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Ein Blog mit kritischen Texten zum digitalen und polierten Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, zum persönlichen Leben im 20. Jahrhundert als Aspekt der privaten Individualität und Denkanregungen dazu, warum auch sogenannte "alte", analoge und imperfekte Dinge ihren Reiz haben. Warnung: das Blog kann blasphemischen Mangel an Respekt für die überlegene "Großartigkeit" der Moderne enthalten. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Infotainment oldschool5.12.2016


Zur Zeit habe ich nicht viel Neues zu berichten, aber vielleicht ist das hier ja ganz interessant: dieser Tage habe ich 10 Ausgaben der naturwissenschaftlichen Zeitschrift "Kosmos" hereinbekommen - und zwar aus dem Zeitraum von 1947 bis 1950.

Die Zeitschriften sind für ein Alter von fast 70 Jahren in einem erstaunlich guten Zustand, lediglich etwas vergilbt. Das ist zwar sonst nicht so mein Zeitbereich, da mich hauptsächlich Zeitschriften aus den 70er Jahren interessieren, aber es ist dennoch interessant, zu sehen, daß auch "so kurz" nach dem Krieg schon wieder naturwissenschaftliche Magazine zur allgemeinen Bildung in einer Auflage von 50.000 Exemplaren erschienen sind - natürlich mit einem Vermerk, daß die Publikation durch die alliierten Militärbehörden freigegeben ist.


Die Cover sind eher beschaulich-deutsch mit meist Tier- und Landschaftsbildern, aber die Artikel im Heft widmen sich durchaus komplexeren Themen wie z.B. Astronomie und Physik. Was sind Isotopen? Wie ist ein Atom aufgebaut? Was ist ein Cyclotron? Woher bezieht die Sonne ihre Energie? Die Kernfusion ist auch korrekt beschrieben, nur das Alter der Sonne wird mit "etwa zwei Milliarden Jahren" nach heutigem Wissensstand falsch angegeben.


Hierbei ergibt sich natürlich wieder die Frage "Warum alte wissenschaftliche Zeitschriften lesen, wenn die Information im besten Fall unvollständig und im schlechtesten Fall vollkommen falsch sind?" Vielleicht, weil sie eben ein Spiegel ihrer Zeit sind, und gerade in diesem Fall aufzeigen, daß auch in schwierigen Zeiten der Wunsch nach Wissen weiterbesteht. Dies zeigt sich besonders gut an den für moderne Augen eher seltsamen "Werbeanzeigen" im Jahr 1947, die nur den Namen des Produkts erwähnen, und dann dazu schreiben, daß es das Produkt im Moment gar nicht zu kaufen gibt, sondern erst irgendwann in besserer Zukunft wieder. Während sich also die Zeitschrift Gedanken über Forschung und Fortschritt machte, mangelte es selbst an Grundnahrungsmitteln. Und auch bei den privaten Anzeigen werden gerne mal Bücher etc. im Warentausch bzw. Tausch gegen "Rauchwaren" gesucht.


Darüber hinaus sind viele Artikel auch in dem Sinn ein wenig zeitlos, da sie abenteuerliche Themen und Streifzüge durch die Natur beschreiben, und gerade durch ihre Bescheidenheit (Exkursion durch die Insektenwelt eines Hauses mit der Lupe) angenehm sind. Also durchaus interessante Literatur aus einer Zeit, als es noch nicht selbstverständlich war, sich etliche Formen der Bildung durch Infotainment, Bibliotheken, Internet und Hochglanzmagazine überall besorgen zu können.


Und obwohl ich ein wenig zurückhaltend war, werde ich mich jetzt doch mit Interesse durch alle Ausgaben lesen.

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Verschenkregale?10.12.2016
Interessante Erkenntnisse! Wie findest du die damals verwendete Sprache? Unterscheidet die sich großartig von dem heute verwendeten Deutsch? Sprachveränderungen im Laufe der Zeit sind leider ein Hindernis, das uns den Zugang zu alten Büchern erschwert. Gilt das auch für deine Zeitschriften der späten 40er-Jahre?
Etwas Off-Topic: Alte und durchgelesene Bücher finden sich auch in Verschenkregalen oder Bücherschränken wieder, wo Leute sie einfach hineinstellen. Auch wenn es dort nicht solche Schätze wie deine Magazine geben wird, repräsentiert jede noch so kleine Geschichte die Zeit, in der sie geschrieben wurde. Die Bücherschränke scheinen somit schöne Orte für Freunde der Vergangenheit zu sein. Gibt es bei dir einen solchen Bücherschrank? Die scheinen sich großer Beliebtheit zu erfreuen, denn meiner Beobachtung nach werden es immer mehr.

< Bird >
Geschrieben von Anonymous

Untitled Comment12.12.2016
Die Sprache der 40er Jahre weicht natürlich ein wenig von der Heutigen ab, aber man kann sich durchaus in den Jargon einfinden. Für Teilchen wird z.B. gerne der Begriff "Korpuskeln" verwendet, ein Artikel über die Quantentheorie spricht dann z.B. von einem Welle-Korpuskel-Dualismus.

Bücherschränke habe ich hier bei uns in der Gegend leider noch keine gesehen. Der beste Ort für alte Bücher und Zeitschriften sind hier Flohmärkte.
Geschrieben von Bruchbach

Bücherschränke12.12.2016
Ich habe bisher in fast jedem kleinen Ort, den ich erkundet habe, einen Bücherschrank gefunden! Sogar in Haste, einem Ort in der Nähe von Hannover gibt es einen, der ganz neu aufgestellt wurde. Hier in Hildesheim gibt es mindestens drei Stück. In dem kleinen Dorf Krimmensen gibt es einen Bücherschrank in Form einer Telefonzelle, die schon seit mindestens 10 Jahren dort steht. Früher oder später wirst du auch einen Bücherschrank sehen.

< Bird >
Geschrieben von Anonymous

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