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Ein Blog mit kritischen Texten zum digitalen und polierten Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, zum persönlichen Leben im 20. Jahrhundert als Aspekt der privaten Individualität und Denkanregungen dazu, warum auch sogenannte "alte", analoge und imperfekte Dinge ihren Reiz haben. Warnung: das Blog kann blasphemischen Mangel an Respekt für die überlegene "Großartigkeit" der Moderne enthalten. RSS-Feed: http://www.simpleblog.org/rss.php?u=Bruchbach

Videorekorder und RFID10.8.2016

Im letzten Monat hat ja laut Internet der letzte noch verbliebene Hersteller von VHS-Videorekordern, die japanische Firma Funai, die Produktion von Geräten endgültig eingestellt. Auch Kassetten werden nicht mehr produziert. So hat man nun also den Punkt erreicht, an dem die vorhandenen Geräte und Datenträger schlichtweg überleben müssen, um weiterhin als analoge Alternative zur medialen Volldigitalisierung verfügbar zu sein. Und alle Qualitäts- und Bequemlichkeitsfragen hin oder her: ich denke einfach, daß immer eine Alternative vorhanden sein sollte - und zwar eine richtige Alternative und keine Simulation einer solchen.


Die "Last" der Erhaltung dürfte dabei generell bei den älteren Geräten liegen, denn die Videorekorder, die in den letzten Jahren noch gebaut wurden, waren IMO doch oft von zweifelhafter Qualität, gerade durch sehr viele Plastikteile, wo keine sein sollten. Aber man war wohl der Ansicht, daß solche Geräte im 21. Jahrhundert nichts anderes als Plastik mehr verdient hatten. Meh.


Das hat mich auch wieder an die Aussage erinnert, die ich vor einiger Zeit mal bei einer Besucherführung in der Stadtbücherei aufgeschnappt hatte. Wie den Leuten dort erzählt wurde, werden keine VHS-Kassetten mehr verliehen, weil die Abspielgeräte dafür ja inzwischen ohnehin alle defekt sind.


Kurioserweise fiel mit dem globalen Produktionsstop auch das erste technische Problem zusammen, daß ich in fast 25 Jahren mit meinem Videorekorder Marke Schneider hatte. Nun ist Schneider nicht unbedingt bekannt für extrem hochwertige Hardware, aber zumindest mein Videorekorder läuft treu seit 1991. Und das immer klaglos und problemlos, selbst bei Kassetten, bei denen schon Einzelteile davon hängen.


Als ich aber letzte Woche ein Band einlegen wollte, produzierte er auf einmal lautes Brummen und Schleifen, das Bild zitterte und der Ton war verzerrt. Also vermutlich ein Problem mit der Bandführung. Ich gebe die Schuld jetzt einfach mal einer allzu hakligen britischen VHS mit ST-TOS-Folgen drauf, die ich kürzlich zuvor angeschaut hatte.


Was also tun? Ich habe es einfach mit einem freundlichen "bittebittebitte" versucht, dann das ganze Gerät geschüttelt, dann auf den Kopf gestellt und nochmals geschüttelt, und dann noch eine Kassette ein paar mal rein und rausgefahren. Und siehe da, er lief und läuft wieder ganz normal und ruhig. Ich hoffe also, das Problem ist dauerhaft gelöst. Auf die nächsten 25 Jahre.


Ist wieder ähnlich wie bei meinem Notebook, bei dem ich mir ja vor einiger Zeit auch ernsthafte Sorgen gemacht hatte, nachdem einige Tasten nicht mehr funktionierten oder falsche Ergebnisse brachten. Nach ein paar Wochen lief das Gerät wieder ganz normal und 100% einsatzbereit - und das tut es bis heute. Manchmal hilft also einfach Schütteln und/oder Warten :-).


Ach ja, eine andere aktuelle Beobachtung noch: in der oben genannten Stadtbücherei wurde jetzt der gesamte Ausleihverkehr auf ein RFID-System umgestellt. Was vermutlich an vielen anderen Orten schon die Regel ist. Dafür wurden alle Bücher und Medien schon vor einer Weile mit den entsprechenden Chips "implantiert", was noch mal eine gute Möglichkeit bot, die meisten älteren Titel und Medien gleich ganz aus dem Verkehr zu ziehen.


Nun findet die Ausleihe nicht mehr bei anderen Menschen statt, sondern an Terminals mit Touchscreen, die die auf den Tisch gelegten Bücher anhand der Chips automatisch einlesen und verbuchen. Das ist sicher effizient, aber irgendwie unpersönlich. Laut Bücherei dient es übrigens auch der Diskretion, da man seine ausgeliehenen Bücher nur noch selbst sieht. Ob allerdings die Worte Diskretion und RFID in der gleichen Zeile stehen sollten, ist eine andere Frage.


Seit soviele wunderbare alte Bücher und Medien aus den Regalen verschwunden sind, ist mein Interesse an der Bücherei sowieso gesunken, da hilft auch keine neue Effizienz. Da ziehe ich dann doch die Flohmärkte vor.

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