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Ein Blog mit kritischen Texten zum digitalen und polierten Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, zum persönlichen Leben im 20. Jahrhundert als Aspekt der privaten Individualität und Denkanregungen dazu, warum auch sogenannte "alte", analoge und imperfekte Dinge ihren Reiz haben. Warnung: das Blog kann blasphemischen Mangel an Respekt für die überlegene "Großartigkeit" der Moderne enthalten. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Grumpy old man13.2.2017
Am Freitag hatte ich doch tatsächlich meinen 40. Geburtstag und sowas bringt einen doch auch etwas zum Nachdenken. Obwohl es das eigentlich gar nicht tun sollte.

Irgendwie fehlt mir zu diesem rechnerisch korrekten Alter subjektiv nach wie vor der Zugang. Das mag daran liegen, daß ich solchen Zeiträumen wie 20 oder 25 Jahren bekanntermaßen nur relativ wenig Bedeutung zuschreibe oder zugestehe. Meine Weltsicht und Meinung zu den Dingen sind daher kaum anders, als sie vor 20 Jahren oder mehr waren. Also warum sollte ich mich oder die Welt dann anders sehen, nur weil jetzt beim Alter eine 4 voransteht?

Mir fehlt da oftmals auch der Zugang zur "eigenen Generation", die sich doch relativ häufig mal auf Zeugs wie Karriere oder Geld fokussiert. Warum sollte ich Zeit und Aufmerksamkeit für so etwas verwenden? Solange ich genug Geld habe, um damit Nahrung, Benzin und Miete eigenständig zu bezahlen (und ein bißchen was für eine gute VHS oder ein Buch vom Flohmarkt übrig bleibt) ist für mich alles in Ordnung. Was würde ich denn mit zusätzlicher Karriere und mehr Geld anfangen? Schnickschnack kaufen, der als Bedarf bis vor kurzem noch gar nicht existiert hat? In "reife" Werte investieren? Meh. Ich konnte auch nie nachvollziehen, warum man sich mit höherem Alter für Geld "Lebensqualität" kaufen soll, und die Dinge plötzlich edler, besser, stärker, schneller etc. braucht. Das Denken ist mir fremd geblieben.

Ebenso fremd ist mir auch geblieben, warum sich Nonkonformismus und Hinterfragung mit den Jahren in Dinge wie z.B. brave Nostalgie oder zeitgemäß korrektes "Retrohobby" und Lifestyle nach Standardschema zu wandeln haben - immer einfacher, bequemer, und bloß nicht sozial unangenehm oder "zu altmodisch" auffallen. Die Leute, die im Alter von 20 Jahren z.B. "rebellisch" gegen eine technologische Standardisierung und das Wintel-Imperium argumentiert haben, sind nur ein paar Jährchen später Teil des Systems geworden. Und warum? Weil das alles schon sooooo lange her ist und man halt seine Perspektiven wechseln muß. Meh.

In dem Sinne habe ich vermutlich den Kontakt zur schnelllebigen Welt merklich verloren, weil diese eben solchen Regeln folgt. Das erklärt auch die Irritation online und offline aus diversen Richtungen (bzw. meinen Interesseverlust am Internet). Und manchmal habe ich den Eindruck, daß gerade die etablierte 30+ oder 40+ Generation besonders streng reagiert, wenn man anders sein will, und dieses auch ausspricht. Denn solche sozial auffallenden Flausen konnte man sich vielleicht in den 80er und 90er Jahren in der Jugend erlauben, aber doch nicht "gereift" im Jahr 2017.

Ist das, was ich beschreibe, nun leere Stagnation und Vergeudung von Lebenszeit? Von meiner Warte aus nicht. Auch wenn man seine Weltsicht in Jahrzehnten nicht ändert, gibt es doch innerhalb dieser Weltsicht so viele Details und Facetten und neue Dinge zu entdecken. Man muß halt nur mehr auf die kleinen Dinge schauen und diesen zu neuen Pfaden folgen. Und das kann belohnender und reichhaltiger sein, als Geld, Karriere, gekaufte Lebensqualität und irgendwelche Smartphone-Screens.

Der Beitrag sollte eigentlich länger werden, aber wer möchte schon eimerweise derlei Egozentrik übelster Machart lesen ;-).

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Herzlichen Glückwunsch!14.2.2017
Hehe, du bist nur wenige Jahre älter als ich...

Durchschnittlich-gemittelt-innerhalb-der-Standardabweichung sollte man -- soweit ich weiß -- in diesem Alter in eine Reihenhaushälfte, einen Mittelklasse-PKW u.ä. investieren. Habe neulich eine Arbeitsstelle, die dies über kurz oder lang ermöglicht hätte, ausgeschlagen -- sie war an einem verschlafenen Ort im Nirgendwo. Stattdessen arbeite ich jetzt in Berlin, für ein Gehalt leicht oberhalb des Hartz-IV-Satzes; es ist eine Tätigkeit, die mich fasziniert, und ein Zimmer, in dem ich meine gefühlt 10 Zentner Bücher unterbringen kann, wird mir von der Firma gestellt.

Eine Bücherhöle zum drin wohnen, ausreichend Zeit neben meiner Bezahltätigkeit für unbezahlte Tätigkeiten (Bücher schreiben) und ein interessanter Wohnort... was bitte soll eine Reihenhaushälfte sein? Und ein Mittelklasse-PKW wird erst dann interessant, wenn er mit Büchern gefüllt ist (doch dann besser gleich einen Lastwagen!). Flachbildfernseher, PS-4, Smartphone...? Kann man das essen?
Geschrieben von Anonymous

Untitled Comment14.2.2017
^^Fabian
Geschrieben von Anonymous

Wind aus früheren Zeiten17.2.2017
Die Zeiten haben sich für Non-Konformisten gewandelt. Es ist nicht mehr "cool", aufzufallen. Die Buntheit, die in den 80ern und 90ern noch zugelassen wurde, lässt sich auf alten Videokassetten gut beobachten. Gut, dass wir an einem schönen Abend den alten Zeitgeist durch die Röhre inhalieren können. Ein gutes Mittel, um lebhafter zu bleiben.
Tja Chris, gratuliere zur in vierzig Lebensjahren erlangten Weisheit! Aus deiner Generation dürfte in vielen Jahren eine handvoll Rentner hervorgehen (damit meine ich die altgewordenen Heimcomputerkids), die den Spaß am Computerspielen zu schätzen weiß. Eine super Altersvorsorge, denn langweilig wird es mit so vielseitigen Maschinen nicht. Und stabil ist's auch noch, denn zuverlässig sind die alten Kameraden allemal.

< Bird >
Geschrieben von Anonymous

Nun denn...18.2.2017
auch von mir alles Gute.
Ein zufiredenes Leben muss nicht teuer sein und lieber glücklich in der kleinen Wohnung, als mit der Reihenhaushäfte unter dem Schuldenjoch der Bank ;-)

In diesem Sinne,

Grüße Andi
Geschrieben von Anonymous

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