und Windows 3.1 und gleich noch die Anwendung dazu als Emulation nebenbei im Browser laufen lässt. Mit einer konkreten Erfahrung von Hard- und Software vom Anfang der 90er hat das aber wenig zu tun - dazu gehört IMO die originale Hardware und die eigenhändige Installation von Hand und eben auch der Einblick in die Hintergründe, ini-Dateien etc. Im Browserfenster ist es reiner Konsum oder wie das Betrachten eines exotischen Tieres im Zoo durch ein kleines Guckloch - für ältere Anwender mit amüsiertem Nostalgiefaktor und für jüngere Anwender mit Irritation verbunden.


Die Überschrift im Archiv verspricht uns: "meant to show the range of software products available for the 3.x Operating System in the early 1990s" und die präsentierte Software besteht dann hauptsächlich aus kleinen 16-Farb-Spielen und Freeware. Das mag ja für den Anfang der 1990er und die frühe 3.0/3.1-Zeit durchaus repräsentativ sein, zeigt aber IMO wieder nur einen kleinen Ausschnitt aus den Möglichkeiten (und gerade das Überschreiten von 16-Bit-Grenzen war ja im Laufe der Jahre der interessanteste Faktor) und aus der Entwicklung. Aber so soll es wohl heutzutage sein - schließlich will sich der Betrachter ja darin bestätigt sehen, wie glücklich er doch ist, im Jahr 2016 zu leben und all das hinter sich gelassen zu haben.


Bezeichnend sind auch die Kommentare dazu, die es z.B. bei heise.de gab - siehe hier:


http://www.heise.de/forum/iX/News-Kommentare/Retro-Computing-Software-Sammlung-fuer-Windows-3-11-im-Browser/forum-254548/comment/


Da findet man wieder die üblichen Einschätzungen der Art, daß DOS und Windows 3.1x ja sowieso der letzte Dreck sind/waren, daß niemals irgendetwas funktioniert hat, daß das Gutfinden von sowas gar mit einem Stockholm-Syndrom gleichzusetzen ist (der Betroffene also auch psychologische Hilfe braucht - das kommt mir doch bekannt vor ;-)) und noch einiges mehr. Das Vokabular ist durchsetzt mit negativen Wörter wie "Foltermethode" und "Horrorvorstellung". Besonders hübsch fand ich den Kommentar, der Anwendungen für Windows 3.11 wie folgt beschrieb:


"...eine echte Latrine aus dem Mittelalter von innen sehen und schmecken"


Naja, wenn das die Leute aus dem Internet sagen, dann wird das schon so sein. Ich habe zugegeben kein Windows 3.1 und im Moment auch keine grellbunte Freeware aus dem Jahr 1991 laufen. Mit einem ordentlich eingerichteten DOS/WfW und guter Software darauf verbinde ich jedenfalls etwas anderes. Wie auch immer - wenn man es selbst herausfinden will, sollte man sich meiner Meinung nach einen guten 386er oder 486er holen und einfach probieren. Das ist allemal besser, als der vorgefertigte Konsum über irgendwelche emulierte "Exotenschau" im Browser.

1 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Ahoy-Hoy 201620.4.2016

Vermisst mich eigentlich niemand, wenn ich schon seit Monaten nichts mehr schreibe?


Wie wohl jeder vermutet, habe ich zur Zeit einfach wieder keine oder kaum Motivation für Onlinekram. Die ganze Mentalität im modernen Internet langweilt mich und/oder schreckt mich einfach nur ab. Man kann kaum mehr einen Beitrag oder Kommentar(e) online lesen, ohne auf Aggressivität, Meinungsmache, Bewertungsdenken, Selbstdarstellung, Manipulation, Arroganz, Fehlinformation, zeitgeistige Herablassung etc. zu treffen. Und das betrifft alle Themen - sei es nun Weltpolitik oder Medien oder Technik oder zum Produkt umgeformtes "Retrotum" und so weiter.


Und wenn ich so was lese, verhagelt es mir auch persönlich die Laune, mich noch groß online zu präsentieren und einzubringen. Wie ich schon öfter schrieb - meine Meinung ist meine persönliche und private Sache, warum also soll ich die online groß "bewerben" oder in die Falle geraten, eine digitale Selbstdarstellung und Meinungsmache zu betreiben, die ich an anderen Stellen ablehne? Als das Internet für mich noch einen gewissen Sympathiefaktor hatte, ging es noch so halbwegs, aber das durchgestylte und in Kategorien und Wertungen gestaffelte Internet im Jahr 2016 ist mir so fremd geworden, daß ich aktuell kaum noch bloggen mag.


Mehr fällt mir im Moment zu dem Thema leider nicht ein.

5 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Der Creatures-Beitrag 201618.2.2016
Wenn wir gerade beim Thema PC-Spiele sind, fällt mir auf, daß ich schon länger nichts mehr zu meinem Lieblingsspiel "Creatures" geschrieben habe. Ich hatte übrigens auch versucht, daß Thema per Email der Redaktion als mögliches Artikelthema für das Return-Magazin vorzustellen, aber bisher keine Antwort erhalten. Da muß ich nochmal nachhaken. Wahrscheinlich nicht retro genug und zu Windows-ig. Wobei es ja eigentlich als legitimer Nachfolger des 8-Bit-Klassikers "Little Computer People" zu betrachten ist. Ein paar Screenshots hatte ich jedenfalls schon gesammelt, und die verwende ich halt jetzt teilweise für den Blogbeitrag.

Ich will jetzt keine riesengroßen Screenshots verwenden, eine komplette Übersicht über das Interface unter WfW 3.11 gibt es z.B. hier.


Auf die üblichen Ausführungen zum Spiel möchte ich gar nicht mehr groß eingehen, das habe ich in früheren Beiträgen schon getan. Es ist ein geradezu klassisches Beispiel für eine komplexe und große Idee, die ohne besondere Hardwareanforderungen und ohne viel 32-Bit-Schnickschnack eine echte Revolution im Bezug auf KI und die Simulation von künstlichem Leben hätte sein können. Ich hatte es auch schon auf dem 386SX25 laufen, dort war eher der geringe Arbeitsspeicher und weniger der Prozessor das Problem. Nur kam dann halt leider die Dunkelheit des 21. Jahrhunderts und die Nachfolgeteile beschränkten sich meist auf stetig und rapide steigende Anforderungen an die Hardware, vorprogrammierte Routinen, Punktesammeln, Massenzucht, Hunderte grellbunter Nornrassen, Updatezwang, Onlineranglisten und Bewertungssysteme. Auch eine Möglichkeit, eine große Vision in den Mainstream zu kanalisieren und in ein massenmarktgerechtes "Spiel" zu verwandeln.


Leider hat sich diese Tendenz aber zugegeben bereits im ersten Teil abgezeichnet. Die ursprüngliche Idee vom Anfang der 90er Jahre wurde nach mehreren Jahren der Entwicklung auch dort immer mehr verwässert - spätestens dann, als sich Publisher und Geschäftemacher eingeschaltet haben. So waren die Leute, die etwas wirklich Besonderes und Neues erreichen wollten (nämlich simuliertes "Leben") auch schon im klassischen Entwicklerteam eher in der Unterzahl. KI-Experte Steve Grand war für Teil 2 dann gleich komplett weg, und auch andere Leute, die sich vorgenommen hatten, etwas Ungewöhnliches zu kreieren, gaben entmutigt auf. Aber ich wiederhole Dinge, die ich bereits früher sagte. Und wo kämen wir denn da hin, wenn in meinem vielseitigen Blog in Beiträgen immer wieder nur das selbe Zeugs stehen würde? ;-).


Es gibt einen interessanten Thread in der Creatures-Newsgroup. Dort hatte 2009 irgendein überdrehter Newbie aus Gründen der Selbstdarstellung Steve Grand belästigt und ihn auch in die Newsgroup eingeladen. Er hat sich dann selbst zu einigen der Vorgänge geäußert. Hier der Link, falls es funktioniert:


https://groups.google.com/forum/#!topic/alt.games.creatures/CfslavrwxMk


Was mich kritisch auch wieder etwas "aufgerüttelt" hat, war neulich das Betrachten des kurzen Einführungsfilms zum Spiel auf der CD. Auch dort werden ja schon ziemlich große Sprüche gekloppt - der Spieler nähme gerade Anteil am ersten kommerziellen Experiment zum Thema künstliches Leben und niemand bei den Entwicklern könne bisher sagen, wohin die Reise geht, und was die Norns in Zukunft alles können werden. Das haben seinerzeit auch viele Spieler geglaubt, die sich dann z.B. per Newsgroup zu Theorien und Gedanken und gar ethischen Themen geäußert haben. Nachdem ich das Spiel jetzt ca. 16 Jahre spiele, sind mir die Beschränkungen des Programms aber auch durchaus ersichtlich geworden und die Reise geht oft leider nicht besonders weit. Womit ich Überraschungen in Genetik und Verhalten gar nicht ausschließen will. Die tauchen auch nach vielen Jahren immer mal wieder auf, weil der Code irgendwie immer halb im Chaos hängt (wie mir Steve Grand einmal schrieb).


Trotzdem sind viele komplexere Eigenschaften zwar ursprünglich in Teil 1 implementiert gewesen, wurden aber dann wieder entfernt, weil sie einem leichtgängigeren Spielerlebnis eventuell im Weg stehen könnten. So findet man immer noch Reste von Funktionen, mit denen Norns ihre Eltern, Kinder und Geschwister hätten erkennen können, was eine komplere Sozialstruktur hätte etablieren können. Diese Funktionen waren aber niemals aktiv. Erstaunlicherweise ist es trotzdem bisweilen so, daß sich nähere Verwandte eher zusammenfinden bzw. scheinbar auch eine größere Aufmerksamkeit füreinander zeigen. Objektiv kann es dafür eigentlich keinen Grund geben, außer eventuell, daß verwandte Norns in ihren Reaktionen auf äußere Reize einander so ähnlich sein können, das sie spontaner und aktiver aufeinander reagieren. Oder es ist Täuschung. Hier mal ein Bild von Elternteil und Kind:



Ein deutliches Zeichen für eine aktive (Online-)Community waren bereits ab 1997 die zahlreichen Entwicklungen von neuen Rassen und Welten. Leider sind einige der Rassen und Welten aber heute verschollen bzw. wurden nie vollendet. Dabei hätten gerade auch alternative Welten, die gewisse Funktionen freischalten oder ergänzen, zu mehr Tiefgang im Programm führen können. Die Welt "Terra Nornia" ist ein gutes Beispiel für den richtigen Weg. Andere Welten sahen bisweilen auch etwas holprig gestaltet und hobbymäßig gezeichnet aus. Eine optisch richtig schöne Alternativwelt stellt "Arboretum" dar, die jedoch nie fertiggestellt wurde - vermutlich kam dem privaten Entwickler dann Teil 2 dazwischen - und wer will schon Welten für veraltete Spiele? Hier dennoch zwei Screenshots aus Arboretum mit seinen Kristallhöhlen etc.:






Hier noch ein Ausschnitt aus einem älteren Screenshot, den ich immer so richtig schön knuddelig finde ;-). Nüchtern betrachtet gibt es natürlich nur eine simulierte Belohnungsreaktion in der KI, die sich durch vorprogrammierte Animation und das Abspielen eines wav-samples darstellt. Eine solch lebhafte Reaktion auf die streichelnde Spielerhand wie hier sieht man aber selten. 




Soweit mal wieder zum alten Thema. Wo könnte das Genre künstliches Leben wohl heute sein, wenn man sich nicht zu stark darauf konzentriert hätte, dem modernen Gelegenheitsspieler altbekannte Kost zu bieten? Mir konnte bisher niemand eine moderne KI-Soft zeigen, die an den Entwicklungsgrad dieses fast 20 Jahre alten "Spiels" herankommt. Schade.

0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Camelot in Monochrom8.2.2016

Am Wochenende habe ich mich dem EuroPC gewidmet, und dabei ein optisch durchaus ansprechendes Grafikadventure gefunden, daß auch mit 512 KB RAM, 9,54-Mhz-XT und Hercules-Monochrom läuft - nämlich "Conquests of Camelot - The Search for the Grail" von Sierra aus dem Jahr 1990.


Die Steuerung der Spielfigur läuft Sierra-typisch mittels Pfeiltasten und Eingabe von Textkommandos, wie man es ja auch aus diversen anderen Spielen wie Space Quest oder Kings Quest kennt. In jedem Fall gefällt die recht detaillierte und oft animierte Grafik im Camelot-Spiel sehr gut. So führt z.B. die Anweisung an den König, daß er sich reisefertig machen soll, nicht nur dazu, daß er plötzlich angezogen dasteht (wie es manch animations-sparende Spiel tun würde), sondern man sieht, wie er die Kleidung wechselt, das Kettenhemd anzieht und sich Schild und Schwert von der Wand nimmt - sehr schön. Das wirkt in EGA natürlich detaillierter, ist aber auch in monochrom visuell schön umgesetzt.


Allerdings wurde das Spiel im Schnickschnack-Jahr 1990 für pfeilschnelle 286er ab 12 Mhz geschrieben, daher geht König Artus auf dem XT doch etwas sehr gemächlich an seine heilige Aufgabe heran. Aber sei es drum, es ist durchaus spielbar. Das animierte Intro, die vielen Details und Animationen, sowie die zahlreichen Orte benötigen allerdings auch einiges an Speicherplatz - kamen die ersten Kings Quest-Teile noch mit ein paar Hundert KB aus, so braucht das Camelot-Spiel gleich 4 Disketten mit je 720 KB, die ohne Festplatte ab und zu gewechselt werden müssen.


Ich werde es in jedem Fall mal durchspielen, wenn auch vermutlich auf dem Pentium in 16 Farben. Dort läuft es ja auch. Hier mal ein paar leicht wacklige Fotos aus der Anfangsphase des Spiels direkt von EuroPC und Schneider-Monitor. Ein schönes Beispiel dafür, wie auch im kleinsten PC mal wieder ein umfangreiches Abenteuer und Spiele-Universum stecken kann:













2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Whatever happened to Google Groups?29.1.2016

Kann es sein, daß Google Groups völlig unbrauchbar geworden ist? Man konnte dort doch früher nach Newsgroups suchen und bekam dann eine Übersicht nach Jahren und Monaten sortiert. Wenn man also z.B. alle Postings und Threads in einer bestimmten Newsgroup aus dem August 1996 lesen wollte, so ging das zumindest so halbwegs. In jedem Fall konnte man Monat und Jahr direkt anwählen und nicht nur "vorgefiltert" auf die neuesten Beiträge zugreifen.


Aktuell scheint das nicht mehr zu funktionieren. Nicht nur, daß die Groups-Funktion irgendwo unter "Ferner liefen" versteckt ist, bringt mir eine Suche dort nur noch eine konfuse Liste der neuesten Beiträge bzw. Tonnen von Spam. Wenn ich jetzt also in das Jahr 1996 wollte, müsste ich mich durch Abertausende von Beiträgen wühlen. Was auch nicht geht, da selbst ein aktueller Firefox nach einiger Zeit runterscrollen mit irgendwelchen "Skript antwortet nicht mehr"-Fehlern hängen bleibt. 


Liegt es also an mir, oder ist die Groups-Funktion unbrauchbar? Was kann ich tun, wenn ich direkt nach 20 oder 30 Jahre alten Postings in einer Newsgroup sortiert nach Monaten und Threads suchen möchte? Gibt es noch Alternativen? Und warum bitte hat der digitale "Heilsbringer" Google für all das gesammelte Wissen von Usenet-Jahrzehnten nur ein solches Desinteresse übrig?

3 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

3.11-Screenshot des Monats Januar 201627.1.2016
Ein fauler Beitrag der üblichen Standardkategorie ;-). Da ich doch schon eine Weile keinen Windows-3.11-Screenshot des Monats mehr hatte, hier mal wieder ein aktueller. Sieht im Grunde so aus, wie schon die ganze Zeit, da ich im Moment mit der einfachen Gestaltung mit nur den nötigsten Programmen auf dem Desktop zufrieden bin. Mir gefiel hier besonders die Farbgebung, wobei es auf einem Röhrenmonitor natürlich IMO wieder besser und leuchtender aussieht.

Und ist das Bild nun ästhetisch oder sexistisch-kitschiger Schweinkram? Komplexe Frage ;-).


0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Serials online25.1.2016
Ein interessantes Kapitel der Mediengeschichte, auf das man gerne mal einen Blick werfen sollte, sind die amerikanischen Kinoserials, die es zwischen den 20er und 50er Jahren gab (danach wurden sie zugunsten von TV-Serien eingestellt). In der Tat sind diese in den Kinos aufgeführten Serials ja auch die Vorläufer aller modernen TV-Serien, relativ früh waren auch etliche Genres vertreten, von Krimi und Abenteuer über SciFi bis hin zu Comic-"Verfilmungen" von Radio- und/oder Zeitungsserien wie Phantom, Dick Tracy oder Flash Gordon. Zum Teil gab es dann auch kuriose Mischformen wie etwa SciFi-Western - ich hatte in einem früheren Beitrag ja schon mal "Phantom Empire" von 1935 erwähnt. Hier trat dann auch die Obskurität vieler Serien deutlich zutage, wenn sich z.B. die Führungselite einer hochentwickelten und zehntausend Jahre alten Untergrundzivilisation hauptsächlich darum sorgt, wie man einen singenden Cowboy von seiner Radio Ranch vertreiben kann. Ja, ernsthaft ;-).

Im merklichen Unterschied zu Radioserien der 50er wie "Dragnet" oder "Gunsmoke", die technisch und inhaltlich eine weitaus höhere Messlatte hatten, und im Bezug auf Handlungen, Sprecher und Klangeffekte auch heute noch überzeugen können (ich hatte ja schon einige Links präsentiert) "krankte" die Mehrzahl der Kinoserials leider häufig an Problemen, die sie heutzutage eher schwer verdaulich machen. Schlechte Darsteller, billige Sets und Effekte und eine holprige Cliffhanger-Dramaturgie voll mit Plotlöchern und Unfug sind häufig anzutreffen. Das geringe Budget zeigt sich auch darin, daß viele Serials einfach Archivszenen oder Ausschnitte aus anderen Filmen verwenden, um ihren Geldmangel zu überdecken. Ein kurioses Beispiel hierfür zeigt sich z.B. beim dritten Flash-Gordon-Serial "Flash Gordon Conquers the Universe" (hier gilt wohl auch die Regel: je bombastischer der Titel, desto geringer das Budget ;-)) - dort sehen wir als Double für den eisigen Kontinent Frygia auf dem Planeten Mongo etliche Szenen aus dem deutschen Film "Die Weiße Hölle vom Piz Palü". Also nicht wundern, wenn außerirdische Suchtrupps plötzlich Tirolerhüte tragen.


So ungern ich digitale Schnickschnacklinks präsentiere, findet man viele dieser Serials jetzt legal (?) auf archive.org, weil scheinbar keine rechtlichen Ansprüche mehr angemeldet wurden, und sie daher Public Domain sind. Wollen wir es halt mal glauben. Die Episoden lassen sich natürlich auch in MPG1 umwandeln und können somit auch mit älteren Rechnern betrachtet werden. Das Problem mit vielen dieser Dateien ist aber, das sie zum Einen oft stark gekürzte Syndication-Fassungen aus späteren 50er Jahre TV-Ausstrahlungen sind (so ist es z.B. im Fall des oben genannten Flash-Gordon-Serials. Ich kenne auch die deutschen Synchronfassungen, und dort ist jede Folge um einige Minuten Handlung länger, als in den englischen archive.org-Versionen). Zum Anderen tritt häufig das Problem auf, daß Bild und Ton asynchron sind, wie auch viele Beschwerden in den Kommentaren bestätigen. Keine Ahnung, woher das kommt, digitaler Schmuh halt.


Ein amüsantes und typisches Serial, daß ich gerne mit Link präsentiere, ist "The Phantom Creeps" von 1939. Es ist technisch in Ordnung, macht einen eher ungekürzten Eindruck, und wir sehen Bela Lugosi als ausländischen mad scientist vs patriotische Amerikaner. Der McGuffin ist eine völlig unsinnige Erfindung, von der uns immer wieder erzählt wird, welch schreckliche Waffe sie darstellt (ich will nun gar nicht zuviel verraten) und ein Großteil der Handlung besteht aus Action, Verfolgungsjagden und Cliffhangern. Diese grenzen zumeist an Zuschauerveräppelung, wie sich schon bei der ersten Folge zeigt. Das Publikum hat es nicht gestört. Lugosi hat übrigens mehrere Serials gemacht, zum Teil war er sogar der noble Titelheld, wie in den "Chandu"-Serials. Was ihm aber nicht wirklich lag, Vampire und melodramatische mad scientists sind doch eher sein Ressort. Und als Doktor Zorka mit Superwaffen, Unsichtbarkeit, evil robot und Z-Ray ist er absolut in seinem Element. Ansonsten ist die Handlung natürlich hanebüchener Unfug und ein ständiges Hin und Her von flachen Pappfiguren. Aber das macht vielleicht auch den Charme aus.


Interessant ist das Serial auch vom kulturhistorischen Blickpunkt, betont es doch sehr stark Aspekte wie Isolationismus und Staatsgewalt in den USA. Die bösen Jungs sind Ausländer und Spione, ihr Hauptquartier ist eine "International School of Languages" (international ist schon mal aus Prinzip unamerikanisch) und wenn der Held mit dem hübschen Namen "Bob West" unangenehm im Straßenverkehr auffällt, muß er nur seinen G-Man-Ausweis vorzeigen, und darf sich dann alles erlauben. Was aber auch auffällt, ist, wie schwammig die europäischen Hintermänner der Spione bleiben. Amerika war noch nicht im Krieg und wollte niemandem auf die Füße treten. Was ebenfalls auffällt, ist die starke Verwendung von Archivmaterial. Falls einem Bela Lugosi z.B. in einer Rückblende im Strahlenschutzanzug ein wenig zu groß vorkommt, nicht wundern - es ist in Wahrheit Boris Karloff und die Szene stammt aus einem ganz anderen Film. Etwas geschmackloser wird es zum Schluß mit einem Angriff von Doktor Zorka auf einen Zeppelin, illustriert von Szenen der brennenden Hindenburg.


Aber egal, hier der Link zum Onlinegucken oder Download aller 12 Episoden:


https://archive.org/details/the_phantom_creeps_ep1


Hier noch zwei Links mit nur kurzem Kommentar. Einmal zum "Captain America"-Serial von 1944 - hier fällt auf, daß es (vermutlich aus Budgetgründen) bis auf den Titel nicht das Geringste mit der Comicvorlage und deren schildwerfendem Helden zu tun hat. Captain America ist im Serial ein amerikanischer Staatsanwalt, der gegen das organisierte Verbrechen vorgeht. In dem Sinn passt die Handlung auch weniger in den Bereich Superheld, sondern mehr in den Bereich "hardboiled detective story". Und während andere Serials eher harmlos gestaltet sind, fällt hier der relativ hohe Gewaltlevel auf. Leider ist nur die erste Folge technisch okay, bei späteren Folgen sind Bild und Ton asynchron. Ach ja, Dick Purcell, der athletische Darsteller des Captains ist wenige Wochen nach den Dreharbeiten an einem Herzinfarkt gestorben:


https://archive.org/details/captain_america_ep1


Als letzten Link noch "The Undersea Kingdom" von 1935 - eine SciFi-Story mit dem wohl trockendsten Atlantis aller Zeiten. Etwas bizarr wirkt die Vorliebe der Story für leicht bekleidete Männer im Ringkampf und zeitgeisttypisch ist die Darstellung des Gegenspielers als asiatisch geprägt und als Angreifer einer europäisch-westlichen Zivilisation definiert - hier z.B. Unga Khan, bei Flash Gordon Ming The Merciless. Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen. Mit "Joe" sehen wir im ersten Teil die vermutlich größte Knalltüte der Serialgeschichte - der erste Teil ist auch sein letzter. Und ja, es sind die Roboter aus der Voyager-Folge:


https://archive.org/details/undersea_kingdom1


Soweit mal hierzu. Es liegen natürlich noch weit mehr Serials auf archive.org herum, darunter auch inhaltlich äußerst fragwürdige Produktionen. Bei Interesse einfach mal in der Serialrubrik rumsuchen. Leider gelten für viele die oben erwähnten Kritikpunkte Syndication-Kürzungen und asynchroner Ton.

0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Gute Vorsätze20.1.2016
Hier ein kleiner Beitrag, um mich zumindest mit einem kurzen Lebenszeichen im Blog zu melden. Eigentlich hatte ich versprochen, mich über den Weihnachtsurlaub an einige größere Beiträge zu setzen. Was aber irgendwie doch nicht geklappt hat, da ich mich in dieser Zeit hauptsächlich meinen 8-Bit-Rechnern gewidmet, und den DOS-PC daher kaum eingeschaltet habe. Die freundlichen Fanati...ähem....wahren Superfans im CF hatten schon recht - nieder mit Intel und Microsoft und der Unterjochung der Welt durch Bill Gates. Spätestens ab dem Jahr 1994 werden sowieso Commodore und Atari die Welt beherrschen ;-). Naja. Es war dann doch erholsam, mal völlig Abstand von PCs und Windows zu haben (egal welcher Version) und sich einfach nur dem Daddeln auf und "Erforschen" von Homecomputern zu widmen. Im Bezug auf das Schreiben von webkompatiblen Blogbeiträgen war es aber natürlich kontraproduktiv.

Im Grunde habe ich mir für 2016 ja durchaus vorgenommen, auch wieder etwas aktiver im gelebten Widerstand gegen das 21. Jahrhundert zu sein bzw. diesen nicht nur per theoretischem Getippe oder in den eigenen vier Wänden zu praktizieren. Aber wie? Das Retro-Magazin fällt als aufgeschlossenes Papiermedium für kritisch-argumentativen Kontakt mit der modernen Außenwelt weg. Das Thema hat sich erledigt. Ich hatte mir aber kürzlich ein "Return"-Magazin gekauft, das gar nicht mal so uninteressant aussieht - was mich allerdings etwas stört, ist der ziemlich knallbunte Hochglanzstil und die Tatsache, daß die Redaktion in einer Firma für Werbegrafiken sitzt. Aber die Themenauswahl ist recht vielseitig, und so mancher Autorenname ist sogar noch aus besseren GO64- und Retro-Tagen bekannt, so daß ich mich  wohl mal beim "Return"-Magazin melden, und nach der Möglichkeit von Gastbeiträgen oder Kolumnen anfragen werde.


Trotzdem erfüllt das im Bezug auf mehr Aktivität auch nicht so ganz meine Vorstellungen. Gibt es denn aktiv gar nichts mehr jenseits von RetroNostalgieFun-Gruppen auf Facebook und ähnlichem? Auch das alte Windows-3.11-Webforum (noch immer hübsch kompatibel mit 16-Bit-Browsern) ist so ziemlich tot, die wenigen verbliebenen Leute dort sprechen wenn überhaupt fast nur noch über Emulationen und virtuelle Umgebungen auf aktuellen Plattformen. Gibt es keine aktive Usergemeinschaft von XT/286/386er-Anwendern mehr? Keine Gruppe mehr, die noch Diskettenmagazine auf DOS-Basis herausbringt? Keine Leute mehr, die sich mit Entwicklungen von DOS-Spielen, Windows-3.1x-Oberflächen etc. beschäftigen? Keine Coder mehr, die aktuelle Spiel- und Software-Ideen für monochrome XTs konvertieren? Keine 16-Bit-Anwender mehr, die sich meine Windows-3.11-Screenshots ansehen, und dann sagen "Was für ihn normal ist, erstaunt uns. Er soll unser neuer Gott sein..."? ;-) - na, welche Simpsons-Folge?


Irgendetwas in der Art würde mich einfach mehr ansprechen, als das Schreiben für Hochglanzmagazine oder "Meinung verkaufen" online. Dann wäre auch wieder mehr Motivation da, den PC einzuschalten und nicht nur im stillen Kämmerlein Achtbitter in BASIC zu programmieren.

2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Weihnachtsgrüße 201522.12.2015

Jetzt bin ich leider nicht mehr zum Schreiben von längeren Beiträgen gekommen. Es sind aber einige in der Warteschleife und ich werde mich über die Feiertage dransetzen.


Was mir in den letzten Wochen wieder deutlich auffiel, ist die Diskrepanz in den Medien. Auf der einen Seite gibt es jede Menge Schwarzmalerei und Negativität - da bekommt man zu lesen, daß der 3. Weltkrieg (oder auch der Weltbürgerkrieg) doch bereits begonnen haben, das Ende der Zivilisation bevorsteht, und wahlweise Terroristen, brauner Mob oder böse Russen (etc.) unser aller Freiheit ja bald ein Ende setzen werden. Klicken sie hier auf unsere gesponsorte Klickstrecke, um das wahre Ausmaß des Grauens zu erfahren. Meh.


Auf der anderen Seite geht mit der Weihnachtszeit natürlich auch der übliche Kommerzrummel einher. Geiz ist geil. Neue Technik ist sowieso das Beste. Holt euch jetzt die zeitgemäßen Megageschenke für echte Weihnachtsfreude. Was vermutlich daran liegt, daß man als Ausgleich für die viele Schwarzmalerei halt dann jede Menge bequemen Lebensstil, Ablenkung und Entertainment braucht. Wer will sich denn noch mit unbequemen Dingen herumärgern, wenn die Welt schon unbequem genug ist?


Aber sei es drum. Ich wünsche allen Bloglesern Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr.

2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

The Final Whoibuh3.12.2015
Jetzt muß ich nochmal kurz auf ein spezielles Thema zurückkommen, daß vermutlich nur wenige Leser interessiert, und das hier im Blog eigentlich nichts zu suchen hat. Oder in gewisser Weise doch? Egal.

Ich hatte mich zwei Beiträge weiter unten ja mal wieder kritisch zum Thema aktueller Stil von Doctor Who geäußert, und erneut betont, daß die alte Serie für mich einfach besser ist, als die neue und zeitgemäße Serie. Sowas muß ich ja sagen, ich habe schließlich ein Klischee zu erfüllen. Da passt es natürlich, daß ich in meiner beschränkten Weltsicht eine visuell inadäquate Low-Budget-Kinderserie mit Sperrholzsets und schrägen Gummikostümen höher bewerte, als eine sehr komplexe und tiefgründige Erwachsenen-Scifi der Moderne, die soviel mehr Leute inhaltlich berührt und geistig stimuliert, als der olle 60er/70er-Kram. Wie könnte ich auch anders.


Nehmen wir mal an, meine negative Meinung zur aktuellen Serie wurde vorgestern per Email herausgefordert. Vielleicht von jemandem, der mein Blog mitliest, aber namentlich nicht genannt und zitiert werden möchte, weil er sich in einem Umfeld bewegt, in dem man mit solch seltsamen Leuten wie mir nicht spielt. Vielleicht aber auch von jemandem, den ich gerade eben erfunden habe, um diesen Beitrag daran aufzuhängen. Alter literarischer Trick. Das wäre dann so wie damals, als ich in drts den fiktiven Charakter Andi Krösing erfunden habe, nur um mir selbst zuzustimmen ;-).


Wie auch immer. Jener Herausforderer würde mir mitteilen, daß meine Ablehnung der neuen Serie auf wackligen Füßen steht, und würde dazu auf die gerade aktuell gelaufene Peter-Capaldi-Folge "Heaven Sent" verweisen. Diese wäre so absolut brillant und technisch, inhaltlich, philosophisch und schauspielerisch herausragend, daß man einfach nur dankbar sein muß, im Jahr 2015 zu leben, in dem es Serienfolgen dieses Kalibers gibt. Diese Tatsache würde die durchaus vorhandenen Mängel, die sich in die Serie eingeschlichen haben, mehr als wettmachen. Damit nicht genug, lebt die Serie ja gerade davon, daß sie sich digital global teilen lässt und jeder Anteil nehmen kann, anstatt sich eine analoge Einzelfolge im stillen Kämmerlein anzusehen, und einen schlabbrigen Fan-Newsletter per Hand zu drucken und 4 Leuten zu schicken.


Das letzte Argument ist etwas seltsam und ich frage mich gerade, ob ich sowas schreiben würde, wenn es denn um einen fiktiven Herausforderer geht. Nehmen wir an, ich hätte mir für meine Antwort natürlich das Skript durchgelesen (XT-kompatibel) und auch die Folge selbst auf moderne Weise größtenteils angesehen (shame on me). Dann würde meine Antwort wie folgt aussehen:


Ja, "Heaven Sent" ist auf ihre Weise eine brillante Folge. Nein, etwas von dieser Komplexität und Ernsthaftigkeit hätte es bei 20th Century Who nie gegeben. Aber...


Sie unterstreicht weiterhin meine Kritik, daß die Serie einfach zu pompös und zu selbstverliebt in ihre zentralen Charaktere geworden ist. Sie biegt sich die Geschichte und die Handlungen so hin, wie es ihr passt, um bei einer modern audience den größten emotionalen Bindungseffekt zu erzielen. Alte Logik? Wer braucht alte Logik?  J.J. Abrams läßt grüßen. Dabei wird eben auch eine gewisse Trivialisierung von Themen betrieben, hier (so beindruckend es auch sein mag) eine Trivialisierung des Themas Ewigkeit, die als ein Zeitraum betrachtet wird, den ein fast gottgleicher Held wie der Doctor überwinden kann. Desweiteren hat auch das Thema Tod und Verlust nicht mehr den immensen Effekt, den es früher gehabt hätte, weil das Thema bereits trivialisiert wurde, siehe Jenseits als Datencloud für Seelen und ähnlichem Kram aus der letzten Staffel. Es ist bereits ein Gimmick. Da kann Herr Capaldi noch so grimmig in die Kamera gucken.


Das ist genau wie bei Futurama, daß sich das Thema auch verbaut hat. In klassischen Folgen wie "Luck of The Fryish", "The Sting" oder "Jurassic Bark" war es stets ein beeindruckendes Thema, weil es wirklich darum ging, wie Charaktere auf den Tod bzw. die Abwesenheit anderer reagieren. "The Sting" macht sich dabei sogar über die einfachen Lösungen Marke Star Trek lustig. Was aber passierte in den neuen Futurama-Staffeln? Der Tod wurde ab der erste Folge zum Gag, der mit Klon-Magie ganz simpel aufgehoben wird. Und schwups fällt der Koyote in die Roadrunner-Schlucht. Ab diesem Moment konnte sich Futurama keine Folge mit einer ernsthaften Tendenz zum Thema Tod und Verlust mehr leisten, weil es trivialisiert war.


Mein Hauptkritikpunkt an New Who im aktuellen Stil ist aber, daß man sich die Charaktere und die Geschichte so hinbiegt, wie man möchte. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Beispiel: es war nie in der jahrzehntelangen Seriengeschichte die Rede davon, daß der Doctor von Gallifrey geflohen ist, weil er dunkle Geheimnisse kannte und diese ethisch nicht mehr ertragen konnte. Es wurde immer gesagt, daß er einfach jemand war, der nicht mehr nur aus der Ferne beobachten wollte, der sich die Dinge aus der Nähe ansehen und verändern wollte, der das Universum quer durch alle Zeiten bereisen wollte. Warum? Eben weil ein Universum da war. Kurz, daß er das abenteuerlustige Individuum in einer steril gewordenen "zeitaristokratischen" Gesellschaft war, die nur die Oberfläche sehen wollte, aber nie in das Universum darunter eingetaucht ist. Das war eine schöne Motivation zur Identifikation mit dem Helden, die alle Zuschauer in den 60er/70er Jahren zufrieden mitreisen ließ.


Patrick Troughton hat hierzu einige wunderbare Sätze in seiner letzten regulären Episode von 1969. Und wenn der kleine space hobo mit den zerknautschten Klamotten bescheiden und stets ein wenig ängstlich wirkend dasteht, und mit einem stillen Lächeln davon spricht, warum er das weite Universum durchreist, und warum er frei sein möchte, dann hat daß einfach weit mehr vom wahren Geist des Abenteu(r)ers, als jedes überfrachtete Motivationskonstrukt mit düsteren Geheimnissen Baujahr 2015.


Da ist mir dann das leise Lächeln so viel lieber, als ein Peter Capaldi, der in HD wütende Grimassen schneidet und darüber poltert, wer mit Ruin und Zerstörung nun für seinen Verlust und für sein düsteres Geheimnis/Motivation bezahlen muß, weil er sowieso unbesiegbar ist. Das kann man beeindruckend finden. Muß man aber nicht. Mich beeindrucken Doktoren mehr, die das Universum sehen wollen, weil es da ist. Selbst dann, wenn der neue Planet aus wackligem Sperrholz besteht.


Würde diese Antwort einen Herausforderer meiner negativen Meinung zu New Who zufriedenstellen? Wer kann das schon sagen.


Hier noch die betreffenden Dialogzeilen aus den War Games von 1969:


JAMIE: Why did you run away from them in the first place?
DOCTOR: What? Well, I was bored.
ZOE: What do you mean, you were bored?
DOCTOR: Well, the Time Lords are an immensely civilised race. We can control our own environment, we can live forever, barring accidents, and we have the secret of space time travel.
JAMIE: Well what´s so wrong in all that?
DOCTOR: Well we hardly ever use our great powers. We consent simply to observe and to gather knowledge.
ZOE: And that wasn´t enough for you?
DOCTOR: No, of course not. With a whole galaxy to explore? Millions of planets, eons of time, countless civilisations to meet?
JAMIE: Well, why do they object to you doing all that?
DOCTOR: Well, It is a fact, Jamie, that I do tend to get involved with things.


Das soll es aber nun endgültig zum sehr speziellen Thema sein.

0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Neues Notebook und "altes" Notebook23.11.2015
Ein eher einfallsloser Beitrag mit vielen bunten Bildern: über das Wochenende hatte ich ein semi-aktuelles Notebook aus der Firma daheim, also so ein flaches schwarzes Teil mit 64-Bit-Prozessor und Windows 7 (ist ja glaube ich noch immer das am häufigsten Verwendete unter den aktuellen Versionen, oder?).

Ich hatte einfach mal die Idee, das aktuelle Notebook auf ein paar Fotos meinem "alten" 430 CDT von 1996 gegenüber zu stellen und dabei ähnliche Aufgaben abzubilden. Konkret aussagen kann das vermutlich nur wenig, aber es interessierte mich optisch. Eigentlich sollten es mehr Bilder werden, auch mit Spielen und Video und sonstwas, aber irgendwann ist mir die Motivation ausgegangen. Viele Leute würden das vermutlich gar nicht machen, weil das "alte" Teil ja sowieso nur verlieren kann ;-).

Hier die vorhandenen Fotos:



Neues Notebook mit Windows-7-Desktop in Farbe und bunt (und IMO unschön grell und spiegelnd)



"Altes" Notebook mit Windows-3.11-Desktop in Farbe und bunt (und matt und weit angenehmer zu betrachten)



Neues Notebook mit Audiowiedergabe im Medienplayer



"Altes" Notebook mit Audiowiedergabe im DOS-OCP



Neues Notebook im Emulationsbetrieb (C64 per WinVICE)



"Altes" Notebook im Emulationsbetrieb (Zelda 3 per SNES-Emulation, ZSNES unter DOS)

3 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Nörgel-Ecke17.11.2015
Hier vier relativ kurze, mediale Nörgelthemen, die mir spontan einfielen. Das ist jetzt keine besonders gut argumentierte oder organisierte Dekonstruktion moderner Mentalitäten, sondern mehr ein recht einseitiges Genörgel über dieses neumodische Zeugs, daß die jungen Leute so treiben.

Abe-Simpson-Modus on. Dagnab it.

Nörgelthema 1 ist noch einmal kurz das Retro-Magazin bzw. das ganze Umfeld. Mein Abo habe ich nun gekündigt und werde laut kurzer und unpersönlicher Antwort auch kein Heft mehr erhalten. Wie mir aber noch zu Ohren kam, wurde jetzt jemand, der sich öffentlich kritisch zu Heft und Verlag geäußert hat, wegen Verleumdung verklagt. Man muß also scheinbar vorsichtig sein, wie man sich in einer hippen Community von Retro-"Freunden" im Jahr 2015 äußert. Business is business. Was für ein Unterschied zur Atmosphäre seinerzeit in der GO64 oder dem CF. Auch wenn ich das Heft nun nicht mehr lese, reicht mir allein schon ein Blick auf dessen Webseite, die zumindest auf mich nur noch die Wirkung eines seelenlosen MediaConsulting-Produkts für RetroConsumer hat. Naja. Unterschätze niemals die dunkle Seite der Macht...


Womit wir mit einer fabulösen Überleitung gleich bei Nörgelthema 2 wären: Star Wars. Auch hier geht mir die Vermarktung und multimediale Durchdringung doch ziemlich auf den Senkel. Kann ja sein, daß der neue Film irgendwie so viel besser wird, als die gurkigen Prequels. Dafür braucht es aber auch nicht viel. Ich habe im Jahr 2015 nur ein wenig den Eindruck, als würde man gar nicht mehr auf einen greifbaren und individuellen Film warten, der eine Geschichte erzählt, sondern nur noch auf den verschwommenen Kulminationspunkt eines medialen Marketinguniversums.


Dann kann man sich den Film nach ausreichend digitalem Konsum von diversen inhaltlich korrigierten Special Editions, diversen digitalen StarWars-Serien und Webclips, Teasern, Trailern, Büchern und Comics (natürlich der neuen und zeitgemäßen Timeline angepasst, nicht mehr im "alten" Extended Universe) und dem Kauf von StarWars-Toilettenpapier, Wookie-Joghurt, Disney Princess Leia Girly Fashion, Jedi-Milchshakes von McDonalds, SithBurgern von Burger King, Knuddel-Stormtroopers,  Yoda-Fußmatten, LegoStarWars, PlaymobilStarWars, MickyMaus-StarWars, Manga-StarWars, Shakespeare-StarWars, R2D2-Gießkannen, Vader-Keksen, Jedi-Cornflakes, Tie-Müsli und SpaceBalls-Flammenwerfer...ähm...wo war ich? Ach ja, irgendwann kann man sich einen Film ansehen. Was ich tun werde, sobald er auf VHS oder Betamax erscheint.


Nörgelthema 3 ist ähnlich gelagert und bezieht sich auf Doctor Who. Nun ist es natürlich schwierig, über eine Serie zu lästern, die ich mir gar nicht ansehe bzw. bei der ich die letzte brillante Episode im Jahr 1979 einsortiere ("City of Death" von Douglas Adams of course). Allerdings verfolge ich aktuelle Entwicklungen durchaus, sei es durch Lektüre der aktuellen Folgentranskripte hier (was man auch gerne auf dem DOS-XT machen kann), sei es durch Mitlesen der Fandiskussionen, sei es durch das digitale Ansehen von zumindest Folgenteilen. Und mein Eindruck hier ist weiterhin, daß die britische Skurrilität und die Unschuld bzw. der Sinn für Abenteuer und Fantasie einfach verlorengegangen sind. Die Serie nimmt sich zu ernst, ist "überkandidelt", versucht in jeder Folge trendy und zeitgemäß zu sein, Charaktere und Inhalte zu überhöhen und mit Bedeutungen zu überladen, und oft gekünstelt "große Emotionen" aus den Zuschauern zu wringen, um so eine Bindung der Zielgruppe zu erreichen.


Mit dem ganzen pompösen Theater geht aber gleichzeitig auch eine Trivialisierung von Themen einher, die in der klassischen Ära wirkliche Bedeutung gehabt hätten. Effekte und Themen und Autoren und Schauspieler mögen ja zeitgemäß sein, aber mich spricht das nicht mehr an. Wo sind der kleine space hobo mit den zerknautschten Klamotten oder der Typ mit dem langen Schal und dem breiten Grinsen, wenn man sie braucht? Und ich kann mir irgendwie auch nicht vorstellen, daß Douglas Adams mit der emotionalen Bedeutungsschwere for a modern audience einverstanden gewesen wäre.


Wobei ich mir zu StarWars und Doctor Who auch die Frage stelle: wenn man all diese aktuellen Entwicklungen und Berieselungen nicht gut findet, und das Herz beider fiktiver Universen in einer Zeit sieht, die Jahrzehnte vergangen ist, ist man dann automatisch kein Fan mehr? Oder nur ein reaktionärer Altfan aus dem verstaubten Schneckenhaus?


Nörgelthema 4 ist ganz kurz nochmal das Thema Anime, wo ich mich immer wieder über den Großteil des Fandoms ärgere, der "gute Serien" wirklich nur in den letzten paar Jahren sieht (wo ich nur Schrott sehe) und alles "veraltete" völlig aus dem medialen Horizont streicht. Dabei gibt es gerade aus den 70er Jahren einige wirklich geniale Serien. Was aber passiert, wenn man online eine Diskussion zu alten Serien besucht: fast keine Kommentare und Teilnehmer, und wenn doch, dann kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, daß man bald einen Beitrag liest, der sinngemäß lautet "The animation is soooo outdated. I can´t stand to watch it...." Und so verbauen sich die Leute durch ihre Konditionierung auf bunte Farben und HD selbst den Horizont. Schade.

2 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Betamax-Produktion eingestellt11.11.2015
Im Moment habe ich leider nur wenig zu bloggen, aber diese "nostalgische" End-of-an-era-Newsmeldung fiel mir doch gerade auf:

http://www.japantoday.com/category/business/view/end-of-an-era-sony-to-stop-making-betamax-tapes

Sony stellt im März 2016 nach über 40 Jahren die Betamax-Auslieferung ein. Und eigentlich wundert man sich ja darüber, daß überhaupt noch anachronistisch gegen den Zeitgeist produziert und gelagert wurde, aber es war wohl so, daß Betamax gerade im professionellen Bereich noch verbreitet war und dort auch hoch geschätzt wurde.

Viele Leserkommentare zu der Meldung sind natürlich wieder wie gewohnt amüsiert bis irritiert, wie leider üblich wenn etwas aus dem allgemein akzeptierten Zeitgeistschema fällt. Der abschätzige Kommentar "Good Lord. Is it 1986 already?" bringt die einseitige Spott-Mentalität der Moderne vielleicht am Besten auf den Punkt.

1 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Weitere Gedanken zu einem neuen Magazin26.10.2015
Mit einem dezenten Schaudern fand ich heute den Umschlag mit der aktuellen Ausgabe des Retro-Magazins im Briefkasten. Leider ist es noch weit schlimmer geworden, als ich befürchtet hatte. Ursprünglich wollte ich mich ja mit mit einem längeren Beitrag zum Heft äußern, aber bei näherer Betrachtung ist es mir das auch nicht mehr wert. Das Heft ist bereits in der Papiertonne gelandet und diese Woche werde ich das Abo kündigen (und damit wohl nicht der Einzige sein). Schade.

Ich habe mir aber noch ein wenig Gedanken dazu gemacht, wie denn ein gutes Magazin mit Retro-Themen (und ich betone, daß ich dieses Wort nicht mag) aussehen könnte. Wie im vorherigen Beitrag geschrieben, würde ich mir dazu eben eine Art von inhaltlich vielseitigerem "20th Century Geek"-Magazin vorstellen. Gleich die erste Ausgabe müsste im Vorwort ohne Umschweife klar machen, daß es eben nicht um Nostalgie und Kommerzretro geht, was auch durch diverse praktische Workshops und "angestaubte" Selbstversuche im Heft unterstrichen werden sollte. Der Fokus sollte auf dem Echten, Imperfekten und auch Unbequemen liegen. Es soll keinesfalls ein stromlinienförmiges Heft für Leser sein, die Retrotum in Bequemlichkeit, Komfort, Emulation, Reprints und digitally remastered BluRays suchen.


Im Bezug auf mögliche Themen, Artikel und Inhalte der Erstausgabe eines "20th Century Geek" fiel mir auf Anhieb mal das folgende, fiktive Inhaltsverzeichnis ein. Das ist jetzt querbeet, eventuell sollte man Themenbereiche aber in Abschnitten zusammensortieren. Da sind jetzt einige Themen dabei, die ich im Blog schon angesprochen habe, zu denen ich aber in Zeitschriften bisher niemals Artikel gefunden habe.


- Vorwort vom Chefredakteur "Warum denn noch eine Retro-Zeitschrift?"


- Thema Computer "Unendliche Weiten in einem Fingerhut voll RAM" - die 10 besten Spiele für Computer mit 16 Kilobyte Arbeitsspeicher.


- Thema Film "Jabba hat einen Kopfreis ausgesetzt" - eine StarWars-Rezension anhand der 1982er "Krieg der Sterne"-VHS (Gedanken, Trivia, Seltsamkeiten).


- Kolumne (auf vorherigen Artikel bezogen) "Warum in einem staubigen Videoband mehr StarWars stecken kann, als in einem gestylten Marketing-Kosmos".


- Thema Comic "Wie Enten zu Menschen wurden" - ein Blick auf das Ducksche Schaffen von Carl Barks - Teil 1 (frühe Jahre bis 1946)

(nächste Ausgabe Teil 2 "Wie der reiche Erbonkel zu Weihnachten kam und zum Essen blieb" - die Jahre 1947 - 1955)


- Workshop: wir richten uns ein originales Geek-Zimmer im Stand von 1979 ein - mit Einkaufsführer für Flohmarkt und eBay (Teil 1 - Grundlagen)


- Thema SF-Roman "The Starmaker" - wie Olaf Stapledon 1937 die Grenzen von Raum und Zeit überwand.


- Thema Film "Ein VHS-Webshop im Jahr 2015" - Interview mit dem Betreiber über Motivationen, Ziele und verborgene Perlen.


- Thema Serien "Von Buck Rogers zu Woody Allen und Adolar - wie ein Genre begründet wurde, das zu Futurama führte".


- Thema Technik - die 10 berühmtesten Falschinformationen, die uns glauben mach(t)en, daß wir nur mit neuer Technik glücklich(er) werden.


- Kolumne (auf vorherigen Artikel bezogen) "Warum nicht sein kann, was nicht sein darf - vom Glücklichsein mit geekigem Sperrmüll".


- Thema Comic "Schwerter zu Feuerlöschern" - über Jugenschutz-Zensur und Retusche in Lustigen Taschenbüchern der 60er und 70er Jahre.


- Workshop: wir kaufen einen 486er und richten ihn als stylisches Mediencenter und Fun-Maschine ein (Teil 1 - die Hardware)


- Thema Film "Cowboys vs Robots" - ein (nicht nur) kulturhistorischer Blick auf das bizarre US-Western/SciFi-Kinoserial "The Underground Empire" von 1935.


- Thema Technik "Selbstversuch - Democoden in Basic und Assembler mit dem Sinclair ZX 81"


- Thema Hörspiel "X Minus One und Freunde" - SciFi und Fantasy in amerikanischen Radiohörspielen vor 1980.


- Thema Anime "Lupin the 3rd/Rupan Sansei" - ein Blick auf die erste Serie 1971/1972 und den Einfluß von Hayao Myazaki darauf.


- Thema Serien "Warum Philipp Hinchliffe als Produzent gehen musste" - ein Blick auf die "gothic era" von Doctor Who 1975/1976 und das Thema Gewalt.


- Thema Technik "Reparaturtipps für Homecomputer, Videorekorder & Co" - inklusive Leserforum.


Kommentare zu den Themenideen und eigene Ideen sind gerne willkommen. Jetzt bräuchte man nur noch einen Verlag und eine Redaktion.

1 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

20th Century Geek5.10.2015
Zum Thema Retro-Magazin scheint es weiterhin nichts Neues zu geben. Obwohl es irgendwann mal hieß, die neue Ausgabe (offiziell Ausgabe 04-06/2015!!!) wird Ende September erscheinen, habe ich bis heute keine erhalten. Oder hat von den Bloglesern schon jemand das Heft? Naja, ansonsten halt einfach Fresse halten, das hilft.

Ich habe mir aber mal wieder Gedanken dazu gemacht, wie eine Alternative zur Retro aussehen könnte bzw. welche Art von Heft ich gerne hätte. Und dabei kam mir die Idee, daß ein "rückwärtsgerichtetes" Magazin mit einem größeren Themenspektrum vielleicht interessanter und vielseitiger wäre, als eines, daß sich jetzt nur hauptsächlich der digitalen Computer-Vergangenheit und ihrer modernen Anhänger widmet. Außerdem sollte es ein Magazin sein, daß die Vergangenheit als quasi gleichberechtigt betrachtet, und nicht stets mit einem amüsierten Unterton darüber, "wie ulkig" es früher einmal war. Begriffe wie Nostalgie, Retro-Trend, akademische Analyse oder Emulation sollten im Wortschatz einer solchen Redaktion am Besten gar nicht vorkommen.


Es gibt vom Panini-Verlag ein recht nettes Magazin namens "Geek!", daß ich ab und zu mal kaufe und lese. Das Heft hat natürlich diverse Mängel wie einen relativ grellen Hochglanz-Stil mit oft kurzen Besprechungen zu einzelnen Themen oder wenig gehaltvollen Interviews mit aktuellen Geek-Stars. Desweiteren ist es Panini-typisch auch äußerst werbelastig mit Blick auf das eigene Verlagsprogramm. Im Bezug auf inhaltliche Fehler und Falschinformationen ist es wohl innerhalb der üblichen Grenzen für aktuelle Zeitschriften - so teilt uns die aktuelle Ausgabe z.B. mit, daß der Schöpfer der Muppets "Jim Henderson" heißt (was ich als Fan von Jim Henson natürlich sehr schade finde). Okay, lustige Stoffpuppen sind nicht unbedingt ein geekiges Thema. Wenn aber an anderer Stelle berichtet wird, daß Doctor Who im Jahr 2014 als Serie den 50. Geburtstag feierte, dann liegt die Redaktion auch in ihrem angestammten SciFi-Wissensbereich um ein Jahr daneben (es gibt die Serie seit 1963).


Was mir am Heft aber dennoch gefällt, ist das recht große Themenspektrum unter einem Dach. Es geht u.A. um Filme, Serien, Cartoons, Anime, SciFi/Fantasy-Bücher, Comics, Hörspiele, Computerspiele, Technik und ähnliches. Natürlich alles mit Blick darauf, was den Geek im Jahr 2015 so interessiert bzw. ab und zu auch mal mit kleinen "Spezialthemen" für den kommerziell einträglichen Retro-Geek. Und wenn ich mir die Zeitschrift so durchblättere, dann kommt mir dabei die Idee, daß man genau dieses Konzept einer Lifestyle-Zeitschrift eventuell ja auch unter dem Arbeitstitel "20th Century Geek!" machen könnte. Das selbe Themenspektrum, aber "nur" (und mit ordentlicher Recherche und Fachwissen) auf die Vergangenheit bezogen und z.B. mit einem speziellen Fokus auf die geekigen Jahre von 1965 - 1995. Und allein in jenen 30 Jahren gäbe es soviel Material, daß man im Grunde mehrere Jahre lang ein Heft füllen könnte, wenn man sich den Inhalten mit einem Auge für Details widmet.


Ich habe immer den Eindruck, daß gerade in aktuell geprägten Themenbereichen die Vergangenheit für viele oft unbekannt bleibt bzw. von modernen Zeitschriften auch ausgeklammert wird, sofern man nicht per Artikel ein wohlig-nostalgisches Schaudern und somit eine emotionale Bindung an Retro-Produkte beim älteren Leser erzielen kann. Wie an anderer Stelle geschrieben, sind z.B. aktuelle Animeserien ein beliebtes Medienthema und tauchen auch im Geek-Magazin häufiger auf. Aber warum nicht einmal eine Zeitschrift publizieren, die sich u.A. den zahlreichen Anime-Serien der 70er und frühen 80er Jahre widmet? Warum keine längeren Artikel und Serien-Rezensionen dazu - selbst dann, wenn zu so mancher Serie kein aktueller Release auf Schnickschnackscheiben vorliegt.


Oder Artikel über amerikanische 80er-Jahre Cartoons, ohne dazu nur auf Kindheitserinnerungen von Redakteur und Leser zurückzugreifen. Oder eine Rezension zu "Krieg der Sterne" anhand der originalen 1982er VHS-Version und nicht als Teil eines polierten Star-Wars-Merchandise-Kosmos für Kids. Oder eine Artikelserie über Technik und Hardware, die einen z.B. im Jahr 1979 zum angesagten Technik-Geek gemacht hätten. Oder eine Besprechung zu klassischen SF- und Fantasy-Hörspielserien im US-Radio vor 1970. Oder eben auch viele weitere Artikel zu Büchern, Comics, Computern, Betriebssystemen, Lifestyle etc. - alles unter dem Blickwinkel eines "20th Century Geek!".


Ich habe natürlich keine Ahnung, ob eine solche Zeitschrift funktionieren würde. Eventuell würde eine Redaktion auch relativ schnell wieder in Denkmuster fallen, die all die rückwärtigen Themen verbal aus einem Blickwinkel des Jahres 2015 betrachten und die "Gleichberechtigung" würde verschwinden. Und wenn eine Zeitschrift explizit sagen würde, daß man immer leicht angestaubte Originale verwenden sollte, sei es bei Technik, bei Ton- und Datenträgern oder auch bei Büchern, dann wäre vermutlich auch die Attraktivität für Werbekunden sehr gering. Wie so oft würde meine Konzeption in der Moderne also vermutlich kommerziell nicht funktionieren. Aber Gedanken darf man sich ja machen, solange man höflich auf die Juni-Ausgabe des Retro-Magazins wartet.

0 Kommentare | Schreibe einen Kommentar | Permanent Link

Page 1 von 20
Letzte Seite | Nächste Seite



hosted by simpleblog.org